SPD-Generalsekretär Hubertus Heil besuchte Genossen in Brilon
25.08.2009 | 19:15 Uhr 2009-08-25T19:15:00+0200Brilon. Es waren nicht nur Genossen, die gestern zur Mittagszeit erwartungsvoll im „Tacheles” saßen. Hatte sich doch kein Geringerer als der SPD-Generalsekretär, Hubertus Heil, angemeldet.
Einerseits um seinen Parteifreund Franz Schrewe bei dessen Mühen, bei der anstehenden Kommunalwahl wieder ins „vierfach geweihte” Rathaus einzuziehen, andererseits, um mächtig Wirbel für Frank Walter Steinmeier zu machen, der bei der kommenden Bundestagswahl Angela Merkel das Fürchten lehren soll.
Wie alles letztendlich ausgehen wird, werden die Wähler hier und da allein mit ihrer Stimme entscheiden. In der Wahlkabine ist jeder allein, und weil das so ist, ist auch vieles möglich — auch wenn Umfragen und Prognosen für die SPD eher im Keller sind. „Ich weiß selber, dass die demoskopischen Aussagen zurzeit nicht schön für uns sind. Ich wollte sie wären schöner”, sagte Heil, der wie alle Genossen und Genossinnen recht commode, schlipslos, hemdsärmelig und mit offenem Kragen sich bei der momentanen Schwüle recht volksnah gab. Nur Lokalmatador Franz Schrewe zeigte mit jedem Zoll, dass er der Verwaltungschef und Bürgermeister ist und dass er es auch wieder werden will — auch wenn die Rathausmehrheit eher konservativ ist, er aber wie der rote Baron am Steuerknüppel sitzt. Der SPD-Landtagsabgeordnete und zukünftig der neue Abgeordnetenkandidat der Genossen in Berlin, Dr. Carsten Rudolph, hörte nicht auf, die Verdienste der Sozialdemokraten im Hochsauerland aufzuzählen. Vor allem in Brilon. Das sei besonders Franz Schrewe aufs Konto zu schreiben. Arbeitsplätze, niedrige Arbeitslosigkeit, Zufriedenheit der Menschen. Alles Parameter, bei denen Schrewe ganz persönlich zu nennen sei. Rudolph rief dazu auf, „mit einem Geheimprojekt aus Brilon die Herzkammer der Sozialdemokratie” zu machen. Dann aber kam der „General” aus Berlin ans Mikrofon und ging ins Detail, um die Schwarzen und Gelben ordentlich gegen den Strich zu bürsten. Es gehe am 27. September nicht nur um die Abwahl Angela Merkels oder um die Wahl von Frank Walter Steinmeier. Heil betonte, dass es um eine Richtunsgwahl gehe, die mehr über die Zukunft aussagen werde als bei jeder Wahl vorher. Dabei vergaß er nicht, die Verdienste der Sozis aufzuzählen. Namen wie Peer Steinbrück, Olaf Scholz, Steinmeier und auch Ulla Schmidt machten die Runde. Sie alle hätten sich gegen die Krise der letzten Wochen gestemmt und gerade mit sozialdemokratischen Mitteln geholfen, diese zu entschärfen und zu mildern. „ Es ist eben nicht dazu gekommen, dass alle ihren Arbeitsplatz verlieren, dass tausende von Sparern vor Banken stehen, um ihre Konten aufzulösen”, so Heil.
Und es sei auch nicht dazu gekommen, so Heil weiter, dass der Kündigungsschutz in den Firmen über Bord gespült wurde, „auch wenn das die Konservativen immer gewollt haben oder auch in Zukunft zusammen mit der FDP ins Auge fassen”. Heil machte dem Auditorium klar, dass in der Berliner großen Koalition sehr viel Sozialdemokratie umgesetzt wurde. Und wer in Zukunft noch ruhig schlafen möchte und nicht wolle, dass der Standort Deutschland mit einem Technologie-Spitzenplatz in der Welt weiter Bestand haben soll, mit einer menschlichen Komponente auf allen Ebenen, der müsse im kommenden Herbst unbedingt SPD wählen. Bei der Wahl am Sonntag in Brilon sowieso. Aber da sei es ihm um den Sieg von Franz Schrewe nicht bange. Jedoch kam auch massive Kritik aus den Reihen der Genossen. Ein Familienvater, fünf Kinder, der 38 Jahre lang, seine Frau ebenfalls, bei einer heimischen Firma gearbeitet hat und diese wegen Firmenaufgabe verlassen musste, der jetzt plötzlich mit Hartz IV auskommen muss, zeigte sich verbittert über die SPD, die besonders unter Gerhard Schröder und dessen Agenda 2010 für solche Zustände gesorgt habe. „Ich stand kurz davor, SPD-Mitglied zu werden,”, sagte er, dann habe er jedoch davon Abstand genommen. Seine Kinder studieren alle. „Der jetzige Zustand ist entwürdigend. Nur gut, dass wir all die Jahre gespart haben”, resümierte der Mann. Heil wehrte ab. Schröder sei nicht der Schuldige. Ohne die Neuregelung beim Sozial- und Arbeitsrecht hätte es den Sozialstaat längst nicht mehr gegeben. Ein anderer führte die Ängste an, die durchgehend sich in Deutschland etabliert hätten: „Angst, keinen Schulabschluss zu bekommmen, Angst, keine Lehrstelle zu erhalten, Angst, nach der Lehre nicht übernommen zu werden. Lieber Hubertus: Nimm bitte mit nach Berlin, dass man solche Änsgte zukünftig mit Mitteln der Sozialdemokratie abbaut!” Der „General” versprach's.
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