Silvester in „Down Under“ kein Knaller

Sydney/Elleringhausen. Nach der Geiselnahme in einem Café in Sydney Mitte Dezember, war zuerst nicht sicher, ob ein terroristischer Hintergrund vorlag und ob überhaupt eine Silvester-Party am „Opera House“, der Sehenswürdigkeit Sydneys schlechthin, stattfinden darf. Zum Glück hat sich diese Vermutung nicht bestätigt und Silvester konnte, wie jedes Jahr, an allen beliebten Orten zelebriert werden.

Viele Touristen wollen direkt am „Opera House“ feiern, andere am Darling Harbour, wieder andere am Millsons Point. Es werden Bootsfahrten für 100 Dollar angeboten, die Touristen zu einem „secret spot“ führen, wo man angeblich einen perfekten Ausblick auf das Feuerwerk hat. Wie sich hinterher herausstellt, war die Bootstour das Geld nicht wert.

Der „Wow-Effekt“ blieb leider aus

Ich bin mit meinem Arbeitskollegen und einigen Mitbewohnern unterwegs. Auch wir sind uns bis um 17 Uhr noch nicht einig, obwohl wir uns eigentlich schon um 10 Uhr morgens treffen wollten. „Der eine muss dieses erledigen“ und „der andere muss noch vorschlafen“ und so weiter. Letztendlich machen wir uns dann gegen 20 Uhr auf den Weg aus der Stadt heraus zu einem Park – kein Eintritt, mit DJ, kein Alkoholverbot und ein guter Blick wird uns versprochen.

Den Moment fest halten

Angekommen in dem kleinen Ort „St.Peters“ sind wir zuerst überrascht, wie wir die Stadt sehen können. Um 21 Uhr gibt ein schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das Feuerwerk. Ein kleiner, überschaubarer Knall an vier verschiedenen Orten. Zwar kann man alle vier Feuerwerke sehen, doch der „Wow-Effekt“ bleibt aus. Nach einem kurzen Beweisfoto, dass wir dort waren, machen wir uns um 22 Uhr mit einem Taxi auf den Weg zurück in die Stadt, wo natürlich kein Durchkommen ist. Wir suchen uns einen Park aus, wo man die Harbour Bridge sehen kann – natürlich in der naiven Hoffnung, dass niemand anderes die gleiche Idee hat. Der Plan geht böse nach hinten. Der volle Park ist eingezäunt und mit Polizei und Security umstellt. Silvester ist übrigens der einzige Tag in Australien, an dem es erlaubt ist, an einigen öffentlichen Orten Alkohol zu trinken.

Um halb 12 verliert sich unsere Gruppe nach einem Gang zur Toilette komplett aus den Augen. Na toll!

Und dann: Mitternacht. HAPPY NEW YEAR! Jeder wünscht auf den unterschiedlichsten Sprachen ein frohes neues Jahr und drei von uns finden durch Zufall wieder zusammen.

Schnell zücken wir unsere Handys, um den Moment festzuhalten und da ist es auch schon vorbei. Wir sehen, dass sich alle schon wieder Richtung Ausgang bewegen. Ich sage noch „Ach da kommt doch bestimmt noch was. Das kann es doch jetzt noch nicht gewesen sein?!“

Das Sauerland kann das auch!

Wir warten mit großen und gleichzeitig traurigen Augen, doch es passiert nichts. Nach acht Minuten ist alles vorbei. Nach den ersten zwei, drei Raketensalven kann man die Harbour Bridge schon gar nicht mehr sehen. Alles ist voller Nebel.

Vielleicht haben wir einfach zu viel erwartet?! Als Papa mir dann ein Foto schickt, wie großartig das Feuerwerk im Fernsehen aussah, bin ich noch ein wenig mehr enttäuscht. Ich war live dabei und kann sagen, dass es nicht ansatzweise so schön war wie im Fernsehen. Da brauchen wir uns im Sauerland auf jeden Fall für kein Feuerwerk hinterm Berg verstecken.

Naja, nachdem die erste Enttäuschung verflogen ist, machen wir uns auf den Weg, um mit dem Taxi zurück in die Stadt zu fahren. Nach 1.30 Uhr gibt es - leider auch in der Neujahrsnacht - laut Gesetz nirgends mehr Einlass.

Auf dem Weg zum Taxi sehen wir einen Kerl unseres Alters auf der Straße liegen. Alle Menschen gehen dran vorbei. Wir versuchen ihn anzusprechen und bemerken, dass wir ihn heute schon einmal getroffen hatten – er war aus Deutschland und hatte wohl einen über den Durst getrunken.

In der Zeit, in der ich versuche, ihn irgendwie wach zu bekommen und anzusprechen, machen sich zwei Freunde auf den Weg zur Polizei und Security, um Hilfe zu holen, doch die kümmert das erstaunlicherweise kein bisschen. Es sei nicht ihr Problem, wir hätten ja besser auf ihn auspassen können (zudem wir ihn ja nicht einmal näher kannten).

Okay, weder die Security, noch die Polizei hilft uns. Auch die Passanten interessiert es nicht. Den Jungen hier liegen lassen können wir aber auch nicht. Nach ca. 15 Minuten ist er ansprechbar,. Zu viert tragen wir ihn erst einmal von der Straße weg. Als er wieder zusammenklappt, entschließen wir uns den Krankenwagen zu rufen. Was weiter passiert ist, wissen wir leider nicht.

Kurzer Blick auf die Uhr – es ist schon lange nach 1.30 Uhr – also kein Eintritt mehr in irgendein Lokal. Trotz allem gehen wir noch Richtung Stadtmitte und finden letztendlich noch eine Hausparty, welche den Abend dann doch noch rettet. Bis morgens um sechs feiern wir mit Leuten aus den verschiedensten Ländern zusammen, multikulturell - ein riesiger Spaß!

Da es in Deutschland zehn Stunden später ist, das heißt noch nicht einmal Mitternacht, entschließe ich mich, langsam den Heimweg anzutreten um mit meiner Familie zu skypen.

„19“ als Unglückszahl

Ich will mir gerade ein Ticket für den Bus besorgen, da fällt mir auf, dass meine australische Bankkarte fehlt. Netterweise nimmt mich der Busfahrer auch ohne zu bezahlen mit.

Gefrustet komme ich also irgendwann zu Hause an. In den letzen Wochen hatte ich nicht gerade Glück, was zum Beispiel meine Wohnsituation und meinen Vermieter angeht, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls hatte ich beschlossen, dass ich mein Unglück im alten Jahr lasse und mit viel Glück ins neue Jahr starte… Naja, das hat wohl nicht ganz so gut geklappt. Meine Mitbewohnerin aus Taiwan sagt, es liegt daran, dass ich 19 Jahre als bin. In ihrem Land ist das das Jahr des Unglücks – sehr motivierend.

Das war schon komisch, ich war ja schließlich schon im Jahr 2015 und die Party war bereits vorbei und all meine Freunde und Familie in Deutschland hatten noch alles vor sich.

Happy New Year und liebe Grüße an alle Leser aus Sydney!