„Viele sagen uns, es ist gut, was ihr hier macht“

Amanuel Oqubagabr ist dankbar und glücklich, dass ihm die evangelische Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt. Rechts: Pfarrer Markus Pape.
Amanuel Oqubagabr ist dankbar und glücklich, dass ihm die evangelische Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt. Rechts: Pfarrer Markus Pape.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die evangelische Kirchengemeinde Marsberg gewährt Amanuel Oqubagabr aus Eritrea Kirchenasyl.

Bredelar.. Amanuel Oqubagabr soll nach Italien abgeschoben werden. Deshalb gewährt ihm die evangelische Kirchengemeinde Marsberg Kirchenasyl. Wie berichtet, lebt der 23-jährige Mann aus Eritrea seit dem 12. Dezember im ev. Gemeindehaus in Bredelar. Den Einspruch gegen die Abschiebung nach Italien hat das Verwaltungsgericht jetzt abgelehnt. „Damit haben wir eigentlich gerechnet“, sagt Pfarrer Markus Pape. „Alles andere wäre wohl ziemlich unrealistisch gewesen.“

Existenz aufbauen

Etwas Enttäuschung klingt trotzdem durch. Auch bei dem jungen Asylsuchenden. Er möchte auf jedem Fall in Deutschland bleiben und sich hier eine Existenz aufbauen. Nach Italien möchte er auf gar keinem Fall. „Das geht gar nicht“, pflichtet ihm der Geistliche bei. Italien sei vollkommen überfordert mit dem Umgang der vielen Flüchtlinge. Amanuel soll nach Italien abgeschoben werden, weil er nach seiner langen Flucht aus seiner Heimat Eritrea über das Mittelmeer Italien als erstes EU-Land betreten hatte und registriert worden war.

Die einzige Möglichkeit, dass er in Deutschland bleiben kann und Asyl bekommt ist das Kirchenasyl. Das Presbyterium hatte sich dazu entschlossen, um ein Zeichen zu setzten, dass man so nicht mit Menschen umgehen könne. Falls die deutschen Behörden den jungen Mann nicht innerhalb von sechs Monaten nach Italien überstellen können, muss sein Asylantrag in Deutschland bearbeitet werden. In diesen sechs Monaten darf er das Kirchengelände nicht verlassen. Er bekommt auch keine Leistungen mehr vom Sozialamt und die Kirchengemeinde muss für den Lebensunterhalt sorgen.

Leben im Gemeinderaum

Seit dem 12. Dezember lebt der junge Eritreer nun im Gemeindehaus in Bredelar. Der kleine Gemeinderaum im Erdgeschoss wird ihm als Wohn- und Schlafzimmer bis Mitte Mai zur Verfügung stehen. Dann endet das Kirchenasyl. In der kleinen Gemeindehausküche bereitet er sich seine Mahlzeiten zu. Eine Toilette steht ihm auch zur Verfügung. Duschen darf er sich bei der Pfarrersfamilie. Sie wohnt in der Etage über ihm. Und unterstützt ihn wo es nur geht. Inzwischen spricht Amanuel schon ziemlich gut Deutsch. Er hat schnell gelernt. Ehrenamtlich kommt eine pensionierte Lehrerin an zwei Vormittagen vorbei und unterrichtet ihn. Auf einem Tisch vor dem Fenster zur Straße hin steht ein Computer. Er sieht aus wie neu. „Er ist uns gespendet worden“, möchte der Pfarrer für die große Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung danken. „Es war wirklich überwältigend.“ Die Spenden kamen aus Marsberg bis Brilon und aus vielen unerwarteten Kanälen. Pfarrer Pape: „Viele sagen uns, es ist gut, was ihr hier macht und bieten ihre Hilfe an.“ Gemeint seien auch die Aktivitäten der Kirchengemeinde um die anderen Asylbewerber, die nach dem Brand des Asylantenwohnheimes im September ohne alles dastanden und in der Kerschensteiner Schule notuntergebracht sind. Pfarrer Pape: „Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, wir würden uns nur noch um die Asylbewerber kümmern.“