Schlitten und Rodel – Wie Sie das passende Modell finden

Sitzende oder liegende Haltung beim Schlittenfahren – das passende Modell gibt es für jeden Geschmack.
Sitzende oder liegende Haltung beim Schlittenfahren – das passende Modell gibt es für jeden Geschmack.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Schlitten und Rodel gibt es in den unterschiedlichsten Variationen: Sie sind aus Kunststoff oder Holz, klappbar oder sogar aufblasbar. Eine Übersicht.

Winterberg.. Bepuderte Bäume, glitzernde Wege und dies unverkennbare Knirschen unter den Schuhsohlen: Weiße Flocken machen selbst den erwachsensten Erwachsenen wieder zum Kind. Natürlich kann man sich jetzt einfach eine Plastiktüte unters Gesäß klemmen und den nächstbesten Hang hinunterrutschen. Wer lieber ein bisschen mehr Material zwischen sich und das nasskalte Weiß bringt, die sitzende Haltung aber bevorzugt, schwingt sich am besten mal wieder auf den Schlitten.

Das Gefährt

Das Kufengefährt dient seit dem 19. Jahrhundert dem (sportlichen) Vergnügen, doch für den Transport von Lasten wie Steinen, Holz oder Heu soll es bereits vor Tausenden von Jahren genutzt worden sein – sogar ganz ohne Schnee, etwa bei den alten Ägyptern.

Heute gibt es gute Schlitten sowohl aus Holz als auch aus Plastik und in zahlreichen Variationen. Klassiker sind zum Beispiel der „Grindelwalder“ oder der „Davoser“, eine schweizerische Weiterentwicklung norwegischer Schlitten, die traditionell aus Eschenholz gefertigt wird und in verschiedenen Größen, für einen, zwei oder drei Fahrer erhältlich ist.

Fahren wie die Profis Etwas schneller wird die Fahrt mit einem „Rodel“, dessen Sitzfläche aus einer Textilbespannung besteht. Der Rodel ist in verschiedenen Größen und als Freizeit-, Touren- oder Sportrodel zu haben. Im Sportbereich würden die Schlitten sogar individuell angefertigt, erzählt Christoph Brieden, Landessportwart des nordrhein-westfälischen Bob- und Schlittensportverbandes.

Für den Laien tun es auch die zahlreichen Modelle, die neben Davoser und Freizeitrodel sonst noch zu bekommen sind: klappbare Holzschlitten, Schlitten speziell für Kleinkinder, Kunststoff-Lenkschlitten, Rutschteller, aufblasbare Rodel, Schneereifen und der Zipflbob.

Letzterer entstand in den 1960er Jahren aus der Gepflogenheit, mit einer Kohlenschaufel (den Griff voran) im Schnee herumzurutschen. Wer also einen Neukauf erwägt, sollte sich zunächst überlegen, welches Modell es sein soll. In jedem Fall solle man „darauf achten, dass der Schlitten als Kufen nicht nur Bleche hat – besser ist eine dickere Schiene“, sagt Christoph Brieden. Das gilt sowohl für Holz- als auch für Kunststoffschlitten. Auch das Schlitten-Material sollte man genau unter die Lupe nehmen: „Es gibt ganz weiche, wabbelige Modelle“, so Brieden. Davon solle man besser die Finger lassen. „Ein Schlitten muss stabil sein. Sonst hat man nicht lange Freude damit.“

Gewusst wie: Kufenpflege

Wer noch einen alten Schlitten besitzt, kann auch etwas dafür tun, dass dieser noch einige Winter treu zu Diensten ist. Denn eigentlich, so Christoph Brieden, könne ein Schlitten ewig halten. Man muss ihn nur regelmäßig einölen oder wachsen. Das gilt vor allem für die Kufen, unabhängig vom Modell, da das Öl vor Rost schützt. Brieden schwört nicht auf ein bestimmtes Öl, er verwendet Universalöl. Gerade nach dem Winter, bevor der Schlitten wieder für längere Zeit in Keller oder Schuppen wandert, sollte er noch einmal ein kleines Pflegeprogramm bekommen. Hat er dennoch Rost angesetzt, kann man diesen abschleifen: Zuerst mit grobem Schleifpapier (immer in Laufrichtung!) schleifen, dann feinkörniges Papier zum Nacharbeiten nehmen. Anschließend ölen.

Kleine Pistenkunde - Untergrund für Schlittenfahrt beachten

Wenn es dann nach draußen in den Schnee geht, scheint zwar der erstbeste Hügel stets gut genug, doch zunächst sollte man Umgebung und Untergrund noch einmal in Augenschein nehmen. „Es sollten keine Steine im Untergrund sein und am besten keine Zäune irgendwo im Weg“, sagt Christoph Brieden. Ideal sei ein möglichst harter, aber in sich ebener Untergrund. Wie viel Schnee benötigt wird, hängt vom Schlitten ab – denn die leichteren Kunststoffmodelle kämen grundsätzlich mit etwas weniger Flocken aus als die schweren Holzschlitten.

Winter Wer nicht nach zwei Abfahrten durchnässt und frierend den Rückzug antreten möchte, sollte natürlich auf geeignete Kleidung achten: Warm und wasserdicht sollte sie sein, Jeans und Turnschuhe sind definitiv die falsche Wahl. Und für die Sicherheit, so der Experte, sei auch ein Skihelm nie verkehrt. Für den Laien gibt es ansonsten nicht viel zu beachten. Fürs Bremsen und Lenken braucht es keine ausgefeilte Technik: „Füße runter, Hacken in den Schnee“, sagt Brieden. Aber: Ein Rodel lässt sich viel besser lenken als ein Holzschlitten.

Wer nicht genug bekommt

Wer soviel Spaß am Rodeln hat, dass er es nicht nur einmal im Jahr über hügelige Pferdekoppeln hopsen möchte, dem empfiehlt Brieden, natürlich, die Mitgliedschaft in einem Bob- und Schlittenclub. Früher, so um die Jahrhundertwende, sei Schlitten- oder Bobfahren ein „elitärer Sport“ gewesen: „Man ist im Sommer Autorennen und im Winter Bob gefahren.“

Heute würden schon acht- bis zehnjährige Kinder mit dem Sport beginnen. „Sie arbeiten sich langsam die Bahn hoch und haben bei den Abfahrten auch schon 50 bis 60 Sachen drauf.“ Wem die Geschwindigkeit nicht Ansporn genug ist, für den hat Brieden noch einen Hinweis parat: „Rodeln ist eine Randsportart – man kann schnell an die nationale Spitze kommen.“