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Serie: Altes Haus - gut...

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

19.04.2011 | 14:00 Uhr

Bruchhausen.Es gibt Gebäude, bei denen fällt beim Blick auf alte Bilder aus der Zeit vor der Restaurierung die Vorstellung schwer, dass es sich tatsächlich um ein und dasselbe Gebäude handelt. Beim Haus Ornes mitten in Bruchhausen ist dies absolut so.

Ein abbruchreifer Schandfleck in der Ortsmitte, morsch, beschmiert und verdreckt - mehr war es nicht. Circa erbaut im 17. Jahrhundert, war es von 1912 bis 1939 eine Jugendherberge, bevor es lange Zeit leer stand. Dann kamen im Jahr 2003 eine Versteigerung und der unbändige Wille der neuen Besitzer. Heute ist es ein Haus mit drei Ferienwohnungen und eine unglaublich schöne Zierde Bruchhausens.

Etliche Male seien Patricia Steinrücken-Koch und er auf ihren Spaziergängen durchs malerische Dorf an der Bauruine „Haus Ornes“ vorbeigeschlendert, schildert Stephan Koch. Etliche Male habe seine Ehefrau, die Restauratorin und Malermeisterin, darüber philosophiert, wie viel Spaß es machen würde, es wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln. „Patricia ging hier rein und hatte direkt vor Augen, wie es einmal aussehen würde“, schildert Stephan Koch und fügt hinzu: „Andere sahen nur einen Schrotthaufen, vielen fehlt einfach die Phantasie. Ich muss zugeben, mir ging es zu Beginn auch so.“

Unter Denkmalschutz

Das Gebäude wirkte zu dieser Zeit, dem Jahr 2003, für viele potentielle Käufer mehr als abschreckend, weil es unter Denkmalschutz stand, schildert der Bruchhausener. Zwei- oder dreimal habe es zur Versteigerung gestanden, doch niemand habe sich die Arbeit, durch Auflagen der Denkmalschutzbehörde naturgemäß noch zusätzlich umfangreicher, aufbürden wollen.

Ein Stephan Koch übrigens auch nicht, gesteht er heute. „Dieses Haus“, habe seine Ehefrau beim Rundgang immer bedeutungsschwer gesagt. „Bestimmt nicht“, habe er jedes Mal geantwortet. Bis er eben 2003 in Wien weilte, es wieder zur Versteigerung stand und sein Schwiegervater auf Wunsch seiner Frau zuschlug. „Als ich aus Wien kam, hatten wir den Schlamassel“, erzählt der Hausherr lachend. Über den Aufwand der Restaurierung sei er sich mehr als bewusst gewesen. „Wir sind ja nicht dumm, denn wir haben ja selbst eine Baufirma und kennen uns mit so etwas aus.“ Doch sowohl der Vater als auch der Schwiegervater haben ihm gut zugeredet, versprochen zu helfen. Und dieses Versprechen in den gesamten vier Jahren bis zur Fertigstellung 2006 gehalten. „Es ist eine Familienleistung, ohne diesen Rückhalt hätte es nie geklappt“, urteilt der Bruchhausener heute.

Jede freie Minute werkelten besonders er, Ehefrau Patricia, Vater und Schwiegervater sowie sein bester Freund an der Bauruine. Stellten in allem Chaos Tische auf, um direkt vor Ort seine Geburtstage zu feiern. Karrten Bagger und Tieflader heran, um den enormen Bauschutt zu beseitigen und lagen zum Pflastern so lange auf den Strohsäcken, bis sie die Beine nicht mehr spürten. „Man entbehrt so vieles, es gibt nur noch das Haus. Aber da musst du dann durch. Ich habe in den vier Jahren nicht einmal daran gedacht, aufzugeben“, kommentiert der Hausherr.

Gewisse Verrücktheit

Es gehört definitiv eine gewisse Verrücktheit dazu, sich auf ein solches Abenteuer einzulassen, ist sich Stephan Koch sicher. Anders lässt es sich vielleicht auch nicht erklären, extra nach Brilon in eine Straße zu fahren und sich bei deren Umbau die besten Pflastersteine aus Grauwacke für den eigenen Vorplatz rauszusuchen.

Gebracht hat es dem Ehepaar in der Rückbetrachtung so viel, findet Stephan Koch. Durch die Vermietung der Ferienwohnungen seien mit vielen Gästen Freundschaften entstanden, die der Bruchhausener nicht mehr missen möchte. Aus ganz Deutschland, aus Spanien, Italien, ja selbst aus den USA reisen sie an. Malen ins Gästebuch die alte Türklinke der Eingangstür, die die Besitzer nicht einfach wegschmeißen wollten, sondern sie liebevoll wieder herrichteten.

„Alte Gebäude erhalten das Flair eines so kleinen Ortes“, betont der Inhaber die Bedeutsamkeit, Häuser zu restaurieren anstatt sie einfach abzureißen. Es habe gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu viele Bausünden gegeben, findet er. Deshalb sei die ganze Mühe dieser vier Baujahre es wert gewesen - einfach um seine Umgebung wieder ein Stückchen schöner und lebenswerter zu gestalten.

Kerstin Wördehoff

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