Verliebte Kater und ungezählte Schafe

Kinderbuchautorin und -illustratorin Lena Hesse aus Hallenberg.
Kinderbuchautorin und -illustratorin Lena Hesse aus Hallenberg.
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
Am 2. April ist der Tag des Buches: Die gebürtige Hallenbergerin Lena Hesse schreibt und zeichnet Kinderbücher mit viel Liebe zum Detail.

Hallenberg..  Martha ist groß, behäbig und muss eine Brille tragen. Außerdem ist sie oft traurig, weil sie als Schildkröte ganz viele besondere Dinge nicht kann, die ihr Freund, die ­freche Fliege Paul, ihr ständig vorführt: Durch die Luft sausen, Loopings schlagen, kopfüber die Wand herunterkrabbeln. Mehr Beine hat er auch. Aber irgendwann erkennen beide, dass Martha etwas hat, das Paul nicht bieten kann – ein Zuhause. Und dass auch das etwas ganz Besonderes ist.

Martha und Paul sind die bezaubernden Hauptfiguren im Buch „Was Besonderes“ von der Kinderbuchautorin und -illustratorin Lena Hesse. Sie stammt gebürtig aus Hallenberg (Jahrgang 81) und hatte nach dem Abitur am Winterberger Gymnasium viele Berufswünsche: Sängerin, Zauberin, Artistin, Tennisspielerin, Schriftstellerin, Tischlerin, Restauratorin, Fotografin und Vergolderin. Nach einer Ausbildung zur Printmediengestalterin studierte sie in Münster Design und Fotografie. Mittlerweile lebt sie in Berlin und arbeitet für diverse Verlage und Werbeagenturen. Einige Bücher von ihr sind auch zweisprachig mit einer Lern-CD erschienen.

In den Zeichnungen und Collagen von Lena Hesse kann man förmlich versinken und zahllose kleine, liebevolle, witzige Details entdecken. Die Texte sind nicht einfach nur einheitlich geradeaus gedruckt, sondern spielen mit den Schrifttypen und –größen und machen auch gerne mal einen Schlenker zwischendurch.

Lena Hesse entwickelt ihre Bücher oft auf langen Reisen. Ideen und erste Entwürfe kommen mit in den Koffer und sind dann von unterwegs gesammelten Eindrücken und Gefühlen geprägt. Wie die Liebesgeschichte von Kater Fred und Graugans Anabel, die entstand, als Lena durch einen längeren Spanien-Aufenthalt von Freunden und Familie getrennt war. Fred und Anabel müssen sich nach einem herrlichen gemeinsamen Sommer für den Winter verabschieden, denn für Anabel ist zu kalt, sie muss ohne ihren Fred in den Süden ziehen. Auf die liebenswerte Erzählung, wie die beiden ihre Sehnsucht nacheinander überstehen und die eigentlich davon lebt, was zwischen den Zeilen steht, ist sogar das Schauspielhaus Bochum aufmerksam geworden und hat ein Puppentheaterstück daraus gemacht. Ein Kurzfilm über Fred und Anabel wurde im Februar einem Filmfestival in Paris mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Neues Buch „Eine Kiste Nichts“

Die Konturen und die kleine Welt ihrer Protagonisten zeichnet Lena mit der Hand auf Transparentpapier, Farbgebung und endgültige Feinbearbeitung erfolgen dann am Computer. In „Drölf“ geht es z.B. um ein trauriges kleines Schaf mit der Nummer 101, das niemals gezählt wurde, weil alle Menschen schon lange vorher eingeschlafen waren, bevor es endlich an der Reihe war. An einem doppelseitigen Bild mit unzähligen Schafen, die sich Pullover mit Zahlen darauf stricken, um diese dann untereinander zu tauschen, hat Lena eine ganze Woche lang gezeichnet. Insgesamt vergingen vom ersten Entwurf bis zur fertigen Reinzeichnung drei Monate.

Vor wenigen Wochen ist nun Lena Hesses neuestes Kinderbuch erschienen. Darin geht es um ein Huhn. Außerdem um einen Hasen und ein Geschenk. Eigentlich also die perfekte Osterüberraschung. Ist sie aber nicht, auf den ersten Blick jedenfalls. Denn dieses Geschenk besteht einfach nur aus einem leeren Karton. Eine Kiste Nichts – genau so lautet auch der Titel. Klingt langweilig. Langweilig? Lena Hesse nimmt ihre kleinen und großen Leser in diesem Buch mit auf eine fantasievolle Gedankenreise, was man alles aus Nichts machen kann, denn Nichts kann unendlich viel sein. Also doch das perfekte Geschenk!

Lenas derzeitiger Berufswunsch ist übrigens Surflehrerin. Bleibt zu hoffen, dass auch hieraus nichts wird und sie noch viele weitere Kinderbücher schreiben und zeichnen kann.