Unternehmen in Westheim streicht Betriebsrats-Kandidaten den Lohn
23.02.2012 | 12:25 Uhr 2012-02-23T12:25:00+0100
Westheim. In einer Firma im hochsauerländischen Marsberg-Westheim gärt es. Den 24 Mitarbeitern, die für den Betriebsrat kandidieren, wurde für Januar kein Lohn überwiesen. Ein leitender Angestellter von Kombi-Massiv-Bauelemente soll gedroht haben: Wenn der Betriebsrat sich nicht auflöse, werde der ganze Betrieb „vor die Wand gefahren“.
In der Firma Kombi-Massiv-Bauelemente (KMB) gärt es: Wenn der Betriebsrat sich nicht auflöse, werde der ganze Betrieb „vor die Wand gefahren“. Das soll Dienstagnachmittag ein leitender Angestellter namens der Geschäftsführung in einer Mitgliederversammlung angedroht haben. Sagt jedenfalls Bodo Matthey, Gewerkschaftssekretär der IG Bau, Agrar, Umwelt (BAU).
„Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt dagegen Hermann Jakobs, Geschäftsführer und Mitgesellschafter, zur Westfalenpost. Grundsätzlich finde er „Betriebsräte fantastisch“.
Untertarifliche Bezahlung
Seit sich die Belegschaft im Herbst mit der Gründung eines Betriebsrates beschäftigte, hängt der Haussegen in dem 105 Mitarbeiter großen Unternehmen jedoch schief. Anlass, nach 1978 wieder eine organisierte Arbeitnehmervertretung zu installieren, sei, so Matthey, in erster Linie die untertarifliche Bezahlung. Das Unternehmen sei nicht dem Arbeitgeberverband angeschlossen und deshalb auch nicht tarifgebunden. Hinzu gekommen seien Klagen über die Arbeitsbedingungen.
Nach Gewerkschaftsangaben gehören rund 60 Prozent der Belegschaft der IG BAU an. Am 19. Dezember fand die Wahl des siebenköpfigen Gremiums statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 Prozent. Das Amt des Betriebsratsvorsitzenden wurde Rene Heißig, seit 15 Jahren bei der KMB tätig, übertragen.
Anfechtungsklage gegen Betriebsratswahl
Bereits zweimal trafen sich die zerstrittenen Parteien vor dem Arbeitsgericht. Die Geschäftsführung hatte in Arnsberg eine Anfechtungsklage gegen die Betriebsratswahl eingereicht. Angeblich, so der IG BAU-Sekretär, sei die Einladung nicht korrekt erfolgt. Der Richter, so Matthey weiter, habe jedoch schon zu erkennen gegeben, dass die Wahl deshalb nicht nichtig sei.
Außerdem hatte die Unternehmensleitung den Gewerkschaftssekretär mit Hausverbot belegt und wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Das Arbeitsgericht habe ihm jedoch den uneingeschränkten Zutritt zugesprochen. Dagegen laufe derzeit noch eine Beschwerde. „Erpressung“ nennt ein langjähriger KMB-Mitarbeiter gegenüber der WP die Äußerungen der Geschäftsleitung in der Belegschaftsversammlung am Dienstag.
Heizpilze und heiße Getränke gefordert
Dass die Chefs es ernst meinen, haben die 24 Mitarbeiter, die sich für den Betriebsrat kandidierten, am eigenen Leib erfahren müssen: Ihnen ist für Januar kein Geld mehr überwiesen worden. Für Hermann Jakobs stellt sich der Konflikt als individuelles Problem dar. Er hat einige wenige „Hardliner“ und „Schreihälse“ ausgemacht, die mit ihren Forderungen und ihrem Verhalten das Werk viel Geld kosten und - so seine Interpretation der Äußerung von Dienstag - „das Werk vor die Wand fahren“.
