Sternekoch hat König Carl Gustaf und George W. Bush bekocht

Sternekoch Martin Steiner (hier mit Frau Nicola und den Zwillingen) übernimmt die Almer Schlossmühle.
Sternekoch Martin Steiner (hier mit Frau Nicola und den Zwillingen) übernimmt die Almer Schlossmühle.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Vom Luxushotel in die Almer Schlossmühle: Der bekannte Küchenchef und Sternekoch Martin Steiner sucht eine neue Herausforderung im Sauerland.

Alme.. Die Almer Schlossmühle wird das neue Zuhause des 35-Jährigen, der zuletzt als Executive Chef zweieinhalb Jahre lang Frankfurts Gourmet-Szene im Fünf-Sterne-Hotel Jumeirah mit seinem Luxus-Restaurant „Max on One“ bereicherte.

„Ich wollte schon immer mein eigenes Restaurant haben“, begründet der gebürtige Kärntner seinen nicht unspektakulären Ortswechsel. Zurzeit hat er als neuer Pächter alle Hände voll zu tun, um die Schlossmühle wieder auf Vordermann zu bringen. Nach vielen Wanderjahren von einem europäischen Gourmet-Tempel zum anderen möchte er mit Frau Nicola, die aus Messinghausen stammt und in Brilon als Grundschullehrerin arbeitete, sowie den 10 Monate alten Zwillingen endlich sesshaft werden. Steiner weiß, dass er sich auf finanziell eher wackliges Terrain begibt und eine sichere Stellung für ein Abenteuer auf dem Lande aufgibt. Doch gerade das reizt den 35-Jährigen.

Ehefrau kommt aus Messinghausen

„In dieses Objekt habe ich mich schon vor sieben Jahren verliebt, als ich das erste mal durch Alme fuhr“, erzählt Steiner. Als die Schlossmühle frei wurde, ergriff er die Chance und möchte sich nun seinen Traum erfüllen. Offiziell ist er noch Küchenchef des mondänen „Max on One“, wo sich die Frankfurter Promis die Klinke in die Hand geben. Ende des Monats läuft der Vertrag aus. Im Rahmen seines Resturlaubs hat er nun die Umbauarbeiten in Angriff genommen. Und da ist einiges zu tun, denn schon am 1. November steigt die Eröffnungsfeier. Gäste sind dann ab dem 5. November willkommen.

Da die Handwerker vormittags noch auf sich warten lassen, nutzt Martin Steiner die Zeit, um seine zahlreichen Stationen als Koch und Küchenchef noch einmal Revue passieren zu lassen. Beeindruckend, was man als 35-Jähriger schon alles erleben kann. Vom gelernten Landwirt, der auch eine Metzgerlehre absolvierte, aber nicht abschloss, bis zum Küchenchef von Promikoch Johann Lafer - so könnte es in Kurzform heißen. Aber der Reihe nach:

Nach seiner Lehre im renommierten Warmbaderhof im heimischen Villach zieht es den jungen Martin Steiner für eine Saison an den Wörthersee ins nicht weniger bekannte Schloss Seefels. Dann lockt die Stromburg von Johann Lafer, die immer noch als Forum für Kochkultur und Lebensart gilt. „Hier habe ich sehr viel gelernt“, betont Steiner. Im Zwei-Sterne-Restaurant, in dem die Promis ein- und ausgehen, arbeitet er mit dem Meister und weiteren Kochgrößen zusammen und erhält den vorerst letzten Schliff. Danach geht es steil bergauf. Das Hotel Adlon in Berlin ruft den jungen Kärntner, der dort schon bald für die gesamte kalte Küche verantwortlich zeichnet. Mit Küchenchef Karl-Heinz Hauser geht er nach Hamburg und baut mit ihm die Küche im noblen Süllberg Hotel in Blankenese auf. Nach der Meisterprüfung als Küchenchef zieht es Steiner ins Ausland. Das Savoy in London bietet ihm eine Anstellung als stellv. Küchenchef. „Mit 120 Köchen haben wir dort pro Tag bis zu 2500 Essen in allen Bereichen hergestellt“, erinnert sich Martin Steiner. Mit 25 Jahren übernimmt er für ein halbes Jahr sogar die Chefrolle. „Das waren hinterher bis zu 18 Stunden Arbeit täglich und das sieben Tage in der Woche.“ In London lernt er auch seine spätere Frau Nicola kennen, die hier einen Kurzurlaub verbringt.

Michelin-Sterne

2005 kommt er wieder nach Deutschland. Nach einem Abstecher im renommierten Schlosshotel Münchhausen in Hameln wird er Küchenchef im Relais & Chateaux Hotel Jagdhof Glashütte, dem der junge Kärntner schließlich auch einen Michelin-Stern beschert. Dem ersten Kochstern lässt er bis 2011 noch weitere folgen. Nach einem Praktikum in Hongkong und in Reims, jeweils in Zwei-Sterne-Restaurants, holt ihn Johann Lafer 2008 zurück in den Soonwald, wo er unter anderem die Küche des Gourmetrestaurants Val d’Or führt. Hier sind die Promis zu Hause. Großevents wie der Ball des Sports gehören zur Tagesordnung. Da es zum guten Ton gehört, dass die Prominenz auch der Küche einen Besuch abstatten, lernt Steiner Unmengen an VIP’s kennen. „Die kann man alle gar nicht aufzählen.“ Doch zwei Episoden sind für immer im Gedächtnis haften geblieben. So darf der junge Sternekoch im Rahmen von Deutschlandbesuchen Schwedenkönig Carl Gustaf und den damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush jr. höchstpersönlich bekochen.

Auch die Jumeirah Group, eine internationale Luxushotelkette im Besitz der Herrscherfamilie von Dubai, hat inzwischen Kontakt mit Steiner aufgenommen. Man möchte ihn als Küchenchef für die Hotelanlage in Dubai gewinnen. Der 35-Jährige lehnt zunächst ab, auch als ein ähnliches Angebot für New York eintrifft. Doch 2011 eröffnet Jumeirah ein Hotel in Frankfurt. Steiner kann nun nicht mehr widerstehen. Ihm wird ein erstklassiges Team und ein Restaurant in außergewöhnlichem Design, das „Max on One“, zur Verfügung gestellt. Dem neuen Küchenchef liegt vor allem die kreative Neuinterpretation regionaler Gerichte am Herzen. Er erhält für seine hochklassische und verfeinerte deutsch-österreichische Küche mehrere Auszeichnungen in der Mainmetropole.

Österreichische Akzente

Auch in der alten Schlossmühle möchte Steiner nun seine Kochkünste unter Beweis stellen. Doch zunächst stehen die Renovierungsarbeiten an. Der untere Restaurantbereich, so der 35-Jährige, wird rustikal bleiben, vermischt mit modernen Elementen. Der obere Bereich soll edel ausgestattet werden. Auch bei den Außenanlagen wird sich einiges tun. Zuviel möchte Martin Steiner aber noch nicht verraten.

Fest steht, dass die Küche auch österreichische Akzente bekommt. Angeboten werden Speisen für jeden Geldbeutel, von der kleinen Mahlzeit (Jause), über a la Carte-Gerichte bis zum 7-Gänge-Menü - wenn gewünscht. Und auch hier sollen regionale Produkte Vorrang haben. So kann schon jetzt die Martinsgans in der Schlossmühle vorbestellt werden.