Stefan Knipschild präpariert die Eisrinne

Bahnmeister Stefan Knipschild
Bahnmeister Stefan Knipschild
Foto: WP
Die Eisbearbeitung in der Bobbahn gehört zum Job von Bahnmeister Stefan Knipschild.

Winterberg..  Stefan Knipschild ist seit April 2012 Bahnmeister an der Winterberger Kunsteisbahn. Der 43-Jährige wohnt in Medebach und kommt beruflich aus dem Bereich Elektrotechnik. Vor dem Job als Bahnmeister war er in einem Sägewerk zuständig für den Betrieb mehrerer Biomasse-Heizkraftwerke mit Stromerzeugung. Davor arbeitete er als Abteilungsleiter in einem Ferienpark im Technischen Bereich.

Frage: Wie wird man überhaupt Bahnmeister?

Stefan Knipschild: Ich habe damals eine neue Herausforderung gesucht. Da sah ich eine Stellenanzeige in der Zeitung. Darin war die Stelle als Bahnmeister ausgeschrieben, Kenntnisse im Bereich Elektrotechnik waren gefordert. Ohne dass ich mir großartig unter der Stellenbeschreibung etwas vorstellen konnte, habe ich mich darauf beworben. Vor allem die Sportstätte im Ganzen hat mich interessiert. Ich war kurz vor der Bewerbung an der Bahn und hatte eine Taxibobfahrt gemacht, davon war ich echt beeindruckt. Ich habe noch gedacht, das wäre eine tolle Sache, hier zu arbeiten. Als ich dann die Stellenausschreibung entdeckte, war klar, dass ich mich dort bewerbe.

Was hat Sie an dem Job besonders gereizt? Muss man da nicht besonders kälteunempfindlich sein?

Ich bin derne draußen, liebe die Abwechslung und übernehme gerne Verantwortung. Wintersport in allen Bereichen hat mich immer gereizt und begeistert. Besonders kälteunempfindlich muss man nicht sein, ich bin eher eine Frostbeule, bin ständig am Frieren. Daher haben viele Freunde im Vorfeld gefragt, wie soll das gehen? Du und Kälte? Aber das ist kein Problem. Die Arbeit im Eis ist körperlich anstrengend, da habe ich noch niemanden frieren sehen. Die Eisbearbeitung ist reine Handarbeit. Auch wenn man einige Maschinen zur Unterstützung hat, ist der Großteil doch Handarbeit.

Welche Aufgaben umfasst Ihre Tätigkeit?

Zu meinen Aufgaben gehört die Eisbearbeitung, die Bedienung und Steuerung der komplexen Kälteanlage, Mitarbeiterplanung und Führung und im Büro wird die Arbeit auch immer mehr. Die Bahnbelegung ist hier ein großes Aufgabenfeld, ab Anfang Sommer kommen Anfragen nach Bahnzeiten aus aller Welt. Dazu kommen dann die Anforderungen des BSD und der heimischen Sportler. Dies alles zu koordinieren ist schon eine große Aufgabe, die viel Zeit verlangt.

Ist die Steuerung der Kälteanlage kompliziert?

Die richtige Steuerung der Kälteanlage ist ein wichtiges Aufgabenfeld. Das Eis darf nicht zu warm sein, aber auch nicht zu kalt. Man muss ständig die Wettervorhersage im Blick haben, um auf Wetterschwankungen zu reagieren. Gerade bei milden Temperaturen ist eine genaue Steuerung jedes einzelnen der 44 Segmente des Bahnkörpers wichtig. Zuviel Kühlung in der Bahn erzeugt starke Reifbildung, das macht die Bahn langsam und bringt viel körperliche Arbeit mit sich. Zu wenig Kühlung lässt das Eis schmilzen. Ich bin ständig im Kontakt mit den Trainern und Sportlern, um Rückmeldungen über die Eisqualität zu bekommen. Das Eis ist ein Naturprodukt, welches sich täglich ändert, darauf muss man reagieren.