Der Betriebsrat, so Jakobs, habe die Anschaffung von „100 Heizpilzen“ gefordert, um eine Arbeitstemperatur von 12 Grad in 75 cm Höhe über dem Boden sicherzustellen, zudem heiße Getränke und zusätzliche Aufwärmpausen. Stimmt so nicht, sagt BR-Vorsitzender Heißig. Es sei um „drei, vier Mann“ gegangen, die bei der jüngsten Kältewelle hätten arbeiten müssen. Für sie habe er Tee und Pausen beantragt.
Unternehmen baut Stellen ab
Gut und gerne 35.000 Euro habe man bisher für die Betriebsratsaktivitäten ausgeben müssen, sagte Jakobs zur WP. Dass den 24 Betriebsrats-Kandidaten der Januar-Lohn nicht gezahlt worden sei, stimme: Man werde für derart gegen die Betriebsinteressen agierende Mitarbeiter nicht auch noch den Kontokorrent in Anspruch nehmen, um ihnen Löhne zu zahlen. Immerhin hätten die Gesellschafter vor zehn Jahren mit ihrer 14-Mio-Euro-Investition in das Werk „ihren Kopf weit aus dem Fenster“ gelehnt. 45 Arbeitsplätze seien damals geschaffen worden. Jetzt baut das Unternehmen Stellen ab. 15 Mitarbeiter sind bereits in diesem Jahr entlassen worden. Weitere, so Jakobs, werden folgen.
Am Freitag um 13 Uhr findet eine Belegschaftsversammlung der Firma KMB statt.
17:28
Wer einem Kunden eine Ware geliefert hat, hat Anspruch auf die Zahlung des Preises. Wer gelieferte Ware nicht bezahlt, ist ein Dieb. Wer einem Unternehmer seine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt hat, hat Anspruch auf Zahlung des Lohnes. Wer verrichtete Arbeit nicht bezahlt, ist ebenfalls ein Dieb. Was macht KMB eigentlich mit Kunden, die ihre gelieferten Beton-Fertigteile einfach nicht bezahlen?
19:57
Das ist mit Sicherheit kein Einzelfall. Ich kenne eine mittelständische Firma in Lennestadt, die den Leuten bereits bei der Erwähnung des Wortes Betriebsrat mit Kündigung droht.Die Mitarbeiter erzählen einem Horrorgeschichten über den Inhaber. Der gesamten Belegschaft mit Werksschließung gedroht, falls es auch nur zur Anmeldung einer Betriebsratswahl bzw. Gründungsabsicht kommt. Alle Mitarbeiter werden grundsätzlich der Faulenzerei verdächtigt und immer wieder eingeschüchtert. Was heute so abgeht ist eigentlich unglaublich! Ich hoffe der Geschäftsführer der Marsberger Firma wird empfindlich zur Rechenschaft gezogen.
22:39
Sauerland, Gutsherrenmanier, alles meine Leibeigene, so sind die Unternehmer dort reich geworden und die Menschen leben noch immer in Armut.
Weiter so Leute, dann seit ihr endlich im 21. Jahrhundert, nach Christus!
20:31
Solche Unternehmen sollten auswandern. Hier braucht man sie nicht. Der Wettbewerb übernimmt die Aufträge. Und die Mitarbeiter sollten die Firma verlassen. Im Moment sind die Chancen sehr gut. Manchmal fragt man sich, was in den Köpfen der Oberen vorgeht. Normal ist das jedenfalls nicht.
17:50
nicht umsonst ist marsberg das schllusslicht in der statistik nordrheinwestfalens im bereich einkommen.
dabei sit mit dem größten arbeitgeber, dem lwl, eine basis vorhanden, demnach kann man sich vorstellen was solche unternehmen wie hier im artikel angeführt, tatsächlich zahlen, moderne sklaverei, verdienst auf dem rücken der arbeitnehmer die ihre gesundheit auch noch opfern sollen.
ticken wir noch richtig ??? wo ist unsere soziale marktwirtschaft hin verschwunden ??
wo siind die volksvertreter ???
pennen diese? und zwar die aller parteien !!!
es wird abgebaut, alles an sozialleistugen und nun auch massiv an einkommen, dazu die steigerung aller energiekosten, deutschland geht den weg der versklavung . . .
schade eigentlich !!
