Schrift über das segensreiche Wirken der Martinibrüder

Medebach..  Jede Stadt hat ihre Vereine und ihre Bruderschaften; das macht sie besonders und einzigartig. Wenn man in der 871 Jahre alten Hansestadt Medebach eine Museums- oder Stadtführung macht, erfährt man viel über die sozialen und religiösen Verbünde, die Medebach in den vergangenen Jahrhunderten Individualität geschenkt haben.

Schnell vergriffen

Hierzu gehören neben anderen der Gesellenverein, der Jungfrauenverein und die St.-Sebastianus-Bruderschaft. Eine ganz besonders interessante Gruppierung, die seit über 375 Jahren bis heute existiert, ist die St.- Martini- Bruderschaft. Bereits 1986 wurde eine Schrift herausgegeben, die viel über die Geschichte und das immer noch hilf- und segensreiche Wirken der Martinibrüder berichtet. Diese war aber rasend schnell vergriffen, so dass der Heimat- und Geschichtsverein sich dazu entschied, nun eine vom damaligen Hauptautor Gerhard Schnellen überarbeitete und aktualisierte, topaktuelle Neuauflage herauszugeben. In dieser Herausgabe wird von der Entstehung der Bruderschaft zu Zeiten der Pest im dreißigjährigen Krieg erzählt. In dieser grausamen Zeit starb ein Drittel der Medebacher Bürgerschaft. Und um diesen Menschen ein christliches Begräbnis zu ermöglichen, schlossen sich beherzte Medebacher Bürger zusammen, um den Toten diesen Liebesdienst zu erweisen.

25 Statuten

Dabei riskierten sie ihre eigene Gesundheit und verloren auch oft ihr eigenes Leben. Später übernahmen die Martini-Brüder die Bestattung aller Toten, die an einer gefährlichen Krankheit gestorben waren und nicht wie üblich begraben werden durften. Daraus ergab sich im Laufe der Jahre bis heute das Bestatten aller Verstorbenen. Auch von anderen Aufgaben der Bruderschaft, wie Gottesdienstbesuche, Teilnahme an Prozessionen mit dem Tragen des Baldachins und der Fahne des Müttervereins, der traditionellen Kleidung und Armenspeisungen, berichten die 25 Bruderschaftsstatuten.

Heute besteht die Bruderschaft aus 20 Mitgliedern mit ihrem ersten Vorsitzenden Horst Keller. Sie sind das Garant für das Weiterleben einer alten Tradition: Tote zu beerdigen, den christlichen Glauben zu leben, Nächstenliebe zu üben und die Gemeinschaft zu pflegen.