So bleiben uns grüne Lebensräume erhalten

Zur Wiederherstellung artenreicher Grünland-Lebensräume gehört auch die entscheidende Gerätschaft.
Zur Wiederherstellung artenreicher Grünland-Lebensräume gehört auch die entscheidende Gerätschaft.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
80 Fachleute informierten sich auf einer Tagung des Life-Projekts Bergwiesen über Renaturierung. Exkursionen am Kreuzberg und bei Altastenberg zeigten, wie es geht.

Winterberg..  Das Life-Projekt Bergwiesen bei Winterberg hatte eingeladen – und alle kamen: Mehr als 80 Fachleute aus dem In- und Ausland trafen sich einer Fachtagung. Dabei ging es vor allem darum, wie artenreiche Grünland-Lebensräume wieder hergestellt werden können.

Im seit 2011 laufenden Bergwiesen-Projekt und bereits im Life-Projekt Medebacher Bucht (2004 bis 2009) gewann die Biologische Station Hochsauerlandkreis viel Praxis-Erfahrung.

Bergwiesen revitalisieren

Die Experten erfuhren zum Beispiel wie sich aus Fichtenaufforstungen, Weihnachtsbaumkulturen und artenarmem Grünland standort­typische Wiesen, Weiden und Bergheiden wiederherstellen lassen. So konnten Bettina Gräf und Dr. Axel M. Schulte in Vorträgen und bei den Exkursionen am Kreuzberg und bei Altastenberg anschaulich Tücken und Erfolge bei der Durchführung von Mahdgut-Übertragungen und Handsaaten erläutern.

Sandra Dullau von der Hochschule Anhalt schilderte wertvolle Erkenntnisse aus der langjährigen praxisnahen Forschung. Über die umfangreiche Gewinnung und Ausbringung gebietseigenen Saatguts in der Schweiz referierte Dr. Andreas Bosshard vom Büro Ökologie und Landschaft. Von erfolgreichen Anstrengungen zur Revitalisierung wertvoller Bergwiesen im Ostharz berichteten Sylvia Lehnert und Kerstin Rieche vom Landschaftspflegeverband Harz.

Heutrocknung nach historischem Vorbild

Bei bestem Wetter boten die Exkursionen den Teilnehmern aufschlussreiche Eindrücke von Renaturierungsflächen in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung bis hin zur blumenreich wiederhergestellten Bergmähwiese. Auch eine Demonstration der Heutrocknung auf Reutern nach historischem Vorbild durfte nicht fehlen.

Auf großes Interesse stieß auch die Vorführung eines gerade angelieferten Samenernters (Brush-Harvesters), mit dem die Biologische Station zukünftig autochthones, das heißt gebietsheimisches Saatgut, gewinnen will.

Denkwürdige Anstöße

Während am ersten Veranstaltungstag praktische Renaturierungsmethoden im Fokus standen, ging man am Freitag der Frage nach, wie wiederhergestellte oder erhaltene Bestände artenreichen Grünlands angesichts der unvermindert fortschreitenden Intensivierung in der Landwirtschaft erhalten werden können. So war der detaillierte Vortrag von Ulrike Thiele vom Landesamt für Natur und Verbraucherschutz NRW (LANUV) Anregung zu einer regen Diskussion über Möglichkeiten und Probleme des Vertragsnaturschutzes.

Besonders denkwürdige Anstöße lieferte Dr. Bosshard von der „Denkwerkstatt Vision Landwirtschaft“ aus der Schweiz mit Vorschlägen für einen zielorientierten Einsatz von Direktzahlungen in der Landwirtschaft.