Vater, Mutter und zwei Wunschkinder

Adoptiert und glücklich
Adoptiert und glücklich
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
Für Elke und Burkhard ist der „Tag der Familie“ ein ganz besonderer Tag, denn ihnen ist es nicht in den Schoß gefallen, eine Familie zu sein, sie haben viele Jahre dafür gekämpft und zwei Kinder adoptiert.

Altkreis..  Morgen, am 15. Mai, wird der „Internationale Tag der Familie“ gefeiert. Die glückliche Familie – im Werbefernsehen taucht da gerne ein strahlendes Elternpaar mit einem stolzen, großen Bruder und einem süßen, blonden Schwesterchen auf. Eigentlich genau wie die Familie von Elke und Burkhard. Und doch stehen die beiden für eins der vielen anderen Familienmodelle, wie es sie mittlerweile immer öfter neben der traditionellen Konstellation aus Eltern und leiblichen Kindern gibt.

Die beiden haben nach rund 10 Jahren vergeblichem Kinderwunsch ihren inzwischen siebenjährigen Sohn als Baby aus Südafrika adoptiert. Seit einem halben Jahr macht nun ihre einjährige Pflegetochter das so lang erhoffte Familienglück komplett.

Für Elke und Burkhard ist der „Tag der Familie“ ein ganz besonderer Tag, denn ihnen ist es nicht in den Schoß gefallen, eine Familie zu sein, sie haben viele Jahre dafür gekämpft. Mit der WP haben sie über ihren Weg als Adoptiv-Familie gesprochen. Das laufende Pflegeverfahren ihrer Pflegetochter wurde dabei bewusst ausgeklammert.

Wie lange hat es vom Entschluss zur Adoption gedauert, bis Ihr Sohn bei Ihnen war?

Elke und Burkhard: Rund fünf Jahre. In dieser Zeit haben wir alle erforderlichen Unterlagen vorbereitet und viele Gespräche mit dem Jugendamt geführt, um ganz sicher zu werden, ob dieser Weg für uns richtig ist und ob wir ein Kind aus dem Inland oder Ausland adoptieren möchten.

Wie haben Sie Ihren Adoptivsohn gefunden?

Bei Adoptionen werden Eltern für ein Kind Eltern gesucht und nicht umgekehrt. Das Kind steht immer absolut im Vordergrund.

Haben Sie die leiblichen Eltern Ihres Sohnes kennen gelernt?

Ja, wir konnten glücklicherweise die „Bauchmama“ unseres Sohnes kennenlernen. Im Hinblick auf sein weiteres Leben und späteren Fragen war dieser Kontakt sehr, sehr wichtig. Es ist einer der emotionalsten Augenblicke in unserem Leben gewesen.

Wir sind ihr sehr dankbar, dass sie uns sehen und sprechen wollte, denn so können wir offen mit unserem Sohn über die Hintergründe seiner Adoption reden. Sie hat uns sehr persönliche Worte mit gegeben, die unserem Sohn und uns sehr viel bedeuten.

Wie geht er mit dem Wissen um seine leibliche Familie und sein Herkunftsland um?

Er ist da völlig offen. Er weiß von der Adoption und den Umständen die dazu geführt haben. Mittlerweile ist er sehr an Afrika interessiert, so dass wir ihm viel darüber zeigen und erzählen können.

Beunruhigt Sie der Gedanke, dass er irgendwann seine leibliche Familie suchen könnte?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir möchten gerne mit ihm das Land seiner Bauchmama und seiner Wurzeln besuchen und alles mit ihm ausfindig machen, was er wissen möchte, denn das ist ja ein fester Bestandteil unseres Lebens. Und nur so können wir ihm die Sicherheit vermitteln, dass er sich bei uns fallen lassen und Vertrauen fassen kann.

Wie haben Ihre Familie und Bekannten auf die Adoption reagiert?

Größtenteils sehr positiv. Verein-zelt gab es vermutlich aufgrund der Hautfarbe unseres Kindes die Frage: „Warum ausgerechnet aus Afrika?“ Im Prinzip können wir gar nicht sagen, warum wir uns für eine Adoption aus diesem Land entschieden haben, das war für uns irgendwie immer klar.

Kommen Fragen von den Spielkameraden Ihres Sohnes?

Im Kindergarten wurde anfangs nach seiner Hautfarbe gefragt, dann war es auch gut. Er ist ja von klein auf mit den Kindern seines Alters ganz „normal“ aufgewachsen.Deshalb wird er - Gott sei Dank – so, wie er ist, akzeptiert.

Unterscheiden sich Ihre Rechte von denen leiblicher Eltern?

Wir haben genau dieselben Rechte und Pflichten. Und wir haben genau die gleichen Sorgen wie leibliche Eltern. Manche Menschen befürchten, dass man bei einem Adoptivkind nicht weiß, wie es sich entwickelt und was auf einen zukommt. Aber weiß man das vorher bei einem leiblichen Kind?

Was verbinden Sie mit dem „Tag der Familie“ morgen?

Erleichterung und absolutes Glück nach dem jahrelangen Hin und Her, ob wir es schaffen oder nicht. Wir haben jetzt zwei gesunde Kinder, die uns jeden Morgen anlächeln, das gibt uns alles und macht sowohl die anstrengende Phase vorher als auch viele Alltagsproblemchen wett. Wir sind so dankbar, dass für uns nun jeder Tag ein „Tag der Familie“ ist.