Warum man sich einen Berg Arbeit kauft

Eins der ältesten Häuser in Hallenberg ist mit neuem Leben gefüllt: Jutta Pinzler und Jörg Schütte aus Köln renovierten den Hof zwei Jahre lang und eröffnen nun eine Frühstückspension.
Eins der ältesten Häuser in Hallenberg ist mit neuem Leben gefüllt: Jutta Pinzler und Jörg Schütte aus Köln renovierten den Hof zwei Jahre lang und eröffnen nun eine Frühstückspension.
Foto: Rita Maurer
Sie kommen beide aus der Fernsehbranche: Er war lange Zeit Programmdirektor bei VOX, sie ist eine bekannte Filmemacherin: Jutta Pinzler und Jörg Schütte haben in Hallenberg eine Frühstückspension eröffnet.

Hallenberg..  Es war einmal…. ein alter Fachwerkhof, der in seinem 400 bis 500 Jahre langen Leben schon viel erlebt hatte. Er war einer der größten Höfe mitten in der historischen Altstadt Hallenbergs und hatte mehrere Kriege und Stadtbrände überstanden. Unter seinem Dach wohnten im Laufe der Jahre Landwirte, Weber, Schäfer, Bürgermeister und Schützenköniginnen.

Doch dann wurde es still in dem alten Gemäuer mit seinem geheimnisvollen Gewölbekeller, dem 14 Meter tiefen Brunnen, den steilen Treppen, knarrenden Holzdielen und den unzähligen kleinen Relikten aus alten Zeiten. Der alte Hof, in ganz Hallenberg unter seinem Rufnamen „Karl Wilmches“ bekannt, war wohl einfach zu groß, es wollte sich kein neuer Besitzer finden. Bis vor drei Jahren ein Ehepaar aus Köln in seinem Urlaub zufällig dort vorbei kam: „Wir haben kein Haus gesucht, aber das Haus hat uns gefunden“, erklären Jutta Pinzler und Jörg Schütte ihre Ambitionen, warum „sich jemand aus Köln einen Riesenberg Arbeit in Hallenberg kauft!“

Die beiden kommen aus der Film- und Fernsehbranche und hatten mit Tourismus bisher eigentlich nichts zu tun, auch Hallenberg war ihnen bis dato nicht näher bekannt. Doch schon bei der ersten Besichtigung des Hofes war ihnen klar: „Wir möchten ein Stückchen Geschichte dieses Hauses und ein Teil dieser attraktiven kleinen Stadt werden. Und wir möchten diese Faszination mit anderen teilen, das Haus öffentlich machen.“

Alter Charme erhalten geblieben

So entstand die Idee, eine Frühstückspension in dem Hof einzurichten. Zwei Jahre lang wurde somit fast täglich innen und außen gewerkelt, viel Geschick und gute Einfälle waren nötig, da keine Wand wie die andere ist und fast jede eine neue Überraschung in sich barg.

Sieben Gästezimmer sind inzwischen vollendet oder stehen kurz davor. In der alten Milchküche befindet sich nun ein Frühstücksbuffet, der Kuhstall, dessen uriger Charme noch durch die alten Stallfenster und die typische gewölbte Kaiserdecke sichtbar ist, wurde zum Frühstücksraum mit gemütlicher Sitzecke umfunktioniert. Die nichtssagende Asphaltdecke vor den Ställen ist einem passend gestalteten Innenhof mit alten Brunnenplatten von der Unterkirche, historischem Kopfsteinpflaster sowie Natursteinmauern von ehemaligen Hallenberger Gebäuden und einem großen Hofbaum gewichen.

Im Herbst wird im ehemaligen Pferdestall eine Showküche fertig, in der Jutta Pinzler und Jörg Schütte dann Kochkurse anbieten möchten. Der gegenüberliegende, zum Hof gehörende Garten soll künftig an das Hallenberger Kräuterkümpchen angebunden werden und frische Kräuter für die Küche liefern. Auch ein Hof-Café steht auf der Ideenliste der neuen Inhaber.

Mitte März stellten Jutta Pinzler und Jörg Schütte ihren „Hof Hallenberg“ einem geladenen Kreis aus Handwerkern, Nachbarn, Stadtvertretern, Gewerbetreibenden und Freunden vor, im Mai wird ein Tag der offenen Tür für alle Interessierten folgen.

Die zahlreichen Besucher waren restlos begeistert: „Ist das schön geworden“, „Wie ein Traum“ oder „Hier ziehe ich ein“, war überall zu hören. Stadtbrandinspektor Albert Winter erinnerte sich daran, dass er als Schuljunge stets ein Salzfässchen in seiner Hosentasche hatte, um nach der Schule im „Karl Wilmches“ ein paar frisch gedämpfte Schweinekartoffeln mit Butter abzustauben.

Neue Besitzer und Freunde gefunden

Friederike Gamm stellte erleichtert fest, dass der früher gespenstische alte Weinkeller nun gemütlich ausgeleuchtet und von Spinnweben befreit ist. Und Vikar Matthias Kamphans freute sich bei der Einsegnung schon darauf, dass er demnächst auf der Hälfte seines steilen Weges zwischen Pfarrhaus und Kirche eine Rastpause einlegen kann.

Die Vorbesitzer des Hofs Hallenberg, Richard und Anna Gamm (geb. Jokic) aus Züschen waren sichtlich gerührt: „Wir sind stolz und glücklich, dass unser Haus nun neue Besitzer gefunden hat, die es so zu schätzen wissen und die für uns echte Freunde geworden sind.“

„Eigentlich ist die Geschichte, wie aus dem ‘Karl Wilmches’ der Hof Hallenberg wurde, ja wie ein Märchen“, befand Bürgermeister Michael Kronauge in seiner Eröffnungsrede. Und sicher werden noch viele, viele Gäste in die lebendige Geschichte dieses altehrwürdigen Fachwerkhofes eintauchen dürfen.