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Kommunalpolitik

Schule nicht „im Regen stehen lassen“

13.02.2012 | 18:09 Uhr
Schule nicht „im Regen stehen lassen“
Schüler am Gymnasium Petrinum in Brilon.

Brilon.„In diesem Schulhalbjahr hat es uns richtig erwischt“, sagt Johannes Droste, Schulleiter des Gymnasiums Petrinum. Etwa 70 von 1400 Wochenstunden müssen bis Ostern ausfallen, weil - kurz gesagt - mehrere Lehrer ausfallen und Finanzmittel für Vertretungen fehlen. Dazu kommt ein Problem, das auf dem Land generell ansteht: Es fällt den Schulen schwer, für bestimmte Fächer Vertretungslehrer und überhaupt Personal zu finden.

Die Eltern sind sehr sensibilisiert, unter anderem auch, weil im nächsten Jahr der erste Jahrgang nach acht statt neun Jahren das Abitur macht. „Es steht ja nicht gleich das ganze System in Frage“, beruhigt Droste. Betroffen seien in diesen Jahrgängen allenfalls Sportkurse, in der Sekundarstufe I müssten Schüler allerdings auf Kunststunden verzichten.

Natürlich gehöre Kunst in die Schulen, so Droste weiter, aber man müsse sich auch einmal spätere Anforderungen vor Augen führen: „Da müssen wir besonders auf die Kernfächer Mathe, Fremdsprachen und Deutsch blicken.“ Und - das betont er auch in dem Brief an Eltern und Schüler (siehe Kasten unten) - in diesen Fächern sei es gelungen, den Unterricht weiterhin in vollem Umfang erteilen zu können. Fünf bis sechs Stunden Kunst, die für ein Kind aus der Klasse 7 bis Ostern wegfielen, seien sicher nicht entscheidend dafür, dass später die Abiturnote um eine Dezimalstelle besser oder schlechter ausfalle.

„Das Kollegium in Brilon ist sehr kreativ und engagiert dabei, den Ausfall aufzufangen“, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. Es sei zurzeit schlicht kein Geld für Vertretungen vorhanden: „Denn wir müssen ja auch alle Schulen im Regierungsbezirk bedienen.“ In Absprache mit Arnsberg hätten die Pädagogen, die in diesem Jahr die Abiturjahrgänge am Petrinum betreuen, beschlossen, „noch eins draufzulegen“ und schon vor den Abi-Prüfungen ein Mehrkontingent in Kauf zu nehmen, betont Söbbeler.

Belastung der Lehrer

Aber das geht natürlich nur eine gewisse Zeit: „Die Lehrer liegen bereits jetzt weit über ihrer normalen Stundenbelastung“, sagt Droste. Zwar könne man die Mehrarbeit in der Regel im nächsten Halbjahr ausgleichen, aber er habe schon das Gefühl, dass die Zahl erkrankter Kollegen zunehme und auch immer mehr hoch engagierte Kollegen über die Arbeitsbelastung klagten. „Wir müssen aufpassen, dass Motivation und Engagement der Kolleginnen und Kollegen erhalten bleiben.“

Der Unterrichtsausfall könne nicht hingenommen werden, mahnte Wolfgang Diekmann (CDU) bereits im vergangenen Schulausschuss an. Er forderte die Stadtverwaltung auf, umgehend bei der Bezirksregierung tätig zu werden. „Es kann nicht sein, dass in der großen Politik das Thema Bildung zu Recht in den Mittelpunkt gestellt wird, aber vor Ort die Schulen im Regen stehen gelassen werden.“ Eltern, aber auch Lehrer hatten sich in den vergangenen Wochen an Diekmann gewandt.

Morgen findet ein Treffen mit Elternvertretern aus der Schulkonferenz, der Schulpflegschaft und dem Schulleiter statt. „Auf keinen Fall geht es darum, dass die Eltern etwas gegen die Schule haben“, sagt Schulpflegschaftsvorsitzende Gabi Lahme. Man wolle viel mehr im Gespräch sein, um den Eltern insgesamt noch besser zu kommunizieren, was überhaupt passiere. Auch, damit nicht Sachverhalte falsch verstanden würden.

Zum Beispiel hatte die Anmerkung im Brief, ein Pädagoge unterrichte nun in Winterberg, für Unklarheiten gesorgt. „Ich glaube, wir müssen uns gegenseitig helfen als Gymnasien in der Region“, sagt dazu Ulrich Cappel, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. So helfe Brilon im Bereich Physik aus, weil ein Lehrer langfristig erkrankt sei und „wir ohnehin Mangel im naturwissenschaftlichen Bereich haben“. Schon zweimal habe er in diesem Schuljahr eine Stelle in dem Bereich ausgeschrieben - ohne Bewerber.

Gleichzeitig entsendet aber auch Winterberg einen Biologie-Lehrer stundenweise ans Gymnasium Schmallenberg. Im Förderbereich musste auch Cappel schon Stunden kürzen. „Wir machen das alles immer im Sinne der Schüler“, bittet auch er um Verständnis. Und um Vertrauen.

Von Sonja Funke

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