Schuhe als ein Zeichen der Zuwendung

Brilon..  Die Idee entstand im Herbst letzten Jahres, als ein wohnungsloser junger Mann mit vollkommen zerrissenen Schuhen das Schuhgeschäft „mehralsschlappen“ in Brilon betrat. Sichtlich betroffen verspürte der Besitzer Hartmut Kemper den Wunsch, ihm und auch weiteren Menschen zu helfen, die sich „vernünftige Schuhe“ nicht leisten können.

Am verkaufsoffenen Sonntag „Brilon blüht auf“ bat sein Geschäft um Schuhspenden. Für noch ungetragene und neuwertige Schuhe gab es sogar Gutscheine für sein Fachgeschäft.

Die Resonanz war enorm: 400 Paar Schuhe wurden abgegeben! „Zwei Tage lang haben wir alles in unserer Garage sortiert“, berichtet seine Ehefrau Ilona Kempmann. Mehr als 150 Paar Schuhe von Kindersandalen über schicke Lackschuhe bis zum Turnschuh waren absolut brauchbar und wurden am Montag im evangelischen Gemeindehaus in Brilon an Flüchtlinge verteilt. Diese nahmen die Schuhe gern an, jede Person erhielt dabei maximal zwei Paar.

„Fest der Völker“ am 24. Mai

Aber auch Bedürftige aus Brilon werden bedacht, denn ein Teil der Schuhe wird in der kommenden Woche im Warenkorb der Caritas kostenlos an sie abgegeben. Überwältigt von der großen Resonanz auf seine Aktion erläuterte Hartmut Kempmann: „Die Leute brachten uns zum Teil nagelneue Schuhe, noch im Karton. Sie wollten sie nicht in einen Container werfen, sondern lieber anderen damit etwas Gutes tun!“

Presbyterin Monika Grosse-Vollmer von der evangelischen Kirchengemeinde Brilon, und Birgit Wülbeck unterstützten diese Hilfsaktion tatkräftig. Als Integrationspaten kümmern sie sich schon seit Monaten ehrenamtlich um Flüchtlinge im Stadtgebiet Brilon.

Spenden fließen in Sprachkurse

Im und am evangelischen Gemeindehaus an der Kreuziger Mauer findet am Sonntag, 24. Mai, eine weitere Integrationsveranstaltung statt: Beim „Fest der Völker – Home away from home“ kochen Paten und Flüchtlinge gemeinsam. Die Bevölkerung ist eingeladen, Flüchtlinge kennenzulernen, und um eine Spende für das Essen wird gebeten.

Das gespendete Geld soll den Sprachkursen im „Café International“ (ev. Gemeindehaus) zugute kommen. Das „Fest der Völker“ findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nacht der offenen Kirchen“ statt.

Und was bewegt die Integrationspaten zu ihrem ehrenamtlichen Engagement? Wir hörten uns um:
Birgit Wülbeck, Integrationspatin für Flüchtlinge in Brilon-Wald:

„In Brilon und seinen Dörfern gibt es 30 Integrationspaten. Wir sind in einem Netzwerk zusammengeschlossen und tauschen z.B. über E-Mails Informationen aus. Die Flüchtlinge brauchen uns dringend! Wir helfen z.B. Familien mit Kindern bei der Wohnungssuche und ich koche auch mit Flüchtlingen bei mir zu Hause in Petersborn. Diese Menschen nehmen die Hilfen dankbar an. Sie sind froh, wenn sie auf der Straße mal begrüßt werden. Die Arbeit mit Flüchtlingen mache ich auf jeden Fall weiter, denn von ihnen kommt ganz viel zurück!“


Peter Feige, Integrationspate für Flüchtlinge in Brilon-Wald:

„Der Bevölkerung müssen wir die Augen dafür öffnen, in welchen zum Teil unzumutbaren Verhältnissen die Flüchtlinge hier leben! Viele von ihnen sind zudem krank und auch traumatisiert. Da stoßen Ehrenamtliche an ihre Grenzen. Mehr Aufgaben der Flüchtlingsbetreuung müssten von Hauptamtlichen geleistet werden. Auch wenn hier vor Ort schon einiges auf den Weg gebracht wurde, sind zu viele Flüchtlinge leider größtenteils sich selbst überlassen.“


Monika Grosse-Vollmer, Integrationspatin für Brilon:

„Die zur Zeit 200 Flüchtlinge im Stadtgebiet brauchen viel Hilfe und sind dankbar für jede menschliche Zuwendung. Die Diakonie schult uns im Umgang mit dieser Personengruppe und ihren Problemen. Einen jungen Somalier haben wir bei uns zu Hause aufgenommen. Er ist krank, und da mein Mann Arzt ist, können wir ihn pflegen. Trotzdem müssen wir als Ehrenamtliche auch die Grenzen unserer Möglichkeiten sehen.“