Rotmilan-Bestände erfreuen Windkraftbetreiber

Rotmilane und Windkraft - passt das zusammen?
Rotmilane und Windkraft - passt das zusammen?
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die Biologischen Station Paderborn-Senne hat die Rotmilan-Bestände in Windparks erfasst - mit interessantem Ergebnis.

Marsberg..  Die Paderborner Hochfläche ist ein landesweiter Vorkommens-Schwerpunkt des Rotmilans. Gleichzeitig findet hier ein rasanter Ausbau der Windkraft statt. Passt das zusammen?

Das wollten die Westfalenwind GmbH aus Lichtenau, die im Kreis Paderborn mehrere Windparks betreibt, und die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne, wissen. Deshalb beauftragte die Westfalenwind GmbH die Biologische Station mit einer mehrjährigen Kartierung zum Rotmilan-Vorkommen im Kreis Paderborn. Ziel ist es, die Datengrundlage über die hiesige Rotmilan-Population zu verbessern, um bei negativen Entwicklungen frühzeitig reagieren zu können.

„Aktuell liegt der Bestand des Rotmilans im Jahr 2014 nicht unter den Bestandsgrößen in den 2000er Jahren und in den 1980er Jahren“, so Peter Rüther, Leiter der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne. „Betrachtet man die letzten Jahre, gibt es ein Auf und Ab in der Bestandsentwicklung“, fährt er fort. „Für eine Aussage zu langfristigen Trends und zu den Ursachen für die Schwankungen müssen wir unsere Kartierungen über einen längeren Zeitraum fortführen.“

2014 guter Bruterfolg

„Im Laufe der letzten drei Jahre stieg die Rotmilan-Population erst an, um dann in diesem Jahr wieder abzusinken“, erläutert Karsten Schnell, Projektleiter und stellvertretender Geschäftsführer der Biologischen Station. „So wurden im Jahr 2010 66 Reviere als territoriale Saisonpopulation des Rotmilans im Kreis Paderborn ermittelt. In 2011 ging die Anzahl der Reviere auf 54 zurück, um dann in 2012 auf 78 und 2013 sogar auf 84 Reviere anzusteigen. In 2014 ging die Anzahl der Reviere dann wieder auf 65 zurück. In 2014 gab es aber dafür einen guten Bruterfolg mit durchschnittlich 2,2 flüggen Jungvögeln pro Horst gegenüber 1,3 Jungvögeln pro Horst in 2013 und 1,5 Jungvögeln pro Horst in 2012“, zählt er auf. „Grund hierfür kann das gute Nahrungsangebot in 2014 sein – es gab viele Mäuse. Demgegenüber gab es 2013 ungünstige Bedingungen durch ein kaltes Frühjahr mit Schnee bis in den März.“

In Bezug auf die Windkraft gibt es jedenfalls kein Meidungsverhalten des Rotmilans, da sind sich die Experten einig. So gab es in Schürenbusch, östlich von Fürstenberg Richtung Wohlbedacht einen neuen Horst, obwohl dort neue Windkraftanlagen entstanden sind. Außerdem beobachteten sie in Meerhof/Elisenhof im Sommer eine große Gruppe von bis zu 90 Rotmilanen, die sich dort in unmittelbarer Nähe der Windparks sammelten und auch übernachteten. „Wenn sich die Rotmilane trotz der erheblichen Anzahl von Windkraftanlagen in Meerhof mitten im Windpark treffen, um sich zu sammeln, und hier augenscheinlich keine Vögel umkommen, kann hier von einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko der Rotmilane durch die Windkraft nicht die Rede sein“, so Michael Flocke, Geschäftsführer der WestfalenWind GmbH und Geschäftsführer der Windpark Meerhof GmbH.

Kein Meidungsverhalten

Der Begriff „signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“ ist der Rechtsprechung entnommen und ist die Voraussetzung für das Vorliegen eines Verstoßes gegen das artenschutzrechtliche Tötungsverbot. Dieses müssen die Genehmigungsbehörden durchsetzen. In 2014 wurden im Kreis Paderborn im Zuge der Kartierung für diese Studie drei tote Rotmilane als Zufallsfunde entdeckt. In Borchen gab es ein vergiftetes Exemplar und zwei Rotmilane wurden unter ihrem Horst gefunden, die Todesursache blieb unklar. Vergiftung und direkte menschliche Verfolgung gelten nach wie vor als häufige Todesursache bei Rotmilanen.

„Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen in den letzten fünf Jahren haben keinen Anhaltspunkt dafür gegeben, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Windkraftausbau und einer Reduzierung der Rotmilan-Vorkommen gibt,“ resümieren Peter Rüther und Friedbert Agethen, Geschäftsführer WestfalenWind GmbH. „Auf der Paderborner Hochfläche – dem Hauptverbreitungsgebiet des Rotmilans im Kreis Paderborn – hat es in den Jahren 2012 und 2013 sogar eine Vergrößerung der Population gegeben, trotz Windkraftausbaus dort.“