„Ski schön parallel wie zwei Pommes halten“

Die drei Skilifte in Niedersfeld am Eschenberg werden im Februar 50 Jahre alt - ein Reporter-Selbstversuch.
Die drei Skilifte in Niedersfeld am Eschenberg werden im Februar 50 Jahre alt - ein Reporter-Selbstversuch.
Foto: Berthold Maurer
Was wir bereits wissen
Die Skilifte am Eschenberg werden 50 Jahre alt. Ein skifahrerischer Laie hat einen Selbstversuch gestartet.

Niedersfeld..  Das Telefon klingelt. Mein WP-Wandergenosse Franz-Josef Steinrücken ist dran. Wir hätten doch mal über den 50. Geburtstag des Eschenberg-Skilifts in Niedersfeld am 21. Februar gesprochen. Die Skibedingungen seien ja derzeit optimal, ob ich samt Familie vorbeikommen wollte zum Skifahren? WAS? Wieso FAHREN? Seit einem traumatischen Eishangerlebnis vor über 20 Jahren kann ich Skifahren noch nicht mal mehr buchstabieren! Ich finde, dass ich einen netten Artikel schreiben oder alternativ ein Geburtstagslied flöten könnte.

Franz-Josef versichert mir, dass er sogar schon 75-jährigen Anfängern erfolgreich das Skifahren beigebracht habe. So mit Praxiserfahrung lasse es sich doch viel authentischer berichten. Auweia, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr raus. Petrus gönnt mir auch keine Ausrede: Sonnenschein, knallblauer Himmel, Dauerfrost und perfekter Natur-Pulverschnee. WP-Wanderfreund Hans Bieker hat in seinem Skiverleih passende Ski für mich herausgesucht, auf meinen Wunsch extra stumpf und mit Handbremse. Die Skischuhe sind glänzend weiß und sehen aus wie Gipsbeine. Ist das ein Zeichen? Ein Helm muss auch sein, obwohl ich doch gar kein Hutgesicht habe.

Das Skigelände am Eschenberg liegt direkt neben der B 480. Beim Anblick des ersten von insgesamt drei Liften, der gefühlt senkrecht in die Höhe geht, finde ich, dass wir jetzt direkt zum Aprés-Ski überleiten könnten. Franz-Josef, der schon auf uns wartet, findet das nicht. Er erspart mir aber vorerst den steilen Lift 1 und kutschiert mich mit dem Pisten-Moped zum mittleren Lift, an dem das Gelände angenehm flach für Anfänger ist. Sieben kleine Skizwerge wuseln da an mir vorbei. Unfassbar, warum sieht das bei denen so leicht aus? Franz-Josef erzählt, dass es sich um eine Kindergarten-Gruppe handelt, die erst diese Woche mit der Skischule angefangen haben. Zur Sicherheit halten die Skilehrer sie an losen Leinen, damit sie nicht den Hang runterpurzeln. Ob ich mich als Schneewittchen unauffällig einreihen sollte? Meine eigenen vier Zwerge stören meine Überlegungen: „Mama, fahr doch einfach Schneepflug. Oder kannst Du das auch nicht?“ Danke, mein Sohn. Erinnere mich zu Hause daran, dass ich Dich enterbe.

„Skifahren ist Kniefahren“

Franz-Josef ist zum Glück deutlich einfühlsamer und erklärt: „Skifahren ist Kniefahren“, also nicht mit dem ganzen Körper mitgehen oder zurücklehnen. Wenn man den linken Ski belastet, fährt man nach rechts und umgekehrt. Oder war es andersherum? Oh Herre, ich kann doch nicht rechts und links unterscheiden! Franz-Josefs nächste Lektion klingt einleuchtender: Hält man die Ski parallel wie zwei Pommes, gibt man Gas, zieht man sie breit auseinander wie Pizzateig, bremst man. Ah ja, das geht sogar in meinen Hausfrauen-Kopf. Allerdings klemmt irgendwas bei der 1,85 Meter langen Übertragung zu meinen Füßen. Rums. Aber Aufstehen will ja auch geübt sein. Mit dieser Ski-Theorie gewappnet geht es zum Ankerlift. Mir schwant, dass ich mir vor Urzeiten beim Versuch, mich auf ein solches Teil drauf zu setzen, durch einen Salto rückwärts erst eine fiese Prellung und den daraufhin blockierten Lift den Ingrimm aller Skifahrer zugezogen hatte.

