Stolpersteine gegen das Vergessen verlegen

Was wir bereits wissen
Nach Marsberg sollen nun auch in Brilon und Olsberg Stolpersteine gegen das Vergessen verlegt werden.

Brilon/Olsberg/Marsberg.  . „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit diesem Satz zitiert der Kölner Künstler Gunter Demnig den Talmud. Gegen das Vergessen richtet sich auch sein Projekt „Stolpersteine“. Fast 50 000 Steine bzw. kleine Metallplatten an rund 1100 Orten hat Demnig laut eigener Homepage bereits europaweit verlegt. Sie werden vor Häusern z.B. in Gehwege eingearbeitet und erinnern an die jüdischen Mitbürger, die dort lebten, bevor sie Opfer des Holocaust wurden.

Lange Wartezeiten

Wer sich in die lange Liste der teilnehmenden Städte einreihen möchte, muss Wartezeiten von bis zu Dreivierteljahr und länger in Kauf nehmen. Denn viele wollen mittlerweile ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Am 16. März werden die ersten Steine in Brilon verlegt, am 17. März einige der letzten in Marsberg und im Juni soll es erstmals in Bigge losgehen.

Marsberg war die erste Stadt im Altkreis, die sich diesem Projekt anschloss. Im Dezember 2009 wurden dort die ersten Steine in den Boden gemauert. Das Jugendparlament hatte sich der Sache angenommen. „Damals wurde gesagt: Für jeden Marsberger Juden, der umgebracht wurde, legen wir einen Stein“, sagt Gudrun Banke. Die pensionierte Lehrerin hat in Marsberg das Schicksal der jüdischen Menschen aufgegriffen und ein bemerkenswertes Buch darüber geschrieben, das als Grundlage für die Stolperstein-Standorte in Marsberg dient. In den kommenden Wochen kommt ihr Buch sogar in englischer Sprache auf den Markt. Inzwischen werden andernorts aber auch Steine für alle Menschen verlegt, die unter diesem Regime leiden mussten, auch für die, die ihm entkommen konnten. .

19 Steine fehlen noch in Marsberg – alle in den Ortsteilen. Bislang wurde in Marsberg und Westheim verlegt.

125 Steine für Brilon

An der Diemel hofft man, dass der Künstler auf einen Schlag alle übrigen Steine bei seinem Besuch am 17. März anbringt. Ob das aber zu schaffen sein wird, ist noch fraglich. Finanziert wurden die Steine – für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung übernehmen – bislang durch Spenden z.B. von Firmen oder auch von Ratsmitgliedern, die dafür auf ihr Sitzungsgeld verzichteten.

Brilon beginnt mit fünf von insgesamt 125 Steinen – und zwar direkt vor der Stadtbibliothek. Dort wird an das Schicksal der Familie Goldberg erinnert. „Die Idee zur Teilnahme an der Aktion Stolpersteine ist bei uns im Jugendparlament aufgekommen. Anfangs hatten wir noch gedacht, wir könnten so etwas in Eigenregie machen, aber dann haben wir uns doch dem Projekt von Herrn Demnig angeschlossen“, sagt der Vorsitzende des Briloner Jupa, Janos Klink. 22 Standorte für die kleinen Metalltafeln soll es in der Kernstadt geben. Eine ganze Menge Steine, eine ganze Menge an Schicksalen, zeigte man sich im Jugendparlament tief betroffen, als es an die Detailarbeit ging.

Öffentlicher Termin

Die Briloner wollen am jeweils letzten Wohnort an das Schicksal der jüdischen Mitbürger erinnern. Die jetzigen Planungen sehen nach Angaben des Jupa-Vorsitzenden zunächst nur eine Verlegung in der Kernstadt vor. „Weil Ehrenbürgermeister Franz Schrewe von Anfang an in das Projekt mit eingebunden war, hätten wir die ersten Steine noch gerne während seiner Amtszeit verlegt“, so Klink. Aber auch die Briloner mussten sich wegen der großen Nachfrage in Geduld üben. Denn der Künstler kommt selbst zum Verlegen in die jeweilige Stadt.

Die Steine kommen auf öffentliche Flächen und Bürgersteige vor die jeweiligen Häuser. Trotzdem hat das Jupa mit den jetzigen Besitzern Gespräche geführt. Es habe keinen Widerstand gegeben. Nur hier und da habe man Sorge wegen Rutschgefahr im Winter geäußert, so Janos Klink. Darauf wolle man nach Möglichkeit Rücksicht nehmen. Jeder Termin der Stolperstein-Verlegung soll öffentlich und in einem würdigen Rahmen stattfinden.