Von A wie Autisten bis Z wie Zwangserkrankte

Die Arnsberger Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Hochsauerlandkreis (kurz AKIS) im HSK und Mitglieder des Kompetenzteams Selbsthilfe Hochsauerland (KSH) informieren mit dem auffällig gestalteten SelbsthilfeMobil über die Selbsthilfegruppen des Hochsauerlandkreises.
Die Arnsberger Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Hochsauerlandkreis (kurz AKIS) im HSK und Mitglieder des Kompetenzteams Selbsthilfe Hochsauerland (KSH) informieren mit dem auffällig gestalteten SelbsthilfeMobil über die Selbsthilfegruppen des Hochsauerlandkreises.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Allein im Hochsauerlandkreis gibt es 160 Selbsthilfegruppen.

Winterberg/Altkreis..  Allein im Hochsauerlandkreis gibt es 160 Selbsthilfegruppen. Von A wie Autismus bis Z wie Zwangserkrankte. Koordinationsarbeit dafür leisten die Arnsberger Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im HSK (AKIS) und das Kompetenzteam Selbsthilfe Hochsauerland (KSH). Im Winterberger Haupt- und Finanzausschuss stellten sich beide Gruppen vor. Zu Gast waren die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Marion Brasch und Stefanie Bönsch von der AKIS im HSK und die ehrenamtlichen Mitarbeiter Dieter Steinberg und Monika Stork-Wrede vom KSH. Wir sprachen mit Marion Brasch und Stefanie Bönsch.

Erklären Sie doch bitte kurz, was die Aufgaben der AKIS im HSK und die des KSH sind?

Marion Brasch: Seit 2006 ist die AKIS anerkannte Kontaktstelle für den gesamten Hochsauerlandkreis und zuständig für alle Fragen und Angelegenheiten rund um das Thema Selbsthilfe. Wir werben für die Selbsthilfe, um gesellschaftliche Akzeptanz für deren Anliegen zu schaffen. Dabei kooperieren wir mit Trägern des Gesundheits- und Sozialwesens. Die Hauptaufgabe liegt in der Beratung von Einzelpersonen und deren Vermittlung in bestehende Selbsthilfegruppen.

Und was ist, wenn es vor Ort keine Gruppe gibt?

Stefanie Bönsch: Dann unterstützen wir die hilfesuchende Person bei der Kontaktaufnahme zu überörtlichen Ansprechpartnern. Außerdem unterstützen wir Menschen in der Gründungsphase von Selbsthilfegruppen, um so Lücken im Gesundheitswesen zu schließen. Wir sind aber nicht nur in der Gründungsphase da, sondern wir beraten auch bestehende Selbsthilfegruppen in organisatorischen, finanziellen und gruppendynamischen Fragen und bieten regelmäßig Fortbildungen an. Das KSH hingegen ist eine ehrenamtliche Gemeinschaft von Bürgerinnen und Bürgern, die sich gemeinsam mit uns für die Anliegen der Selbsthilfe im Hochsauerlandkreis engagiert und in vielen Projekten tätig ist.

Warum scheuen so viele Menschen den Besuch einer Selbsthilfegruppe?

Marion Brasch: Da fallen mir spontan drei Wörter ein: Scham, Unwissenheit, Unsicherheit! Menschen mit persönlichen Problemen scheuen sich davor, Hilfe anzunehmen. Vielleicht aus Angst, dass über sie schlecht geredet wird oder aus Angst, über ihre Sorgen und Nöte mit anderen zu reden. Viele Betroffene wissen aber gar nicht, dass es Selbsthilfegruppen gibt. Die rasant steigende Zahl der Selbsthilfegruppen zeigt aber, dass Selbsthilfe in unserem Gesundheitssystem eine immer wichtigere Rolle spielt und in der Gesellschaft eine immer größere Akzeptanz erfährt.

Kann eigentlich jeder eine Selbsthilfegruppe gründen?

Stefanie Bönsch: Ja, jeder der persönlich oder als Angehöriger betroffen ist, wird von uns bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe unterstützt. Oftmals hat sich hierbei bewährt, zunächst eine Info-Veranstaltung zum jeweiligen Thema durchzuführen, um so den Kontakt zu anderen Betroffenen herzustellen.

Welche gibt es noch nicht, obwohl spür- oder nachweisbar ein Bedarf dafür vorhanden sein müsste?

Marion Brasch: Gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen haben wir sehr hohe Nachfragen nach Selbsthilfegruppen oder Gesprächskreisen. Hier unterstützen uns die Kontakt- und Beratungsstellen für psychisch Kranke und Angehörige aus dem gesamten Hochsauerlandkreis von Arnsberg bis nach Winterberg, die in ihrem Leistungsspektrum viele angeleitete Gesprächskreise anbieten oder Gruppengründer unterstützen. Des Weiteren sind diese Beratungsstellen offen für jedermann und helfen bei der Organisation, stellen Räumlichkeiten und beraten in gruppendynamischen Fragen.

Der Name AKIS und die Bezeichnung Arnsberger Informationsstelle legt im ersten Moment den Verdacht nahe, es ginge um eine Einrichtung für Arnsberger Bürger...

Stefanie Bönsch: Die AKIS ist bereits seit dem Jahr 1992 für die Arnsberger Selbsthilfegruppen Ansprechpartner und hat sich hier sehr gut etabliert. Im Jahr 2006 hat sich die Stadt Arnsberg als Träger um die Anerkennung als Selbsthilfekontaktstelle für den gesamten Hochsauerlandkreis bemüht, um so das bisherige Angebot auf den ganzen Kreis zu erweitern. Bei der Auswahl des Sitzes der Kontaktstelle wurde bewusst das Bürgerzentrum Bahnhof Arnsberg, ein bürgernaher Standort, der zudem auch kreisweit gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und Gruppen Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, gewählt.

Warum legen Sie so großen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit und reisen über Land, um ihre Arbeit vorzustellen?

Marion Brasch: Selbsthilfe ist nicht nur eine sinnvolle Ergänzung, sondern ein wichtiger, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Gesundheits- und Sozialsystems. In den Gruppen finden Betroffene Unterstützung und Verständnis von Gleichbetroffenen, wo Angehörige teilweise überfordert sind. Sie geben praktische Ratschläge, bieten Rückhalt und erleichtern den Umgang mit der jeweiligen Erkrankung oder Problemlage. Da die Selbsthilfe im HSK aber noch von Unwissenheit und Skepsis geprägt und wenig publik ist und oftmals der Nutzen nicht erkannt wird, ist es wichtig, die Selbsthilfe nachhaltig bekannter zu machen.