Stadt Marsberg trauert um ihren toten Schützenkönig

Gedenken an den verstorbenen Schützenkönig: An der Marsberger Schützenhalle werden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt.
Gedenken an den verstorbenen Schützenkönig: An der Marsberger Schützenhalle werden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach dem Unglück, bei dem der Marsberger Schützenkönig ums Leben gekommen ist, trauert ganz Marsberg. Am kommenden Samstag ist die Beisetzung geplant.

Marsberg.. Der Bühnenaufbau für die Königsparade in der oberen Hauptstraße blieb zum Schützenfest am Sonntag und Montag leer. Eigentlich sollte es ein fröhliches Fest werden. Doch beim Abfeuern der Böllerschüsse am Samstag um 12 Uhr passierte das tragische Unglück. Zwei Verschlüsse der Kanonenrohre zerbarsten. Ein Teil traf den Schützenkönig der St.-Magnus-Schützenbruderschaft Niedermarsberg, André Bieker. Zwei Stunden später erlag der 30-jährige Mann seinen schweren Verletzungen. Nun hängt eine kollektive Trauer über der Stadt. Sie ist fast greifbar.

Brennende Kerzen trotzen dem Nieselregen

Am Tor zur Schützenhalle trotzen brennende Kerzen dem Nieselregen. Immer wieder kommen Leute vorbei, bringen neue Kerzen mit und zünden auch einige der verloschenen wieder an. Schweigend, mit gesenktem Kopf harren sie ein paar Minuten aus. Eine junge Frau legt eine weiße Lilie ab. Der Getränkehändler fährt vor. Das bestellte Bier hat niemand getrunken, das Schützenfest wurde abgesagt.

Tragödie Zum Feiern ist auch am Montag wirklich niemandem zumute. Den Schützenbrüdern nicht. Erst recht nicht den Spielleuten des Spielmannszuges der freiwilligen Feuerwehr Niedermarsberg. Ihre Instrumente bleiben stumm. Der verstorbene André Bieker und seine Frau Sabrina waren und sind ihre Musikerkollegen. Auch beim Vereinslokal „Deutsches Haus“ bleiben gestern die Türen geschlossen.

Rettungshubschrauber kreiste in der Luft

Die ganze Stadt ist geschockt. Reiner Possny, Inhaber des gleichnamigen Modehauses in der Hauptstraße, ist einer von ihnen. Als echter Marsberger und Ausstatter der Marsberger Schützen hatte er sich wie so viele andere auch auf das Fest gefreut. Schützenfestmontag hat er eigentlich immer die Ladentür geschlossen und geht zum Vogelschießen. An diesem Montag steht er hinter der Ladentheke. „Zum Anböllern gehen wir Schützenfestsamstag immer vor die Ladentür und stoßen mit Freunden und Sekt traditionell auf das Schützenfest an“, erzählt er im Gespräch mit der WP.

„Wir standen draußen, hörten die Kanonen böllern und dachten: Hoppla, da war einer aber gewaltig laut.“ Kurz darauf hörten sie auch schon die Sirenen von Krankenwagen und Feuerwehr. Ein Rettungshubschrauber kreiste in der Luft. Possny: „Aber wir gingen zunächst davon aus, dass irgendwo wieder ein schlimmer Verkehrsunfall passiert wäre.“ Kurz drauf erfuhren sie dann, was wirklich geschehen war.

Marsberger Propst von TV-Teams umlagert

„Mir hat das richtig körperlich wehgetan.“ Seit 40 Jahren gehört Possny der Bruderschaft an. Er kann sich nicht daran erinnern, dass jemals ein Schützenfest ausgefallen ist. Vor zehn Jahren war er im Hofstaat und hat das Anböllern erlebt. „Ob sich die Bruderschaft jemals von dem Schock erholen kann und wird?“, fragt er sich besorgt, so wie viele andere auch.

Schützenfestunglück Marsbergs Propst Meinolf Kemper musste am Montag noch um Fassung ringen. Er war unmittelbar neben dem Marsberger Schützenkönig gewesen, als das Unglück passierte und hatte ihm ein Kreuz auf die Stirn gedrückt. Am Montag wurde er von Fernsehteams umlagert und immer wieder als Augenzeuge befragt. „Man kann diese Gefühle gar nicht in Worte fassen.“

Auch BVB-Chef Aki Watzke ist schockiert

Hanns Runte, Leiter des Sozialamtes Marsberg, sitzt seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Schützenbrüder im Kassenhäuschen. Er war selbst vor 29 Jahren Schützenkönig. „Ich bekomme das Unglück gar nicht aus dem Kopf heraus“, sagt er tief betroffen.

Das ist auch Aki Watzke, Chef von Borussia Dortmund und Mitglied im Schützenverein in seiner Heimat Erlinghausen. Er ist gerade zurück von der Süd-Ost-Asien-Tour mit dem BVB. „Das Erste, was ich gehört habe, war das Unglück zum Schützenfest hier in Marsberg. Ich war total geschockt. Mein Mitgefühl gehört der Familie.“

Trauerfeier am Sanstag

Die Frage nach dem Warum wird immer lauter - auf dem Parkplatz vorm Supermarkt, in der Bäckerei. Aber auf eine Antwort muss Marsberg noch warten. Die Trauerfeier für den verstorbenen Schützenkönig soll am Samstag stattfinden.