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Angst um Haustiere

Vermisste Katzen und viele Fragezeichen

11.10.2011 | 07:00 Uhr

Brilon. Manuela Schlesiger befürchtet das Schlimmste. Sie vermisst seit einigen Tagen ihre Katze „Pünktchen“. Eigentlich kein Grund für solch große Sorgen, könnte man meinen. Eigentlich.

Denn obwohl die 41-Jährige als Tierpflegehelferin nur allzu gut weiß, dass eine Katze durchaus mal ein paar Tage auf Wanderschaft geht, und es gerade in der Nähe ihres Bauernhofes in Hoppecke eine Menge zu erkunden gibt, bangt sie um das Leben ihres Stubentigers. Zum einen, weil Pünktchen „eigentlich nie den heimischen Hof verlassen“ habe. Viel mehr aber noch, weil sie beileibe nicht die Einzige ist, die derzeit im Altkreis ihren Vierbeiner vermisst.

Das Katzenkörbchen ist verwaist. Manuela Schlesiger (41) und ihr Kater Elvis vermissen ihre Spielgefährtin Pünktchen

Ein knappes Dutzend „tierische“ Vermisstenmeldungen zählte das Briloner Tierheim binnen des letzten Monats. In Brilon-Wald, in Alme, in Hoppecke. Ironie des Schicksals: Der Großteil der Meldungen wurde von Manuela Schlesiger aufgenommen, sie arbeitet im Tierheim. Immer wurden entweder rote oder schwarz-weiße Katzen als verschwunden gemeldet. Wer glaubt da noch an Zufall? Schlesiger nicht. „Haustierdiebstahl“, so ihr Verdacht. Und sie hat diese Vermutung nicht exklusiv.

„Wir haben, wie so oft in diesen Fällen, keine Beweise. Aber die Anzahl der Fälle und die Ähnlichkeit der vermissten Tiere legen den Verdacht nahe“, meint auch Heike Vieten vom Tierschutzverein Brilon. Schon 2009 und 2010 habe es ähnliche Fälle in Brilon gegeben, erklärt die 53-Jährige. Beide Male habe sich das Gros der vermissten Katzen geähnelt. Beide Male sei keins der Tiere wieder aufgetaucht. „Und das ist kein Phänomen, das nur im Sauerland bekannt ist“, sagt Vieten weiter. Selbst eine große deutsche Boulevardzeit griff das Thema in den vergangenen Tagen auf, nachdem ein Händler auf dem Leipziger Markt eine Erklärung über die Herkunft seiner angebotenen Katzenfelle schuldig blieb.

Eine Expertin auf diesem Gebiet ist Birgit Stübner (45) von der Kölner Interessengemeinschaft „Katzenfreunde gegen Katzenklau“. Auch sie habe bereits wiederholt von Verdachtsmomenten im Sauerland gehört, aus dem Raum Arnsberg. Zwar sagt sie klipp und klar: „Von den Sachen, die einer Katze im Freien passieren können, kommt Haustierdiebstahl noch am seltensten vor.“ Trotzdem schätzt auch sie die Anzahl und Art der Vorfälle im Altkreis als „auffällig“ ein. Aber wer könnte Interesse daran haben, eine Katze zu klauen?

„Fellverwendung“ sei ein mögliches Motiv, so Stübner. Gehäutete Tiere seien im Zusammenhang mit anderen Verdachtsfällen schon gefunden worden. Heike Vieten mutmaßt, dass es „Sekten“ geben könnte, die auf der Suche nach „Opfertieren“ sind. Von Beweisen für organisierten Katzenklau wissen beide nichts.

Um sich zu schützen, sei wichtig, auf das Verhalten des Tieres zu achten. „Oft erzählen Geschädigte, dass ihnen ihre Katze vor dem Verschwinden verändert vorkam“, sagt Birgit Stübner. Ihre Vermutung: Katzendiebe kundschaften die Gegend aus, locken Tiere gezielt an, bevor sie zuschlagen. Deswegen sei in verdächtigen Gebieten darauf zu achten, ob es zum Zeitpunkt des Tierverschwindens Altkleidersammlungen, Entrümpelungen oder Umzüge gab.

Die einzige Auffälligkeit im Briloner Fall: zwei Sichtungen eines weißen Kastenwagens mit Dortmunder Kennzeichen durch Geschädigte. „Es ist alles sehr vage“, sagt Manuela Schlesiger. Nur eins ist für sie so gut wie sicher: „Gut geht es meiner Katze sicher nicht.“

Bastian Angenendt

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2011-10-11 07:00
Nachrichten aus Brilon, Marsberg und Olsberg