„Schatztruhe am Markt“ steigt im Wert

Brilon..  „Zahlreiche Besucher mit staunenden Augen, die ihre Liebe zum Buch erweitern!“ Dies wünschte Johannes Droste, Schulleiter des Briloner Petrinums, der Historischen Bibliothek im Haus Hövener Den etwa 60 geladenen Gästen wurde dieser neu gestaltete Raum von Museumsleiter Jens Meyer und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Carsten Schlömer vorgestellt.

5000 Bücher aus dem 16. bis 19. Jahrhundert sind in den deckenhohen weißen Regalen ausgestellt, die vom Briloner Tischler Veit Mainzer angefertigt wurden. Jahrzehnte lang lagerte dieser historische Buchbestand im Keller des Petrinums „An der Jakobuslinde“. „Hoher finanzieller und persönlicher Einsatz“, so Droste, ermöglichten es, dass diese Bücher nun in Form einer „anspruchsvollen und beeindruckenden Ausstellung“ für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Diese historischen Schriftstücke, zu 90 Prozent in Latein verfasst, zeigen z.B. kunstvolle Gestaltung von Texten, Handschriften auf Pergament-fragmenten, Kupferstiche als Spuren der Buchdruckerkunst, aber auch Kaufverträge und Dissertationen finden sich im Bestand. Ein Werk von 1680 bezeugt Hexenprozesse in Brilon und enthält den bislang einzigen dokumentierten Hinweis auf Exorzismus innerhalb der Briloner Stadtmauern.

Ort der Begegnung und des Dialogs

Der Erhalt dieser historischen Schriften ist für Carsten Schlömer „kulturelle Arbeit, die sich lohnt, und als Projekt nicht abgeschlossen werden kann.“ Die historische Bibliothek sieht er als „einen Ort der Begegnung und des Dialoges“. Der gebürtige Briloner und ehemalige Petriner Carsten Schlömer studiert Literaturwissenschaft und Geschichte in Paderborn. Mit „Fleiß, Akribie und Ausdauer“ hat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter maßgeblichen Anteil daran, dass dieser „lange verborgene Schatz“ nun im Haus Hövener präsentiert werden kann, lobte Gereon Fritz, ehemaliger Schulleiter des Briloner Petrinums.

Schlömer arbeitet bereits daran, die 5000 Medien nach und nach zu digitalisieren, damit sie der Öffentlichkeit auf diesem Weg zugänglich gemacht werden können, denn die Originale dürfen nur zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt werden. Fritz wünscht sich, dass „das Kennenlernen dieser historischen Bibliothek Eingang in das Schulprogramm des Petrinums“ findet. Für Lateinkurse sieht er es zudem als reizvolle Aufgabe, das in der Sammlung enthaltene Buch von Erasmus von Rotterdam ins Deutsche zu übersetzen.

Stiftungsvorsitzender Winfried Dickel betonte die herausragende Bedeutung der historischen Bibliothek auch für die Region, denn „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden hier verbunden.“

Zusätzlicher Veranstaltungsraum

Das vor vier Jahren eröffnete Haus Hövener, die „Schatztruhe am Briloner Marktplatz“, ist seiner Meinung nach „durch die Bibliothek noch wertvoller geworden.“ Die neue Bibliothek kann in Zukunft zusätzlich als Veranstaltungs- und Seminarraum mit einer Kapazität von 12 Personen genutzt werden. Eine dort installierte Medienstation ermöglicht zudem computergestütztes Arbeiten.

Im Namen von Stadtrat und Verwaltung sprach Bürgermeister Dr. Bartsch Dank und Anerkennung für dieses Projekt aus, das in einer Zeit von zehn Monaten realisiert wurde und dessen „historischen und wissenschaftlichen Wert wir bislang nur erahnen können.“

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