Sauerländer Firma entwickelt "Akustikstuhl" für Konzertsaal

Die Firma Kusch & Co in Hallenberg hat einen speziellen Akustik-Stuhl entwickelt. Im Foto: Geschäftsführerin Riccarda Kusch.
Die Firma Kusch & Co in Hallenberg hat einen speziellen Akustik-Stuhl entwickelt. Im Foto: Geschäftsführerin Riccarda Kusch.
Foto: Kusch & Co.
Was wir bereits wissen
Eine Firma in Hallenberg entwickelt einen speziellen Stuhl für die Musikakademie Südwestfalen. Das kleine Akustikwunder findet großes Interesse.

Hallenberg / Bad Fredeburg.. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein ganz normaler Designer-Stapelsessel der gehobenen Kategorie. Doch das täuscht, denn das Innenleben von 2104-2 revolutioniert soeben die Kulturszene. Die Firma Kusch & Co. aus Hallenberg, Weltmarktführer im Bereich Flughafen-Wartezonen, hat den neuen Stuhl extra für das Musikbildungszentrum Südwestfalen in Bad Fredeburg entwickelt, das am Freitag eröffnet wird. Das Sitzmöbel ist speziell für Musiker entworfen worden und ein kleines Akustikwunder.

Orchester haben ein Problem. Wenn sie proben, ist der Konzertsaal meistens leer. Bei Aufführungen sind im Raum im Glücksfall jedoch alle Plätze besetzt – und die Mozart-Sinfonie klingt plötzlich ganz anders. Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften von Schallwellen zusammen. Diese brechen sich an allen Flächen des Raumes, in dem sie entstehen. In der Musik nennt man dies die sogenannte Raumantwort des Saales auf den Orchesterklang.

Suche nach dem optimalen Klang

Die optimale Konzertsaal-Akustik gilt nach wie vor als Mysterium. Seit Jahrhunderten versuchen Architekten und Physiker, Lösungen zu finden. Schon die alten Griechen brachten unter den Sitzen ihrer Theater Hohlräume an, in denen sich jeweils ein großes metallenes Becken befand, das mit Trommelfell bespannt war. So sollte der Ton verstärkt werden.

Schallabsorbierende Flächen sind dabei im Konzertsaal ausdrücklich unerwünscht – außer dem Publikum. Diesen physikalischen Konflikt hilft der Kusch-Akustikstuhl auszugleichen. Denn seine akustischen Eigenschaften sind gleich, ob man nun darauf sitzt oder nicht. Er imitiert also sozusagen in unbesetztem Zustand die Zuhörer. Der Dirigent erhält damit schon in den Proben einen Eindruck, wie die Musik tatsächlich klingen wird.

„Ein Düsseldorfer Akustikbüro hat den Stuhl geprüft. Die haben gesagt, dass sie noch keinen Stuhl mit so extrem guten Werten hatten. Die wollen ihn weiterempfehlen“, bilanziert Heiko Hesse stolz. Der Fachberater hat zusammen mit HSK-Kulturamtsleiter Georg Scheuerlein und Musikbildungszentrums-Geschäftsführer Uli Hoffmann das Anforderungsprofil für das Sitzmöbel erarbeitet.

„Wichtig ist, dass ein solcher Stuhl in unbesetztem Zustand keine harten Oberflächen hat“, erläutert Hesse. Daher ist der Stapelsessel mit einem luftdurchlässigen Stoff bezogen, und darunter wird ein spezielles Akustikvlies gespannt. Hesse: „Der Schall, der entsteht, muss vom Akustikvlies aufgefangen werden, damit er nicht zurückprallen kann.“

Integrierter Sitzkeil

Darüber hinaus verfügt 2104-2 über einen integrierten Sitzkeil. Dank dieser Neigung wird das Becken der Musiker automatisch aufgerichtet, dadurch hält man die Wirbelsäule gerade, und der Atem fließt leichter. Das ist nicht nur für Bläser von Vorteil. Jedes Instrument lässt sich bei gesunder Haltung besser spielen. Den Stuhl gibt es in zwei Größen, einmal für Erwachsene und einmal für Kinder.

Hifi-Möbel „In dieser Art hat es einen solchen Stuhl noch nicht gegeben“, beschreibt Heiko Hesse das Möbelstück, das so hervorragend ankommt, dass die Bayerische Musikakademie Marktoberdorf ebenfalls schon Interesse angemeldet hat.

Rund 14 Tage braucht man in Hallenberg, um ein neues Objekt zu entwerfen und herzustellen. Zwei Mitarbeiter in der Konstruktionsabteilung zeichnen die Pläne. Anschließend werden die Entwürfe in der Kalkulation durchgerechnet, danach geht es in die Fertigung. „Wir versuchen, alle Kundenwünsche zu erfüllen“, beschreibt Heiko Hesse das Erfolgsgeheimnis des international operierenden Sauerländer Unternehmens, das mit der Ausstattung von Wartezonen auf über 200 Flughäfen Weltmarktführer ist, aber auch Kirchen und Konzertsäle einrichtet. „Solche Spezialsegmente werden zunehmend wichtig“, unterstreicht Hesse. Der von Ricarda Kusch in dritter Generation geleitete Familienbetrieb setzt auf fachkundige, motivierte Mitarbeiter und lässt ihnen freie Hand. „Aber in diesem besonderen Fall bin ich doch mal zu Frau Kusch gegangen“, freut sich Hesse über die Entwicklung eines ganz neuen Produktes made im Sauerland.