Sidon zurück zu den Wurzeln

Box-Weltmeister Andreas Sidon
Box-Weltmeister Andreas Sidon
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Was wir bereits wissen
Am 30. Mai verteidigt Andreas Sidon , der in Olsberg aufgewachsen ist, seinen WM-Titel in der World Boxing Union (WBU).

Olsberg..  Er hat sich im wahrsten Sinne des Wortes durchboxen müssen. Nichts ist Andreas Sidon im Leben geschenkt worden. Jetzt kehrt der 52-jährige Schwergewichtsweltmeister der Box-Weltverbände WBU und WBB an den Ort zurück, wo er seine Kinder- und Jugendzeit verbracht hat, nach Olsberg. Und er bringt ein Geschenk mit: Am 30. Mai, einem Samstag, verteidigt Sidon in der Konzerthalle Olsberg seinen WM-Titel in der World Boxing Union (WBU), einem eher unbedeutenden Verband in der internationalen Box-Szene. Dennoch ist es eine kleine Sensation für die Region. Drei Herausforderer gibt es. Gegen wen der 52-Jährige antritt, steht derzeit noch nicht fest.

Doch wer ist dieser Andreas Sidon? Schon früh verliert der gebürtige Wuppertaler bei einem Verkehrsunfall seine Eltern. Mit 10 Jahren kommt er ins Kinderheim der Kropff-Federath’schen Stiftung nach Olsberg. „Ab hier wusste ich, dass ich mich allein durchs Leben schlagen muss“, so der 52-Jährige. Er besucht als einziges Heimkind die Realschule, „macht viel Blödsinn“, wie er es ausdrückt, eckt manches mal an, muss sich durchsetzen, manchmal auch mit den Fäusten. Aber er hat immer wieder Fürsprecher. „Vor allem der damalige Schulleiter und Bürgermeister Josef Niggemann hat seine schützende Hand über mich gehalten. Aber auch die Heimleitung.“ Das Leben im Sauerland habe ihn geprägt, betont Sidon. „Ich habe hier viel Menschlichkeit erfahren und möchte mich mit diesem WM-Kampf in Olsberg dafür bedanken.“

Andreas Sidon schafft das Fachabitur, macht eine Lehre zum Landschaftsgärtner und spielt beim TSV Bigge-Olsberg in der Bezirksliga Fußball. Viele kennen ihn noch aus dieser Zeit.

Erst spät Profi geworden

Der junge Mann ist von asiatischen Kampfsportarten fasziniert. Mit 25 Jahren zieht es ihn nach Asien, um Thaiboxen zu lernen. In Thailand kämpft er am Strand und in Bars gegen Einheimische und amerikanische Soldaten und verdient sich so den Lebensunterhalt. Diese Zeit prägt ihn, macht ihn hart. In Thailand lernt er auch seine spätere Frau Heike kennen.

Zurück in Deutschland wird Sidon deutscher Meister im Kick- und Thaiboxen, holt den WM-Titel. Um noch besser zu werden, schließt er sich einem Boxclub an. Der reine Faustkampf macht ihm so viel Spaß, dass er mit 30 Jahren noch umsattelt. Er wird Hessenmeister, Südwestdeutscher Meister und fährt zur deutschen Box-Meisterschaft nach Berlin, wo er mit dem BC Magdeburg den Mannschaftstitel gewinnt. Sidon ist in der Spitze angekommen und lernt Boxer wie Sven Ottke kennen.

Mit 36 Jahren ist Schluss im Amateursport. Die Regeln sehen dies vor. Doch Sidon will weitermachen. Er wird Profi und holt sich 2002 den Deutschen Meistertitel im Schwergewicht. Dann schlägt das Schicksal erneut zu. 2003 kommt seine Frau bei einem Autounfall ums Leben. Die drei Kinder erleiden teilweise schwere Verletzungen. Sidon selbst wird das linke Ohr abgerissen, das die Ärzte wieder annähen.

Alleinerziehender Vater

Der alleinerziehende Vater, der inzwischen in Gießen lebt, lässt sich nicht unterkriegen, boxt sich weiter durch. Er kassiert kleinere Börsen, die aber zum Leben reichen. Dann kommt der nächste K.O.-Schlag. 2007 wird bei Sidon nach einem Kampf im Rahmen der medizinischen Untersuchung eine Kalkablagerung in der rechten Halsschlagader festgestellt. Daraufhin entzieht ihm der Bund Deutscher Boxer (BDB) die Profilizenz, und der deutsche Meistertitel wird für vakant erklärt. Der 52-Jährige wittert ein Komplott. „Diese Kalkablagerung hat fast jeder Mann ab 25 Jahren. Die wollten einen jungen Meister haben, der sich besser vermarkten lässt. Ich passte denen nicht in den Kram.“

Nun kämpft Sidon weiter, vor Gericht. Das Landgericht macht die Entscheidung rückgängig, der BDB klagt dagegen und bekommt in zweiter Instanz Recht - Berufung nicht möglich. Doch der 52-Jährige gibt nicht auf und klagt vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. In letzter Instanz bestätigt der Bundesgerichtshof, dass dem gebürtigen Wuppertaler zu Unrecht die Lizenz entzogen wurde. Sidon bekommt seinen Deutschen Meistertitel zurück, kann seine Karriere fortsetzen und auch der Weg für Schadensersatzansprüche ist frei. „Mir geht es gar nicht so sehr um das Geld, sondern um mein Recht. So einfach lasse ich mich nicht schlagen.“ Bis heute hat Sidon aber noch keinen Cent gesehen. Seine Vermutung: „Die wollen sich außergerichtlich mit mir einigen und so die Summe drücken.“

Sportlich hat sich der Dinosaurier des Boxsports inzwischen durchgeboxt. 2013 entthront er den Kanadier Sheldon Hinton und wird Weltmeister im WBU-Verband. Da er auch den Titel im WBB-Verband trägt, darf er sich nun Super-Champion nennen. Und wie lange will der 52-Jährige noch in den Ring gehen? „So lange ich noch stehen kann“, kommt die prompte Antwort.

Ein Mann, den auch schwerste Schläge nicht zu Boden bringen.