„Tragischer kann ein Fest nicht anfangen und enden“

In der Propsteikirche ist ein Foto des bei dem tragischen Unglück ums Leben gekommenen Schützenkönigs André Bieker aufgestellt. Kerzen und Blumen
In der Propsteikirche ist ein Foto des bei dem tragischen Unglück ums Leben gekommenen Schützenkönigs André Bieker aufgestellt. Kerzen und Blumen
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Der tödliche Unfall zum Auftakt des Marsberger Schützenfestes hat in der ganzen Region Betroffenheit ausgelöst.

Altkreis..  Das Entsetzen und die Anteilnahme am Geschehenen ging weit über die Stadtgrenzen von Marsberg und auch das Sauerland hinaus. Zahlreiche Schützenvereine aus ganz Deutschland sprachen ihr Beileid aus.

Auch im 70 Kilometer entfernten Hallenberg begann das dortige Schützenfest am Samstag im Gedenken an André Bieker: „Wir haben vor dem Antreten zusammen gestanden und an unsere Schützenkollegen in Niedermarsberg gedacht, die sich wenige Stunden vorher noch genau so auf ihr Schützenfest gefreut haben wie wir“, beschrieb der Hauptmann und Vorsitzende der Schützengesellschaft Rüdiger Eppner die Betroffenheit in Hallenberg. „Wir denken an die Familie des Verstorbenen, aber auch an die Schützen in Marsberg. Wir können nur ahnen, wie sie sich nach einem solchen Unglück jetzt fühlen.“

Schützenhauptmann Josef Schreiber aus Medebach war am Samstag beim Schützenfest im hessischen Münden, auf dem seine Tochter Königin war. Auch dort gab es kaum ein anderes Thema: „Diese Nachricht hat mich unheimlich getroffen, ich habe André Bieker persönlich gekannt.“ In Münden sei am Samstag geböllert worden, was auf Unverständnis im Publikum stieß.

Der Schützenverein aus Müschede bei Arnsberg hatte dagegen spontan auf das traditionelle Böllern verzichtet.

Böllern in Brilon umstritten

Eine schreckliche Geschichte“, sagte Hans-Werner Beule, Major der St. Hubertus-Bruderschaft Brilon. Auch er kannte das Opfer. Beim Kreisschützenfest habe man noch mit den Marsbergern zusammen gefeiert. „Das muss man erst einmal verdauen.“ Die Briloner Schützen böllern das Fest ebenfalls traditionell an, und zwar mit fünf Schüssen. Bis zum Bundesschützenfest 2010 hatten das die Historischen Schützen aus Obermarsberg übernommen. Seitdem ist eine eigene Böllergruppe aktiv. Das lautstarke Spektakel zur Eröffnung des Schützenfestes wurde vor ein paar Jahren vom Marktplatz an die Kirche verlegt. Am Kump mit seinen Straßencafés und der angrenzenden Fußgängerzone sei es einfach zu laut gewesen. Sicherheit werde groß geschrieben, sagt Beule. Aber gleichwohl sei das Böllern selbst im Vorstand nicht unumstritten. Vielleicht komme das Thema nun noch einmal auf den Tisch. Jetzt aber, so der Major, „gehören unsere Gedanken dem Opfer und den Angehörigen in Marsberg“.

Rücksicht auf Tiere

Vor zwei Jahren wurde in Düdinghausen beim Abholen des Königs von dessen Bekannten geböllert, berichtete der Hauptmann Stefan Schlüter vom Bürgerschützenverein. Man sei sich aber einig gewesen, das nicht dauerhaft zu übernehmen, hauptsächlich aus Rücksicht auf Tiere. Dass es zu einem solchen Unfall kommen könnte, hätte sich dabei niemand vorstellen können: „Tragischer kann ein Schützenfest nicht anfangen und enden.“