Reinhold Knippschilds Kampf für die Tochter
18.02.2010 | 17:35 Uhr 2010-02-18T17:35:00+0100Rixen. Ein Haus für die behinderte Tochter. Das wünscht sich Reinhold Knippschild aus Rixen und will neu bauen. Um ein geeignetes Grundstück ist ein harter Kampf entstanden.
Tochter Daniela (23) von Reinhold Knippschild aus Rixen ist behindert, gleich mehrfach. Neben einem Downsyndrom plagt sie auch noch ein irreversibler Herzfehler. Die kleinste Anstrengung kann zum sofortigen Tod führen. Und damit das nicht passiert, kämpft ihr Vater Reinhold Knippschild in Rixen, An der Horst, wie ein Löwe. Denn Daniela soll auch noch leben können, wenn die Eltern mal nicht mehr sind. Jedenfalls wünschen sich das alle so sehr.
„Das ist aber nur in einem Umfeld verbunden, mit dem das Kind auch zurecht kommt. Dazu muss unser Haus eine ebenerdige Wohnung bieten. Treppensteigen bedeutet für unsere Tochter den Tod. Meine Frau und ich werden immer älter. Wir können sie nicht bis zum St.-Nimmerleinstag die Stufen hochschleppen”, sagt Reinhold Knippschild.
Ideales Grundstück
Deswegen hat er schon zum x-ten Male beim Briloner Bauamt vorgesprochen, um auf der gegenüberligenden Straßenseite ein neues Haus zu bauen, das den Anforderungen Danielas entsprechen würde. Die Parzelle gehört einer 75-jährigen Dame aus Rüthen. Sie würde nach Knippschilds Darstellung ihm das Grundstück quasi „für'n Appel und en Ei” überlassen, da sie selber den Grund und Boden nicht benötige. Das Gebiet sei erschlossen und liege günstig, um seinem Kind einigermaßen die Selbstständigkeit soweit wie möglich - auch längerfristig - sicherzustellen.
Das Bauamt aber signalisiere: „ist nicht”. Denn An der Horst liege im Außenbereich. Und um eine Zersiedelung zwischen Innen- und Außenbereich zu vermeiden, soll an der besagten Stelle nicht gebaut werden.
Problemlage
Stadtbaurat Johannes Nolte weiß um die schön länger schwelende Misere Bescheid. Das Baugesetzbuch weise im § 34 genau auf die Problemlage zwischen Außen- und Innenbereich hin. Es werde hier eine strenge Abgrenzung zwischen beiden gefordert, und es werde eine Auflösung dieser Grenzen mit Neubebauung nicht zugelassen. Diese Abgrenzung habe der RP bereits 1998 von der Stadt Brilon gefordert.
„Der Flächennutzungsplan der Stadt muss mit dem Landesplan in Einklang stehen; und deswegen halte ich eine Bebauung an besagter Stelle für ausgeschlossen”, sagte Nolte im Gespräch mit der Westfalenpost. Außerdem sei es seiner Meinung und auch seiner Behörde nach möglich, für das kranke Kind das jetzige Elterhaus so um- oder in den Garten anzubauen, dass Forderungen nach Eigenständigkeit einer Behinderten im Großen und Ganzen umzusetzen wären.
Aus dem Quark kommen
Knippschild sieht genau dieses anders. Nolte und auch BM Schrewe würden eh nur „das nachplappern”, was der 1. Beigeordnete Sommer vorgebe. Vielmehr habe sein Architekt Heinz Pack eine Entkernung des Gebäudes vorgeschlagen. Der Anbau in den Garten sei wegen des Höhenversatzes so nicht realisierbar. „Drei Meter hohe Aufschüttung, Stützwände, Mehrfachfundamente und Betonbodenplatte allein kosten mich dann rd. 65.000 Euro”, sagt Knippschild, „unmöglich. Das kann ich nicht finanzieren.”
Wenn sich das Bauamt und die Stadt Brilon aber nicht bewegen und nicht aus dem Quark kommen, werde er Rixen verlassen. Sein Haus verkaufe er dann an einen Investor, der schon jetzt Interesse signalisiert habe. Und das sei der NRW-Landesverband der NPD. Das wäre für Knippschild ein Weg, wenn auch nicht der beste, andernorts neu zu beginnen.
Strafantrag gestellt
Bürgermeister Franz Schrewe bleibt aufgrund der Causa Rixen gelassen. Er sei von Knippschild zum wiederholten Male beleidigt worden. Daraufhin habe er Strafantrag gestellt. Schrewe: „Wir haben immer versucht, ihm zu helfen, aber es nützte nichts. Er will unbedingt die Baugenehmigung für das Grundstück gegenüber. Aber die bekommt er von mir nicht. Soll er den Antrag doch stellen! Ich werde dahingehend gar nichts unterschreiben. Und was die NPD betrifft, kann ich nur lachen: Eine Nutzungsänderung für ein Schulungszentrum in einem 450-Seelen-Dorf zu verweigern, dürfte keine große Anstrengung sein.”
Knippschild bejaht die Angriffe auf Schrewe. „Ich habe ihm angedroht, ihn vor mir her durch die Stadt zu treiben und habe in meiner Wut auch gesagt, dass Bauen im Naturschutzgebiet oder auf Bergschäden offenbar in Brilon kein Problem ist und dass man möglicherweise für Schmiergeldzahlungen die Hände aufgehalten habe. Der Strafbefehl wurde nach § 153a bei Zahlung von 200 Euro eingestellt.”
Bauplätze am Ortseingang
Übrigens: Der Petitionsausschuss hat sich ebenfalls mit dem Thema befasst. Er hat den Neubau im Garten empfohlen.
Knippschild resümiert und verweist auf zwei Bauplätze am Ortseingang: „In Rixen scheint es offensichtlich leichter zu sein, neue Bauplätze mit Steuergeldern zu erschließen und sogar noch den Kanal tiefer zu legen als kostenneutral einen Bebauungsplan zu erweitern, um einem behinderten Kind für den Rest seiner Tage eine Zukunft zu geben. Jeder Briloner kann erkennen, warum die städtischen Finanzen desolat sind. Ich jedenfalls werde für meine Tochter und für ihre verbleibende Lebenszeit bis zum Letzten kämpfen.”
11:43
Wenn frustrierten Häuslebauern nichts mehr einfällt, droht man halt mit der NPD. Wie dumm uns einfältig ist das denn? Als wenn die NPD ein Interesse an einer Immobilie in Pusemuckel hätte. Peinlich, peinlich...