Während wir uns durch die verschneite Winterwunderwelt ziehen lassen, erzählt Franz-Josef von den Anfängen des Eschenberglifts und der 16-köpfigen Betreibergesellschaft. Er ist seit 45 Jahren Skilehrer, nach meinen Schätzungen also seit seinem zweiten Geburtstag, und wird alle zwei Jahre neu zertifiziert.

Oben auf 725 Metern Höhe angekommen, finde ich, dass wir doch auch einen schönen Artikel über die herrliche Aussicht und danach einen netten Spaziergang talwärts machen könnten, so in Erinnerung an unsere WP-Wanderzeit. Oder eine lustige Schlittenpartie auf dem angegliederten Rodelhang. Franz-Josef findet das leider nicht. Beim Blick bergab kommt die alte Eishang-Panik wieder hoch. Aber Franz-Josef strahlt seine Ruhe auch auf mich aus. Ich muss nur nachmachen, was er mir geduldig vorfährt. Und tatsächlich, es funktioniert! Das Skigelände ist weitläufig und erstreckt sich über drei breite Hänge, die man kombinieren kann und auf denen sich die anderen Skifahrer in beruhigend großen Abständen verteilen. Die längste Abfahrt ist 1,2 Kilometer lang. Also viel Platz, um in Pizza- und Pommes-Schwüngen ins Tal zu rutschen. Eigentlich hatte ich mir ja nur eine einzige Abfahrt vorgenommen, aber jetzt hat mich das Ski-Fieber erwischt. An den Liften gibt es keine Wartezeiten, wir können sofort wieder hoch. Bei der dritten Abfahrt tut Franz-Josef mir den Gefallen und bestätigt, dass meine flammneuen Skikünste schon fast streif-reif sind.

Schneebetäubt

Einige Abfahrten später traue ich mich alleine. Huch, so ohne Franz-Josef verlässt mich doch der Mut. Aber dann kommt der Satz des Tages - ach was, des Jahres! Ein vor mir liftender Vater sagt zu seiner Tochter: „Emily, lass erst die Frau vorbei. Die kann das besser als wir.“ Ich gleite also mit gütigem Maria-Riesch-Lächeln superlässig aus dem Lift und wedele in bester Pommes-Haltung vorbei. Blöd nur, dass ich im nächsten Moment auf dem Kreuz liege. So schneebestäubt kann ich niemanden unter die Augen treten, also gleich noch ein paar Fahrten. Die Sonne wirft mittlerweile lange Schatten, der Rest der Familie taut sich längst mit heißem Kakao auf, als ich endlich einsehe, dass ich meinen diversen Beinmuskeln, von deren Existenz ich bisher gar nichts ahnte, ihren verdienten Feierabend gönnen sollte.

Herzlichen Glückwunsch

Der Parkplatz liegt direkt neben der Talstation, so dass ich jovial winkend bis in den Kofferraum fahren kann. Mein neues Lindsay-Vonn-Image kommt kurz ins Wanken, als meine Fünfjährige mir zeigen muss, wie die Skibindung aufgeht. Zur Krönung des wunderschönen Tages fordern alle vier Kinder Pommes und Pizza zum Abendessen. Keine Ahnung, wie sie darauf kommen.

Ja, also, herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag, lieber Eschenberglift. Ich komme ganz bestimmt wieder. Sobald mein Muskelkater und ich die nächsten Tage überstanden haben!