„Starken Hans“ sagt dem Marktplatz Adieu

Hans und Gerlinde Starke in der Bierstube, beim Blättern in den alten Gästebüchern
Hans und Gerlinde Starke in der Bierstube, beim Blättern in den alten Gästebüchern
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein Briloner Gastronomie-Urgestein tritt in Ruhestand. Hotel-Restaurant und Bierstube sind zum Monatsende in neuen Händen.

Brilon..  Der Name bleibt, das 15-köpfige Team und das Ambiente bis hin zur Speisekarte auch - und doch wird etwas anders sein in dem Haus am Markt: „Starken Hans“, wie sie ihn alle nennen, zieht zum Monatsende die Kochjacke endgültig aus: „Ich habe immer gerne gekocht. Aber ich höre jetzt auch gerne auf.“

Starkes - seit Generationen ist das Fachwerkhaus am zentralsten Punkt der Stadt ein Begriff in Brilon und darüber hinaus. Das gutbürgerliche Restaurant-Cafe mit seinem Panoramablick über den Markt, das familiäre Hotel ist die eine Facette.

Herz schlägt für Fußball

Die andere: die Bierstube. Kneipe pur. Das Holzgestühl und die Tische haben gut ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Und viel erlebt. Eine Galerie voller Pokale, Wimpel und Urkunden. Erfolge von gestern bezeugen die Zeiten als Vereinslokal des SV Brilon. Heute: das Zuhause mehrerer Stammtische, hier schwadronieren sie über die kommunale Politik, ein Skatclub gehört dazu und der Sparclub „Klingende Münze“, dem der Chef selbst angehört. Und ein BVB-Fanclub kommt zum Fußball gucken. Auch das Herz des Hausherrn schlägt für Schwarz-Gelb.

An den Wänden Wimpel, alte Fotos, und Karikaturen von „Starken Paul“, dem Vater des scheidenden Inhabers. Auch ein Briloner Original. Die Zeichnungen stammen von Rudolf Schöpper. Älteren Brilonern und WP-Lesern ist der Name noch ein Begriff. Schöpper - das war von den 60-ern bis in die 80-er Jahre der politische Zeichenstift der WP. Von der Derkeren Straße aus betrachtete er die weite Welt. Und eben auch seine Heimat.

1906 kam das Haus am Marktplatz, das nach einem Brand 1742 komplett neu aufgebaut worden war, in die Hände der Familie Starke. Die betrieb bis dahin in der Oberen Mauer eine Bäckerei, „Backetüns“ nannten die Briloner die Familie deshalb, um sie von den anderen Backstuben in der Stadt zu unterscheiden.

Hans Starke ist stolz auf diese Tradition. Schließlich ist er nicht nur Koch, sondern auch Bäckermeister. Und das in der siebten Generation. Bis Ende der 90-er Jahre bestand die Bäckerei Starke. Das Haus war, wie der 67-Jährige erzählt, in den 20-er Jahren auch schon mal Tankstelle, im Krieg Quartier von Fremdarbeitern, in den Nachkriegsjahren Berufsschule und hier hatten die Briloner in den Aufbaujahren auch ihre erste Eisdiele.

Klingende Namen in Gästebüchern

In den Wirtschaftswunderjahren richteten Starkes dann zusätzlich zur Bäckerei das Hotel ein. Politiker, Stars und Sternchen kehrten hier ein und verewigten sich in den Gästebüchern. Ludwig Erhard und Heinrich Lübke waren dort, Joachim Fuchsberger, Otto. Herbert Wehner wollte Hans Starke den Koffer tragen - „Aber der ließ mich nicht, das könnte er noch selber, sagte er.“ Gerd Müller, dem Bomber der Nation, brachte er den Sekt ans Bett. Für ordentlichen Rummel sorgte der heute noch vielen in bester Erinnerung gebliebene Briloner Tourismusdirektor Heinz Müller, Gründer der legendären Party-Reisen. „Da waren hier oft sechs Busse auf dem Marktplatz“, weiß Hans Starke noch. Wer sich nicht mehr daran erinnert: die Innenstadt wurde Ende der 80-er Jahre verkehrsberuhigt. Bis dahin quetschte sich der gesamte Durchgangsverkehr über Strackestraße, Bahnhofstraße, Derkere Straße und den Steinweg.

Neues Pächterehepaar

Für ein paar Jahre, in den 80-ern bis in die frühen 90-er, führte Hans Starke in der Königstraße pachtweise das Hotel zur Post. Nach dessen Verkauf übernahm er den Familienbetrieb am Marktplatz.

2004 stockte er das Hotel auf 20 Zimmer und 38 Betten auf. Der unmittelbar vor der Haustür beginnende Rothaarsteig sorgte für eine neue Gästeklientel. Neben Motorradfahrer kommen nun auch verstärkt die Wanderer.

Weiter Wildlachs aus dem Rauch

Das Gebäude bleibt weiter in Besitz der Familie. Neuer Pächter werden zum 1. Juli Franz und Gabriele Nass aus Winterberg: „Wir führen das Haus so weiter, wie es von der Familie Starke geprägt wurde.“

Und auf was Hans Starke in letzter Zeit immer wieder angesprochen wird: Die Gutscheine, die noch für das Restaurant im Umlauf sind, können weiterhin eingelöst werden.Und seinen selbst geräucherten Wildlachs aus Alaska, den wird es ebenfalls weiter geben.