Über Sabbat, Thora und die alte Synagoge

Padberg..  Zu einem interessanten und aufschlussreichen Tag hatte der Förderverein „Ring Padberg“ in die kleine Fachwerksynagoge eingeladen. Etwa 100 interessierte Besucher informierten sich dabei über die jüdische Geschichte im Dorf. Und schon beim Betreten der kleinen Synagoge wurden sie mit einem „Hevenushalomalechem“ (Wir wünschen Frieden für euch alle), welches live von der Empore erklang, begrüßt. Eng wurde es, doch jeder lauschte andächtig dem Lied und später den Ausführungen von Ortsheimatpfleger Norbert Becker und Stefan Lemberg.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Fördervereins, Reinhard Becker, gab der Ortsheimatpfleger einen Rückblick auf die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Padberg (siehe Infokasten). In Beringhausen gab es damals übrigens auch solch einen Versammlungsraum, der anfänglich im Wechsel mit der Synagoge in Padberg genutzt wurde.

Jeder Siebte in Padberg war Jude

Die Zahl der in Padberg wohnenden Juden stieg im Laufe der Jahre stark an. Man hatte erkannt, dass sie für die Entwicklung und den Fortbestand einer Gemeinde von Bedeutung waren. 1831 war etwa jeder siebte Bürger im Ort ein Jude. In den folgenden Jahren begann der Anteil der Juden zurückzugehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er dann so gering, dass man die Synagogengemeinde 1931 auflöste und die Synagoge an einen Handwerker verkaufte. Aus diesem Grunde überlebte das Gebäude dann auch das Dritte Reich. Heute ist es in die Hand der Stadt Marsberg übergangen und wird von dieser erhalten und gepflegt.

Stefan Lemberg, mit Padberger Wurzeln, ist in der Verwaltung der Judenfriedhöfe in Köln und deren Umland tätig. Als jemand, der sich schon von Berufs wegen mit der jüdischen Geschichte und jüdischen Riten auseinandersetzt, konnte er gut erklären, wie eine Sabbatfeier in einer Synagoge ablief und welche Riten und Gebete wichtig waren.

Viele Parallelen

Anhand einiger jüdischer Feiertage erklärte er die Parallelen zu den Gebräuchen in den christlichen Kirchen. Die Besucher erfuhren, dass die Thora im Grunde nichts anderes ist als das Alte Testament. Daraus wurden in jeder Sabbatfeier Abschnitte vorgelesen. Auf dem Padberger Judenfriedhof erklärte Stefan Lemberg die jüdischen Bestattungsriten. Wie die Synagogen sind auch die Gräber nach Möglichkeit nach Jerusalem ausgerichtet. Beerdigt wird möglichst schnell nach Eintritt des Todes. Der Tote wird in einfache weiße Baumwollsachen gewandet und bekommt aus dem gleichen Stoff Schuhe und eine Haube aufgesetzt.

Anschließend werden die Toten in ein weißes Baumwolltuch gehüllt und in einem einfachen schmucklosen Sarg beerdigt. Interessant war es für die Zuhörer auch zu erfahren, dass die Gräber nicht irgendwann wieder eingeebnet werden, wie es bei uns oft der Brauch ist. Sie bleiben eigentlich immer bestehen. Die Verstorbenen sollen dann am Tag des Jüngsten Gerichts daraus wieder auferstehen können. Aus diesem Grund kommen auch nur Erdbestattungen in Frage. Somit war es für das Judentum ein großer Frevel, neben allen Schrecken, die die Menschen im Dritten Reich und in den Lagern erleiden mussten, dass die Leichen verbrannt wurden.

Alle Besucher an dieser Veranstaltung in Padberg waren sich einig, dass sie nicht nur einen Einblick in die jüdische Geschichte erhalten haben, sondern auch viel über jüdische Riten und Gebräuche erfahren haben. Gerade der Vortrag von Stefan Lemberg hat den Blick auf die Vergangenheit und die Zukunft geschärft, Unklarheiten beseitigt und für ein besseres Verstehen des jüdischen Glaubens gesorgt Es wurde angeregt, dass der Förderverein eine solche oder ähnliche Veranstaltungen ruhig öfter durchführen sollte.