Wie sieht es im Sommer aus?

Im Sommer stehen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten im gesamten Gelände an. Material für die Arbeiten im Sommer wie Winter muss angefragt und bestellt werden. Sämtliche Maschinen müssen für den Winter wieder fit gemacht, Baumaßnahmen geplant und begleitet werden.

Kommen bei der Weltmeisterschaft noch weitere Arbeitsfelder hinzu?

Ja. Der Job ist so schon eine gut gefüllte Vollzeitstelle, da kommen dann zur WM noch viele Aufgaben hinzu. Ich bin für die Infrastruktur im Gelände verantwortlich. Dazu gehört die Planung und Realisierung zusätzlicher Tribünen, Zelte, Verkaufsstände usw. Von der sportlichen Seite kommen viele Anforderungen, die geplant und umgesetzt werden müssen. Die gesamte Infrastruktur mit Stromversorgung, Wasseranschlüssen, Internetanbindung, Toilettenkapazitäten usw. muss erweitert werden.

Wie sieht es mit dem Thema Sicherheit aus?

Die Sicherheit für Sportler und Zuschauer steht ganz oben an. Durch die große Anzahl an erwarteten Besuchern wird jeder Bereich im Bahngelände begutachtet und bewertet. Viele Absperrpunkte müssen festgelegt werden. Auch der Transport der Sportler und Geräte wird anders organisiert. Dadurch, dass es im Gelände recht eng ist, können die Fahrzeuge während der WM nicht durchs Gelände fahren. Die Strecke außerhalb muss dafür gut geplant und vorbereitet sein. Regelmäßig gibt es Besprechungen im OK- Team, um alle Bereiche gut zu planen.

Wie sieht ein Arbeitstag vor einem Wettbewerb für Sie und Ihr Team aus?

In der Zeit vor solch einem Wettbewerb sieht die Arbeit morgens erst mal so aus wie immer. Wir fangen täglich um 5.30 Uhr an, um die Bahn für den Tagesbetrieb fertig zu machen, d. h. Schnee aus der Bahn räumen, Raureif entfernen und Wasser auf das Eis auftragen. Damit sind sieben Mitarbeiter 3,5 Stunden täglich beschäftigt. Parallel dazu wird an der Profilierung des Eises gearbeitet. Wo zu viel Eis ist, muss dieses wieder raus, wo Spuren und Löcher im Eis sind, müssen diese entfernt werden. Wir versuchen auch für den normalen Tagesbetrieb immer eine möglichst optimale Eisbahn zu schaffen, aber natürlich liegen die Anforderungen und Ansprüche vor so einem Großevent deutlich höher. Zur WM werden wir durch Mitarbeiter der anderen deutschen Bahnen unterstützt, hier müssen alle Kurven täglich per Hand bearbeitet werden. Zur WM selbst werden wir mit ca. 15 Mitarbeitern für die Eisbearbeitung im Einsatz sein, 12-Stunden-Schichten und mehr sind da an der Tagesordnung.

Es ist Ihre erste Weltmeisterschaft als Bahnmeister. Die ganze Sportwelt schaut nach Winterberg. Ist man da nicht doch etwas nervös?

Auf jeden Fall ist man sehr angespannt. Aber ich habe ein hervorragendes Team hinter mir. Vom Grunde her ist es wie ein normaler Weltcup, nur das Drumherum ist alles deutlich größer. Ich bin davon überzeugt, dass wir bestens vorbereitet sind und daher das Event gut über die Bühne geht. Einzig das Wetter ist unberechenbar und die größte Unbekannte in diesem Spiel. Bei Dauerfrost und wenig Schneefall ist alles gut, bei milden Temperaturen oder starkem Schneefall werden die Herausforderungen größer. Natürlich steigt die Nervosität, je näher die WM kommt.

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