„Setzen auf handwerkliche Sorgfalt und Qualität“

Die Familie von Twickel von der Gräflichen Stolbergschen Brauerei in Westheim. F
Die Familie von Twickel von der Gräflichen Stolbergschen Brauerei in Westheim. F
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Im Bier-Panscher-Skandal fällt auch immer wieder der Name der Westheimer Brauerei. Moritz von Twickel: „Es war ein ganz normaler Lohnbrauauftrag.“

Westheim..  Ein Kölner Getränkegroßhandel, betrieben von zwei Brüdern, soll „Billig-Kölsch“ an die Gastronomie verkauft haben. Auch die WP berichtete vom Bier-Panscher-Skandal in der Domstadt. Und immer wieder fällt in der Medienlandschaft landauf, landab der Name der Westheimer Brauerei. „Das ist nicht toll für unser Image“, sagt der Juniorchef und Geschäftsführer Moritz von Twickel in seiner gewohnt jovialen und zurückhaltenden Art zur WP. Auch Pils und Weizen sollen gepanscht worden sein. Von 1000 beschlagnahmten Fässern ist die Rede.

Die beiden Kölner sollen also mit ihrem Getränkegroßhandel für ihre Hausmarke „Bachsteiner“ hergestelltes Bier unter dem Namen renommierter Brauereien als teures Marken-Kölsch an die Gastronomie verkauft haben. Moritz von Twickel: „Die Brauerei Westheim wird in verschiedenen Medien als Hersteller dieser Biere genannt. So kann die Vermutung geweckt werden, dass die Brauerei mit der falschen Deklaration und dem Inverkehrbringen in Kölner Gaststätten in Zusammenhang steht. Das ist nicht der Fall.“

Richtig sei, dass die Brauerei Westheim für den Großhändler im Raum Köln Bier gebraut und in dessen Fässer abgefüllt hat. Sowohl die Marke als auch die Fässer gehören dem Großhändler. Von Twickel: „Es war ein ganz normaler Lohnbrauauftrag“.

Bei der Auslieferung durch die Westheimer Brauerei seien die Fässer ordnungsgemäß mit der Eigenmarke des Kunden gekennzeichnet gewesen. Von Twickel: „Jedwede Verwechslung dieser Eigenmarke mit einer Kölsch-Marke war und ist ausgeschlossen.“

Die Eigenmarke sei nicht als Kölsch bezeichnet gewesen. Für den Biergroßhändler hat die Westheimer die Sorte „helles Obergäriges“ produziert, gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot. Als solches ist die Haussmarke made in Westheim auch im Marken-Portfolio des Kölner Getränkefachhändlers gelistet. Im Haus-Sortiment der Westheimer wird das Obergärige nicht geführt.

Vorgeworfen wird den beiden Brüdern, dass sie Bier aus Westheim in andere Fässer umgefüllt und es dann als Kölner Markenbier bezeichnet hätten. „Wenn sich das bestätigt, ist das natürlich ein Plagiat-Vorwurf“, distanziert sich der Juniorchef der Westheimer aufs Schärfste davon. Auch soll der Großhändler Kölner Markenbierfässer benutzt und deren Label mit den Aufklebern seiner Eigenmarke überdeckt haben. In Westheim sollen die Fässer dann mit dem Auftragbier befüllt worden sein. Moritz von Twickel: „Wir hatten keinen Verdacht, dass so etwas hätte passieren können.“ Denn es sei nicht unüblich, dass Originalfässer auf dem Gebrauchtmarkt angeboten würden und sie dann von den neuen Eigentümern mit ihrer Beschriftung überklebt würden.

Die Aufkleber soll der Bierlieferant später wieder entfernt haben und das Bier als Kölner Marken-Bräu teuer verkauft haben. In verschiedenen Medien am Rhein war die Rede davon, dass ganze Tankzüge voller Bier made im Sauerland von den Betrügern in falsche Fässer abgefüllt worden seien. Von Twickel: „Wir haben noch nie Tankbier geliefert“. Laut Polizei hätte sich die Meldung auch als Ente herausgestellt.

Für alle familiengeführten Brauereien, so auch die Westheimer, stehe ein sauberer, fairer Biermarkt an vorderster Stelle, betont Moritz von Twickel. Deshalb behalte sich die Brauerei Westheim nach Aufklärung des Sachverhaltes rechtliche Schritte in alle Richtungen vor.

Moritz von Twickel: „Unsere Bierspezialitäten sind gefragt, weit über das Kerngebiet rund um Marsberg und Westheim hinaus.“ Mehrere Kunden würden die Braukompetenz in den gräflichen Gerstensaft nutzen und lassen für ihre Eigenmarken ihr Bier in Westheim brauen, zum Teil nach deren Originalrezepten. Von Twickel: „Wir setzen auf handwerkliche Sorgfalt und sichern hohe Qualität.“