Schlager und Rockmusik gegen das Vergessen

Ex-Fury-Drummer Rainer Schumann ist mit dem „Klang und Leben“-Team zu Gast im Christophorus-Haus in Gudenhagen.
Ex-Fury-Drummer Rainer Schumann ist mit dem „Klang und Leben“-Team zu Gast im Christophorus-Haus in Gudenhagen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine musikalische Zeitreise für Menschen mit Demenz bietet das „Klang und Leben“-Team im Christophorus-Haus in Gudenhagen an.

Brilon..  „Rock meets Seniorenheim“ oder „Christophorus rockt“ - treffender könnte das Sommerfest 2015 im Christophorus-Haus Gudenhagen kaum beschrieben werden. Doch damit nicht genug. Zur zeitgleichen Eröffnung des neuen Gebäudeanbaus an der Gudenhagener Allee am Samstag, 25. Juli, haben sich Einrichtungsleiter Jürgen Franke und Geschäftsführer Uwe Makschin von der Christophorus Seniorenresidenzen GmbH etwas Besonderes einfallen lassen: Eine musikalische Zeitreise für Menschen mit Demenz.

Die Idee kam Jürgen Franke in einem Gespräch mit Konzertveranstalter Gisbert Kemmerling. Dieser berichtete ihm vom Projekt „Klang und Leben“, das musikalisch vom ehemaligen „Fury in the Slaughterhouse“-Drummer Rainer Schumann geleitet wird. Mitglieder des Vereins, darunter die Musiker Graziano Zampolin (auch Demenzcoach), Oliver Peraus (er gründete die Kultband Terry Hoax), Andreas Meyer und Karsten Kniep, besuchen regelmäßig Senioreneinrichtungen, um vor Ort mit speziellen Musikstücken eine persönliche emotionale Bindung zu Menschen mit Demenz aufzubauen.

Hintergrund des Projektes: Es gibt kaum einen Menschen, der mit Musik nicht positive Erinnerungen verbindet. Das Verschwinden dieser Erinnerung erzeugt bei demenzerkrankten Menschen große Ängste und Verunsicherung. Die Menschen ziehen sich zurück und nehmen nur noch sehr begrenzt am Leben teil. „Musik ist in solchen Fällen der Türöffner“, so der Verein „Klang und Leben“. „Sie ist in der Lage, Lebensräume für nur noch begrenzt kommunikationsfähige Menschen zu schaffen. Musik kann die Menschen erreichen, die die Sprache nicht mehr erreicht.“

Breites Repertoire an Liedern

Einrichtungsleiter Jürgen Franke geht es auch darum, den Betroffenen die Angst zu nehmen und sie wieder am Leben teilnehmen zu lassen. „Für die Angehörigen eine oftmals sehr tröstliche Situation. Klang und Leben gibt ein Stück Lebensqualität zurück. Die Musik ist der Schlüssel dazu.“ Das Team von „Klang und Leben“ kommt am Nachmittag ab 15.15 Uhr mit drei Musikern und einem Demenzcoach in die Senioreneinrichtung und macht mit den Bewohnern im Rahmen eines Stuhlkreises eine musikalische Zeitreise. Die Musiker haben im Vorfeld, mit der Einwilligung der Angehörigen, Infos über die Erkrankten erhalten und sind so gut vorbereitet. Sie nutzen ein breites Repertoire an bekannten Liedern, die die Teilnehmer aus ihrer Vergangenheit kennen.

Zwischen den Liedern plaudern sie mit den Bewohnern beim „Kaffeeklatsch“ über vergangene Zeiten. Die Übergänge zwischen den musikalischen Anteilen und dieser Biografiearbeit sind fließend. Im Abschluss findet eine Evaluation statt, indem die aktuelle Befindlichkeit der Teilnehmer festgehalten wird.

Emotionale Erinnerungen

„Der Wert der musikalischen Arbeit und der Nutzen für die alltägliche Begleitung der Bewohner werden sofort sichtbar. Kommt die richtige Musik ins Spiel, laufen die emotionalen Erinnerungen wie in einem Film ab“, weiß der musikalische Projektleiter Rainer Schumann aus Erfahrung.

Auch Betreuer, Angehörige, Bewohner und Gäste können - in einem bestimmten Abstand, um die intensive Atmosphäre zu sichern - an der Runde teilnehmen.