Thematisierung wichtig

Stolpersteine..  Im Stadtgebiet Olsberg werden im Juni insgesamt 52 Stolpersteine des Künstlers Demnig verlegt. (...) Dies geschieht seit etwa 20 Jahren in einem rasanten Tempo, nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit. (...) Aber ist alles gut, was andere vormachen? Und eine noch wichtigere Frage lautet: Ist dies eine würdige Form des Gedenkens an die jüdischen Opfer während der NS-Zeit?


Sich der Namen der Ermordeten zu erinnern, ist richtig. Und hier sollen die vorbereitenden Arbeiten des Heimatbunds ausdrücklich anerkannt werden. Aber verneigen sich die Menschen beim Bücken wirklich mit Ehrfurcht, wenn sie von oben auf die Steine blicken? Viele werden auf den Text aufmerksam und berührt sein von der Tatsache, dass z. B. hier in diesem Haus Juden gelebt haben vor ihrem Abtransport in ein KZ. Aber es werden sicher auch viele Menschen achtlos darüber hinweggehen. Die Gefahr besteht, dass mit diesen - in gutem Willen verlegten - Steinen Missbrauch betrieben wird. Die Messingplatten nutzen sich ab; es ist bekannt, dass nach 20 Jahren manche Texte der ersten Steine kaum noch zu entziffern sind. Ein würdiges Gedenken geschieht eher auf Augenhöhe!


Kein gläubiger Jude tritt auf einen Grabstein. Nun sagen zwar o. g. Aktion befürwortende Rabbiner: Stolpersteine sind objektiv keine Grabsteine. Das ist richtig. Aber für kritische Rabbiner handelt es sich um Symbole, die wie Grabsteine behandelt werden.


Juden, die den Holocaust überlebt haben, sehen diese Aktion mit anderen Augen als wir. Sie haben als Kinder die Unmenschlichkeiten der Nazis erlebt, wie z. B. Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden. Sie wehrt sich dagegen, dass heute die damaligen Opfer - im wörtlichen und im übertragenen Sinn - von neuem getreten werden! Es ist zu hoffen, dass die Olsberger Stolpersteine den Zweck erfüllen, zu dem sie gelegt werden.Wichtiger aber wären m. E. die auch von den Herren Fischer und Börgartz vorgeschlagenen Tafeln an der Bruchstraße in Bigge, wo früher Synagoge und jüdische Schule standen.


Darüber hinaus wären weitere wirksamere Formen würdigen Gedenkens: Thematisierung in den Schulen, Fahrten zu Gedenkstätten (z. B. Wewelsburg) und Erzählungen von noch lebenden Zeitzeugen.
Ulrich Wiegelmann, Olsberg