17:30
Bitte durchhalten und weiterkämpfen,
für solche Geschäfts"leitungen" gibt es Arbeitsgerichte,
die für die 24 BR-Kandidaten entscheiden werden!!!
Ausserdem hoffe ich, dass sich auch vor Ort viele
(Parteien, Kommune, Kirchen) solidarisch mit euch zeigen,
und zur Ächtung des Unternehmen beitragen!!!
Und auch zumindest aus diesen Kreisen nie wieder einen Bauauftrag erhalten!!!!
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stimmt, dazu gibt es gerichte . . .
und die drohung, das unternehmen an die wand zu fahren bedeutet im endeffekt, bei dem unternehmen als auftraggeber nichts mehr kaufen denn sie sind schon pleite, wie sonst könnten sie auf die menge an mitarbeitern verzichten die sie nun gekündigt haben und noch kündigen wollen . . .
diesen chefs gehört mal wirklich eine vor den latz geklopft, denen muss man mal sagen WO sie sich befinden, in einem der stärksten regionen europas, wirtschaftliuch stärksten und sklaverei gibt es nicht mehr !
16:59
Grundsätzlich, nur nicht gerade in eigenen Betrieb halt.......
16:25
# Koenigsblau204
Bei Ihren Kommentaren kann man nur noch den Kopf schütteln.
Selbst beten und laut rufen: "Herr, schmeiß Hirn vom Himmel" wäre da zwecklos.
Hängt vielleicht auch mit dem Nick zusammen.
Sehr geehrter Dorstener,
in der Regel antworte ich nicht auf Aussagen, die auf diese Art und Weise getätigt worden sind.
Aber vielleicht können Sie spezifizieren, welche meiner Aussagen Sie stören?
Das es auch Betriebsräte gibt, die wider dem Unternehmenserfolg arbeiten?
Das Betriebsräte das Gleichgewicht suchen müssen zwischen Arbeiterinteressen und Unternehmensinteressen? Gerade das sollte im Interesse der Arbeitnehmer sein, denn immerhin ist die tägliche Arbeit die Grundlage für das tägliche Einkommen!
Bitte teilen Sie mir doch Ihre Meinung in einer etwas detaillierten Form mit, ich würde dazu Stellung beziehen.
Noch kurz zum Thema Nick. Ich habe mich über den BVB, RWE, Stadionbau Essen und andere Themen immer mit Respekt und wohlüberlegt geäußert. In so fern finde ich Ihr Vorurteil äußerst unhöflich. Ich versuche, auch bei Problemen, die mir sauer aufstoßen, nicht in billige Polemik zu verfallen!
16:03
Wunderbar. Gesetze gelten offenbar für manche Wildwest- Manager nicht mehr. Und mancher ihrer fans jubeln und faseln was vom Gleichgewicht. Wie soll das bestehen ohne Betriebsrat?
15:37
So weit sind wir in Deutschland schon gekommen.
Es ist unglaublich.
Und wer als Arbeitnehmer nicht in der Gewerkschaft ist,sollte sich mal überlegen was diese alles in der Vergangenheit und der Zunkunft auch für ihn tun werden.
von Koenigsblau204 | #7
Der Erfolg hängt von motivierten Arbeitnehmer an,nur die meisten scheinen es nicht zu Wisssen.
Die Manager leben nur davon.
Dann gehen Sie hochmotiviert weiterarbeiten, während Ihr Arbeitgeber wegen Konkurrenzunfähigkeit schließt.
Ich verweise gerne noch einmal auf das Wort Gleichgewicht... -.-