Totes Baby in Brilon - Vater wegen Totschlags angeklagt

Für das Baby kam jede Hilfe zu spät: Es starb an inneren Blutungen.
Für das Baby kam jede Hilfe zu spät: Es starb an inneren Blutungen.
Foto: Archiv/Funke Foto Services/Birgit Schweizer
Was wir bereits wissen
Verdacht auf Totschlag und Misshandlung von Schutzbefohlenen in zwei Fällen - so lautet die Anklage gegen einen 29-jährigen Mann aus Brilon.

Brilon/Arnsberg.. Der 29-jährige Familienvater aus Brilon-Altenbüren, der am 20. Februar seinem viereinhalb Monate alten Sohn so schwere Verletzungen zugefügt haben soll, dass das Kind innerlich verblutete, muss sich wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen in zwei Fällen vor dem Landgericht Arnsberg verantworten. Das bestätigte Staatsanwalt Klaus Neulken dieser Zeitung. Das Landgericht habe die Anklage zugelassen und werde einen zeitnahen Termin für die Hauptverhandlung festlegen, so Neulken weiter.

Die Ermittlungen hätten den Verdacht bestätigt, dass das Kind durch massive stumpfe Gewalteinwirkung im Bauchbereich die tödlichen Verletzungen erlitten habe.

Gericht Verletzungen sollen bei Pflege des Kindes aufgetreten sein

Und sie brachten weitere Verletzungen zutage: Drei Wochen vor der Tat soll der 29-Jährige dem Baby mehrere Rippen und ihm bereits im Alter von vier Wochen den Oberschenkel gebrochen haben. Alle Verletzungen, so die Einlassung des Angeklagten, seien unbeabsichtigt und aus Versehen bei der Pflege des Kindes aufgetreten.

Der Oberschenkelbruch sei beim Wickeln passiert. In diesem Fall hatte der Mann unmittelbar seine Frau um Hilfe gebeten. Die beidseitigen Rippenbrüche seien unbemerkt geblieben und erst bei der Obduktion aufgefallen, so Staatsanwalt Neulken weiter. Der junge Vater habe eingeräumt, dem Baby bei Luftnot-Anfällen mehrfach auf den Rücken geklapst zu haben.

Verdacht auf Schütteltrauma nicht bestätigt

Die bei der Obduktion zudem festgestellten Hinweise auf ein Schütteltrauma haben sich dagegen nicht nicht bestätigt.

Die tödlichen inneren Verletzungen seien erfolgt, als er dem sich übergebenden Baby die Hand auf den Körper drückte, um das weitere Erbrechen zu stoppen.

An jenem Freitagnachmittag im Februar befand sich der 29-Jährige mit dem Baby und dem anderthalb Jahre alten weiteren Kind allein im Haus. Seine Frau war unterwegs, um Besorgungen zu erledigen. Als sie gegen 17 Uhr zurück kommt, habe ihr Mann mit den beiden beiden Jungen ganz normal auf dem Sofa gesessen, sagt sie. Plötzlich sei das Baby im Gesicht blau angelaufen und habe aufgehört zu atmen. Beim Eintreffen des umgehend alarmierten Rettungsdienstes ist das Kind bereits tot.

Bereits am Samstag ließ die Staatsanwaltschaft eine Obduktion vornehmen. Dabei ergaben sich konkrete Hinweise auf eine Straftat. Der 29-Jährige wurde festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.