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Ausbildung

Schulpläne stoßen auf Kritik aus der Wirtschaft

29.01.2015 | 07:00 Uhr
Schulpläne stoßen auf Kritik aus der Wirtschaft
Elektrotechniker - ein Beruf, der in vielen Branchen gefragt ist.Foto: WAZ-Fotopool

Altkreis.   Die geplante Umstrukturierung im Bereich Elektrotechnik sorgt weiterhin für Kritik.

Die SPD im Stadtrat fordert eine eindeutige Stellungnahme seitens der Stadt Olsberg. Fachleute befürchten, dass eine intakte Ausbildungsstruktur zerschlagen wird. Jetzt haben sich auch Firmen und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Abteilung HSK, zu Wort gemeldet. Es geht um die geplante Umstrukturierung am Berufskolleg. Falls sich der Kreisschulausschuss am kommenden Dienstag und der Kreistag am 13. März dazu durchringen sollten, wird es einschneidende Veränderungen geben.

Folgen die Politiker dem Vorschlag der sogenannten Steuerungsgruppe, dann würden ab dem Schuljahr 2015/2016 die angehenden Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und die Elektroniker für Betriebstechnik im ersten Ausbildungsjahr an allen drei Standorten (Hüsten, Meschede und Olsberg) ausgebildet. Danach wechseln die Energie- und Gebäudetechniker ans Berufskolleg Meschede und die Betriebstechniker nach Neheim (wir berichteten).

Fatale Folgen

Erhebliche Bedenken an diesem Plan äußern betroffene Ausbildungsbetriebe, Wirtschaftsförderer, Kommunalpolitiker und Bürgermeister aus den sechs betroffenen Städten im östlichen Kreisgebiet. Bei einem gemeinsamen Treffen im Unternehmen H&T in Marsberg-Bredelar zeigten sie sich unisono arg verwundert.

Aus ihrer Sicht sind die langfristigen Auswirkungen der geplanten Verlagerung fatal. „Eine Schließung des Standortes Olsberg würde sich struktur- und wirtschaftspolitisch kontraproduktiv zur immer wieder beschworenen Stärkung der Wirtschaftsregion Südwestfalen auswirken“, heißt es in einer Pressemitteilung des BVMW. „Die immense Bedeutung des Bereichs Elektrotechnik scheine noch nicht bei allen angekommen zu sein. Ohne diese Fachleute werde in nahezu allen produzierenden Firmen - von der Holz- bis zur Metallverarbeitung - und auch in vielen anderen Bereichen keine Produktion mehr möglich sein“, beschreibt der Verband das mögliche Zukunftsszenario.

Sollte der Plan wie von der Steuerungsgruppe empfohlen umgesetzt werden, wollen konkret Firmen im Raum Medebach, Hallenberg und Marsberg ihre Berufsschüler künftig aus dem Kreis abziehen und an außerhalb liegende Berufsschulen schicken. „Für uns ist eine Verlagerung nicht nachvollziehbar“, erklärt Hildegard Köster von der Firma Paul Köster in Medebach. „Wir haben unsere Auszubildenden von der nur 20 Kilometer entfernten Berufsschule in Frankenberg abgezogen, weil uns die hochmoderne Ausstattung am vor fünf Jahren für neun Millionen Euro modernisierten Fachbereich Elektrotechnik am Olsberger Berufskolleg und die Art des Unterrichtes dort viel mehr zusagen. Sollte eine Entscheidung zum Nachteil des modernen Standorts Olsberg fallen, werden wir reagieren und unsere Auszubildenden wieder nach Hessen schicken“.

Auch Elektrotechnikermeister Ralf Mause von der Firma Borbet würde in seinem Unternehmen den gleichen Weg beschreiten. Genauso wie Elektrotechnikermeister Frank Lefarth aus Medebach-Medelon, der Korbach anvisiert, während zum Beispiel die Firma Geise Elektro in Westheim laut darüber nachdenkt, die Auszubildenden dann nach Warburg zu schicken.

Keine Stärkung für Meschede

Aus Sicht des BVMW werden einige Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt: Von derzeit 27 Auszubildenden im ersten Lehrjahr wohnen 18 näher an den beruflichen Schulen der Nachbarkreise, als an Olsberg. Bei Verlagerung nach Meschede oder Hüsten würden viele Auszubildende aus dem Raum Marsberg, Medebach und Hallenberg nicht mehr für eine Beschulung im HSK verfügbar sein. Damit wäre aufgrund nicht ausreichender Schülerzahlen selbst bei einer Verlagerung von Olsberg nach Meschede auch der Standort Meschede gefährdet, obwohl dieser eigentlich durch diese Maßnahme für die Zukunft gestärkt werden soll.

„Für Jugendliche, die sich im Alter von etwa sechzehn Jahren für eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik interessieren, wird die Entscheidung schwierig, wenn sie erhebliche Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Es besteht die Gefahr, dass diese sich dann beruflich umorientieren, um in der Heimat zu bleiben“, erklärt Christoph Kloke, Beauftragter des BVMW für den Hochsauerlandkreis. „Es besteht aber auch die Sorge, dass die jungen Menschen noch früher die gerade im mittelständischen Sauerland gefürchtete Landflucht beginnen. Eine langfristige Bindung an Unternehmen in der Region hat somit kaum Chancen. Eine Rückkehr der dringend benötigten Fachkräfte in die Region nach Ausbildung und gegebenenfalls anschließendem Studium bleibt mehr als fraglich“, so der Sprecher des Unternehmerverbandes weiter.

Image-Schaden befürchtet

„Die Auswirkungen des demographischen Wandels sind uns bewusst. Jedoch kann Schulentwicklung in einem Flächenkreis wie dem HSK trotzdem nicht einfach nach dem Prinzip „Gibst du mir, gebe ich dir“ erfolgen“, betont Peter Staudt, Leiter des BVMW für die Region Paderborn, Soest und Hochsauerland. „Ein Wegfall der Ausbildung der Elektrotechniker schadet dem Image des Olsberger Berufskollegs erheblich. Es ist das modernste und technologisch fortschrittlichste in einem weitem Umkreis und beschert seit Jahren der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede viele Studenten, die zu einem großen Anteil auch nach ihrem Studium Arbeitsplätze in der heimischen Region bevorzugen.“

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2015-01-29 07:00
Nachrichten aus Brilon, Marsberg und Olsberg