Steht Forst-Reputation auf dem Spiel?

Brilon..  Vier Hirschgeweihe zieren die Fassade des altehrwürdigen Briloner Rathauses. Symbol der Jahrhunderte langen Symbiose von Wald und Wild, vom einträchtigen Miteinander zwischen Forst und Jagd, die beide für die Stadt des Waldes eine bedeutsame ökonomische Rolle spielen. Rund 270 000 Euro nimmt die Stadt im Jahr durch Jagdpachten ein, etwa das Dreifache ist für dieses Jahr als Gewinn aus dem Forst vorgesehen.

Die Harmonie ist derzeit allerdings schwer gestört. Der sich abzeichnende Klimawandel hat spätestens sei dem Orkan „Kyrill“ die Notwendigkeit der Anpassung der waldbaulichen Parameter deutlich gemacht. Schließlich soll der Stadtwald als Vermögen der Bürger auch für die Zukunft gesichert werden. Das schließt neue Formen der Waldbewirtschaftung ein - und betrifft auch die Jagd. Denn laut Forstbetrieb ist der Wildbestand zu hoch. Hirsch und Co. soll es an die Decke gehen. Da wiederum gehen die Waidmänner an selbige.

Am Montag, 20. April, findet im Bürgersaal des Rathauses zu dem Thema eine besondere Tagung statt. Der „Arbeitskreis PEFC“ trifft sich dort um 17 Uhr.

Öffentliche Arbeitskreistagung

Wie die WP berichtete, muss die Stadt bis Ende Juni per Ratsbeschluss festlegen, wie sie mittelfristig die massiven Wildschäden im Stadtforst reduzieren will. Ansonsten droht ihr der Verlust des sog. PEFC-Siegels. Das ist ein Zertifikat, das die Bemühungen um Nachhaltigkeit beim Waldbau dokumentiert.

Frist bis Ende Juni

Für Forstdirektor Dr. Gerrit Bub wäre der Verlust eine „forstpolitische Blamage“ erster Güte für die Stadt des Waldes. Zumal sie Ende Mai ja die 1. Deutschen Waldtage ausrichtet.

Bei einer Exkursion vor drei Wochen haben Vertreter des Forstes, der Verwaltung und der Politik sowie zahlreiche Interessenten aus der Bürgerschaft, Jäger inklusive, sich im Niederwald und am Schwarzen Haupt ein Bild von den Schälschäden gemacht.

Mit der Arbeitskreissitzung am Montag wird das Thema weiter verfolgt. Zu dem Termin sind fünf externe Referenten zu folgenden Themen eingeladen:
Privatwald - zeitgemäße Jagd mit neuen Köpfen. Ein jagd- und waldbauliches Musterbeispiel
(Dr. Franz Straubinger, Forstdirektor der Hatzfeldschen Forstverwaltung, Rheinland-Pfalz)
Waldwerte: Berechnung von Wildschäden im Wald
(Forstdirektor Horst-K. Dengel, Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpischer Börde)
Kommunalwald: Von der Pacht- in die Eigenregiejagd
(Wolfgang Schmieder, Forstbetrieb Nettersheim, und Rolf Heller, Forstbetrieb Blankenheim)
Kommunal- und Betreuungswald: Wald- und Jagdwende in NRW - Erfahrungen mit der Regiejagd
(Oberforstdirektor Markus Wolff, Technische Betriebe Remscheid)
Zeitgemäßes Jagdmanagement: Anpassung von Wildbeständen - Sichtweise der Wildforschungsstelle
(Dr. Michael Petrak, Wildforschungsstelle NRW)

Die Sitzung ist öffentlich.