Von der Seifenkiste in das Eislabyrinth

Begeistert gefeiert wurden die WP-Streetbob-Weltmeister vom Team Bob Marley.
Begeistert gefeiert wurden die WP-Streetbob-Weltmeister vom Team Bob Marley.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Team Bob Marley aus Olsberg gewann im September in Winterberg den Streetbob-Weltmeistertitel.

Winterberg/Olsberg..  „Alles ist weltmeisterlich: Wetter, Zuschauer, die sportlichen Leistungen.“ Besser als Petra Sapp, Bobbahn-Geschäftsführerin, hätte man die WP-Streetbob-Weltmeisterschaft nicht beschreiben können. Spaß, Unterhaltung pur und Spannung bis zur letzten Sekunde wurde Tausenden von Besuchern in der Winterberger City geboten. Und natürlich kam der Sieger aus der heimischen Region. Das Team Bob Marley aus Olsberg hatte am Ende mit einem Wimpernschlag von 0,3 Sekunden die Nase vorn vor den Lokalmatadoren „Asten Lawine“. Die Geldpreise der Teams wurden zudem für einen guten Zweck gespendet. Unter den 21 Mannschaften aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der WESTFALENPOST waren noch drei weitere heimische Teams: Winterberg 1 (BSC/Skiklub, Platz 4), Volksbank Flitzer (11.) und Piraten HSK (19.).

Doch was ist aus den Weltmeistern geworden? Hier hat sich im Laufe der letzten Monate Erstaunliches getan. Die vier sportlichen Jungs aus Olsberg sind mittlerweile in die richtigen Bobs eingestiegen. Und auch hier geben sie eine gute Figur ab. Frederik Baumann hat unlängst als Anschieber mit Bob-Pilot Bennet Buchmüller (BSC Winterberg) an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen und dort den 8. Platz belegt. Jan Hengsbach, Sprecher des Streetbob-WM-Teams, lässt die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren.

Frage: Habt Ihr in der ersten Nacht nach dem Gewinn des Streetbob-WM-Titels überhaupt geschlafen?

Jan Hengsbach: Natürlich haben wir diesen Titel direkt gebührend in Winterberg gefeiert, dementsprechend war die Nacht auch sehr kurz. So richtig klar geworden ist uns der Sieg aber wohl erst in den Tagen danach.

Wie viele Anrufe, Mails und Glückwünsche erreichten Euch nach dem Titelgewinn? Seid Ihr oft auf den Erfolg angesprochen worden?

Wir hätten nie gedacht, dass uns so viele Leute - auch wildfremde - zum Titel gratulieren. Auch jetzt noch kann es vorkommen, dass man beim Arzt oder an der Tankstelle als Weltmeister begrüßt wird, was einem stets ein Schmunzeln abringt und einen erneut an den schönen Tag erinnert. Die Resonanz war echt überwältigend und ziemlich unerwartet.

Hat sich nach dem großen Tag in Winterberg in Eurem Leben viel verändert?

Tatsächlich hat die Streetbob-WM einiges in unserem Leben verändert. Noch am Tag des Titelgewinns wurden wir zwischen den Läufen von Bob-Bundestrainer René Spies zu einem Probeanschubtraining an die Bobbahn in Winterberg eingeladen.

Wir hatten sofort viel Spaß und wurden sehr herzlich in die bestehende Trainingsgruppe aufgenommen. Wir haben dann so oft es ging dort mittrainiert, um uns auf die erste Fahrt im richtigen Eiskanal, die kurz nach der Vereisung der Winterberger Bobbahn stattfand, vorzubereiten.

Inzwischen sind wir regelmäßig als Anschieber im Zweier- und auch im Viererbob bei diversen Trainingsfahrten und Lehrgängen mit im Einsatz.

Von der Seifenkiste in den Bob - eine unglaubliche Geschichte. Welche Wettbewerbe stehen in dieser Saison schon an?

Frederik hat an den Deutschen Bob-Meisterschaften in Winterberg teilgenommen. Sonst stehen in diesem Jahr wohl keine großen Wettkämpfe an, aber man weiß ja nie, was noch alles kommt. Wir fühlen uns auf jeden Fall schon sehr gut in die Teams der talentierten Nachwuchsfahrer, die in Winterberg trainieren, integriert und das Fahren macht dementsprechend sehr viel Spaß, jeder Start ist immer wieder etwas Besonderes.

Wollt Ihr beim Bobsport bleiben, um möglicherweise eines Tages als Anschieber oder Pilot bei einer richtigen Bob-WM teilzunehmen?

Die Faszination Bobfahren hat uns definitiv schon gepackt, wir haben bereits unser Leichtathletiktraining umgestellt und wollen voraussichtlich nächstes Jahr voll in die Saisonvorbereitung mit einsteigen. Inwieweit sich das mit Studium und Beruf verträgt, wird sich dann noch zeigen müssen. Zurzeit versuchen wir jedenfalls so oft mitzufahren, wie es eben geht.

Ein Teil unseres Teams hat sogar schon an einem Lehrgang am Königssee teilgenommen und hat dort bei einem Selektionsrennen für Welt- und Europacup mit angeschoben. Wir hoffen natürlich, dass uns solche Highlights auch in der Zukunft noch erwarten werden.