Rolf-Rainer Gecks - Vom Fußball-Fachmann zum Kufen-Experten

Rolf-Rainer Gecks
Rolf-Rainer Gecks
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Rolf-Rainer Gecks, Sportreporter beim NDR-Hörfunk, ist seit 26 Jahren Bahnsprecher bei großen Wettkämpfen an der Winterberger Bobbahn.

Winterberg.. Schon 26 Jahre ist er der Bahnsprecher bei großen Wettkämpfen an der Winterberger Bobbahn. Und natürlich auch bei der WM 2015. Die Rede ist von Rolf-Rainer Gecks, Sportreporter seit 1988 beim NDR Hörfunk.

Der 56-Jährige, der mit Frau und Hund auf dem Land in Schleswig-Holstein lebt und „Natur pur“ genießt, wurde 2002 mit dem „Herbert-Zimmermann-Preis“ des Verbandes deutscher Sportjournalisten für die beste Hörfunkreportage Sport (WM-Finale Deutschland-Brasilien in Yokohama) und 2001 mit dem „Richard-Hartmann-Preis“ für langjährige, engagierte Berichterstattung Bob und Rodeln im Hörfunk ausgezeichnet. Bekannt ist er Fußballfreunden auch als die „Stimme des Nordens“ bei den Bundesliga-Konferenzen.

Frage: Kannst Du Dich noch an Deine erste Veranstaltung als Bahnsprecher erinnern?

Rolf-Rainer Gecks: Daran erinnere ich mich gut: Am Freitag, 13. November 1992, war Abschlusstraining, am Samstag, 14. November, dann das Rennen im „Sauerland-Cup“. Der fungierte gleichzeitig als Weltcup und hatte eine Besonderheit: Wolfgang Hoppe feierte an jenem Samstag seinen 35. Geburtstag. Der Doppel-Olympiasieger aus der Ex-DDR brachte seinen Apolda-Fan-Club mit, der an der Bahn ordentlich Rabatz machte und jeden Schritt, jede Fahrt von Hoppe stürmisch bejubelte. Für den Bahnsprecher gab es da natürlich viel zu erzählen ...

Ich erinnere mich aber auch, wie ich im Sprecherraum ganz schön ins Schwitzen kam, denn die durch das Reglement vorgegebenen Abläufe musste ich erst noch lernen: Aufruf zum Start - Kontrolle der Bahn - das Kommando „Start frei“ und dann das Rennen.

Und einige Male gab ich den Start zu früh frei - was mir kritische Blicke des Rennleiters Manfred Schulte einbrachte. „Na, ob der das wirklich kann?“

Wie bist Du als Fußball-Experte an den „Job“ gekommen?

Im Januar 1989 wurde ich plötzlich nach Winterberg entsandt – der seit Jahrzehnten an den Bobbahnen der Welt präsente Reporter Günter Isenbügel war erkrankt. Und da ich schon früher einmal Bob-Berichte von der Bahn am Königssee im Rundfunk gesendet hatte, musste ich nun ad hoc bei der Bob-EM für die Radio-Legende Isenbügel einspringen. So kam ich als Nordlicht und NDR- Reporter zu der Ehre und dem Vergnügen, aus Winterberg für den WDR und den gesamten ARD-Hörfunk zu berichten.

Was fasziniert Dich an dem Kufensport?

Nach diesen Anfangsjahren 90, 91, 92 bin ich ständig nach Winterberg gekommen – und heute ist es Heimat Nummer zwei für mich. Einige Jahre war ich wechselnd Radioreporter und Bahn-Sprecher, mit der Bob-WM 1995 praktisch nur noch Sprecher an der Bahn. Die Technik, die Präzision, die Kraft dieser Schlittensportler habe ich immer bewundert – und der Kampf gegen die Uhr macht jeden einzelnen Rennlauf zu einem großen Erlebnis.

Die unglaubliche Rasanz dieser Sportdisziplin habe ich immer versucht, gut zu übermitteln, obwohl sich mir, ehrlich gesagt, die Geheimnisse des Schlittenbaues und die „Bedeutung der kleinen Schraube links unter dem Sitz für den Sieg“ nie wirklich erschlossen haben.

Gab es besondere Höhepunkte in all den Jahren?

Ja natürlich. Die Bob-WM 1995 war zweifellos der größte Höhepunkt. Winterberg im Fokus des Weltsport-Interesses, der Auflauf der Prominenz bis hin zum Fürsten Albert von Monaco - das war ein Riesenereignis. Dazu die sensationell gute, ausgelassene Stimmung in der Stadt, den Waltenberg rauf und runter, im Festzelt, an der Bahn - selbst bei schlechtem Wetter. Das war großartig. Und man könnte noch einige Events aufzählen. Bei all diesen tollen Ereignissen herrschte eine wahnsinnige Stimmung an der Bahn - für mich, der ich zweimal Deutschland live in einem Fußball-WM-Finale gesehen habe - als Reporter 1990 in Rom und 2002 in Yokohama - waren die Highlights von Winterberg dem großen Fußball stets ebenbürtig.

Dein schönster Versprecher (soll ja vorkommen)?

Kein direkter Versprecher, doch eine Durchsage zum Schmunzeln: Die heutige Generalsekretärin der FIBT, Heike Größwang, war mit ihrem Vater Rudi, der die Bandenwerbung betrieb, bei einem Weltcup an der Bahn und wurde von ihm gesucht. Meine Ansage: „Hallo, liebe Heike Größwang, bitte geh an dein Handy, der Papa sucht dich.“ Sie war wohl umgeben von ihren Berchtesgadener Sportkameraden, die lachten und feixten. Und ich bin hinterher hin zu ihr und habe mich entschuldigt - das war mir furchtbar peinlich. Aber sie konnte drüber lachen und ich mittlerweile auch.

Welchen Stellenwert hat diese WM für Dich?

Einen ganz, ganz hohen. Rein sportlich gesehen haben die deutschen Bobs die Chance, nach ihren katastrophalen Rennen bei Olympia 2014 in Sochi für Rehabilitierung zu sorgen. Die Weltcup-Resultate des Winters lassen ja doch einiges erhoffen. Dann erwarte ich sportlich absolut saubere Konkurrenzen, die auf einer mittlerweile großartigen Bahn stattfinden. Die ganzen Baumaßnahmen in der Betonschlange selbst, aber auch im Zielhaus und in den Starthäusern haben Weltmeisterschaftsniveau. Wie überhaupt die Entwicklung Winterbergs zu einer Wintersport-Metropole einem das Staunen ins Gesicht zaubert.

Und zum WM-Schluss gibt es noch einen Höhepunkt. Welchen?

Nach dem Finale am 8. März folgt der Nordlichter-Schlusspunkt, denn die Männer meines Vereins, des Bobclubs Kiel von 1990, wollen, wenn Winterberg sich schon auf die große Schlussfeier einer hoffentlich grandiosen Bob-Weltmeisterschaft torbereitet, ihre Schleswig-Holsteinische Landesmeisterschaft ausfahren. Man sieht, mit dem großen Sport hat es in Winterberg nie ein Ende