Sägewerker sind auf dem Baum

Der Wald ist nur ein Aspekt, den die Biodiversitätsstrategie im Auge hat.
Der Wald ist nur ein Aspekt, den die Biodiversitätsstrategie im Auge hat.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Sägewerker im Sauerland befürchten, dass das Land Waldflächen stillegen möchte. Der Sprecher des Landesumweltministeriums dementiert.

Altkreis..  Das Wort ist ein Zungenbrecher und bringt die mittelständischen Sägewerker im Sauerland zurzeit auf den Baum: Biodiversitätsstudie bzw.- strategie. Dahinter verbirgt sich ein zentraler Punkt der NRW-Naturschutzpolitik. Vereinfacht gesagt, hat das Land damit ein Maßnahmen-Papier verfasst, um das Artensterben zu stoppen. Die Sägebetriebe reagieren hingegen mit Unverständnis auf die Pläne aus dem Hause Remmel. Nicht, weil sie etwas gegen Artenvielfalt hätten.

Aber nach ihrer Interpretation des 140-seitigen Strategiepapiers will das Land angeblich von seinen 120 000 Hektar Staatswald die Hälfte aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausnehmen. Das Land interpretiert die Studie in dem Punkt jedoch völlig anders. Die Sägebetriebe sind fassungslos. Denn der Rohstoff Holz ist seit Kyrill 2007 ohnehin schon knapp.

„Jedem, der sich mit der Lage in Südwestfalen auch nur halbwegs auskennt, ist klar, dass die Sägewerker hier im Land schwer zu kämpfen haben“, sagt Hans-Georg Pieper von der Initiative Holz und Arbeit NRW. Sein Betrieb in Olsberg-Assinghausen habe deswegen in den vergangenen Jahren bereits Personal abbauen müssen. Vielen anderen holzverarbeitenden Firmen gehe es ähnlich, weil Rundholz aus der Heimat zu knapp und damit zu teuer geworden sei. Immer mehr Betriebe sehen sich laut Initiative Holz und Arbeit gezwungen, den Bedarf durch Importe und Bezug aus entfernten Regionen zu decken.

„Stilllegung wäre Irrsinn“

Hans-Georg Pieper: „Unsere Forstwirtschaft arbeitet mit den weltweit höchsten ökologischen und sozialen Standards. Es ist Irrsinn, wenn die Landesregierung durch Stilllegung dazu beiträgt, dass eventuell künftig Holz aus Ländern mit deutlich geringeren Standards importiert werden muss.“

Die Säger befürchten sogar, dass die Flächen unwiederbringlich in eine Stiftung überführt und die Aktion von keiner kommenden Landesregierung mehr rückgängig gemacht werden könne. Der Beschluss der Stilllegung komme aus heiterem Himmel und sei bei vorausgehenden Beratungen auf Verbandsebene nie zur Sprache gekommen. Pieper. „Ich bin von der Politik und dieser Vorgehensweise enttäuscht.“ Denn der entscheidende Passus über das Naturerbe habe in dem Entwurf, der öffentlich gemacht und diskutiert worden sei, nicht gestanden. Der sei erst wieder in der Beschlussvorlage aufgetaucht und gebe Anlass dazu, vom schlimmsten Fall auszugehen. Pieper. „Das ist übelste Mogelei.“

„Redaktioneller Fehler“

Mit diesen Vorwürfen hat die WP gestern den Pressesprecher des Landesumweltministeriums, Frank Seidlitz, konfrontiert. „An keiner Stelle der Biodiversitätsstrategie ist von 60 000 Hektar Flächenstilllegung die Rede. Das stimmt so nicht. Der Staatswald ist verlässlicher Lieferant der Sägewerker.“ Bislang seien es jährlich rund 200 000 Festmeter Fichtenholz gewesen. „Daran wird sich auch nichts ändern; wer nicht liefert, sind die Privatwaldbesitzer“, kontert Seidlitz. Dass der Passus „Die Landesregierung beabsichtigt, die landeseigenen Naturschutzflächen in eine Naturerbe-Stiftung einzubringen“ nicht im Entwurf gestanden habe, sein ein „redaktioneller Fehler“ gewesen.

Der Passus sei aber nicht fremd und schon lange Bestandteil des Koalitionsvertrages. Es gehe überhaupt nicht darum, 60 000 Hektar Flächen still zu legen oder nicht mehr zu bewirtschaften. „Wie eine solche Stiftung aussehen könnte, soll mit allen Beteiligten – auch mit Waldbauern, Naturschützern und Sägewerkern – diskutiert werden.“

Doch da sind die Sägewerker skeptisch. Ein Flächen-Stilllegung und damit die Schaffung von mehr Wildnisflächen passe in das Düsseldorfer Konzept, auch den Baumbestand langfristig zugunsten von langsam wachsendem Laubwald zu verändern.