Vom Betreuer, der 25 000 Euro veruntreut

In 42 Fällen hat der Angeklagte eine ältere Dame um Geld betrogen.
In 42 Fällen hat der Angeklagte eine ältere Dame um Geld betrogen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Amtsgericht Brilon hat einen Mann wegen Betrugs zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Brilon.. Ein Jahr und sechs Monate Freihheitsstrafe auf Bewährung - so lautete das Urteil von Amtsrichter Hans-Werner Schwens gestern nach zweistündiger Verhandlung vor dem Briloner Amtsgericht. Wegen Betrugs in 42 Fällen und einer Schadenssumme von insgesamt gut 25 000 Euro war ein ehemaliger Bankangestellter aus dem Raum Winterberg/Medebach angeklagt.

Der bislang völlig unbescholtene Mann hatte durch eine auf ihn ausgestellte Vorsorgevollmacht seit 2011 Zugang zu den Finanzen einer Frau. Die ältere Dame hatte ihm als gelernten Bankkaufmann die Verwaltung ihrer Konten anvertraut. Dieses Vertrauen missbrauchte der Beschuldigte und tätigte unerlaubt 33 Barabhebungen mit Beträgen zwischen 50 und 1000 Euro zu seinen Gunsten. Zudem beglich er eigene private Rechnungen mit dem Geld der älteren Dame und ließ sich 11 000 Euro aus ihrem Depot-Anlagekonto auszahlen.

Summe zurückgezahlt

Damit beglich er die Kosten für seinen Auto-Leasing-Vertrag und verwandte sonst das veruntreute Geld nach eigener Aussage „mal hier, mal dort“.

„Hatten Sie dabei gar kein schlechtes Gewissen?“ wollte Richter Schwens vom Angeklagten wissen. „Doch, aber da kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man das so mitmacht“, antwortete der Ex-Banker. Nach drei Jahren bemerkte eine weitere Person das kriminelle Verhalten des Mannes und zeigte ihn im Jahr 2014 an.

Rechtsanwalt Jostmeier führte als Verteidiger an, sein Mandant habe durch Rückzahlung des veruntreuten Geldes den Schaden wieder gut gemacht und bereue sein Verhalten. „Es tut mir leid. Es ist passiert, ich bitte um Nachsicht“, bekräftigte der Angeklagte gestern vor dem Briloner Amtsgericht.

Staatsanwalt Görgün wies darauf hin, das der Beschuldigte zwar geständig sei, aber die ältere Frau nicht nur finanziell geschädigt habe, sondern zudem das Vertrauensverhältnis zur ihr sogar mehr als 40 Mal gebrochen habe.

Die Motive eines Mannes für ein solches Fehlverhalten, der jahrelang ehrenamtlich u.a. bei der Feuerwehr tätig war, seien schwer zu ergründen, stellte Richter Schwens fest: „Salopp gesagt, kann ich mir das nur so erklären: Gelegenheit macht Diebe!“

Vertrauen missbraucht

Die geschädigte Frau sei zu tiefst verbittert über die Veruntreuung ihres Geldes und leide zudem unter dem Vertrauensmissbrauch. Bei ihr solle sich der Mann endlich persönlich entschuldigen.

Aufgrund der ansonsten günstigen Sozialprognose im Fall des Mannes aus dem Raum Winterberg/Medebach soll dieser zusätzlich zur Freiheitsstrafe auf Bewährung 300 Stunden soziale Arbeit im Raum Medebach leisten. In den kommenden drei Wochen muss er eine entsprechende Tätigkeit für 40 Stunden in der Woche gefunden haben. Das Urteil wurde angenommen und ist rechtskräftig. „Sie will ich hier erst wieder in 65 Jahren sehen, wenn überhaupt!“ schloss Richter Schwens die Verhandlung.