Prozess um Totschlag von Niedersfeld startet mit Geständnis

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger vor dem Landgericht Arnsberg. Der Prozess startete unter großen Sicherheitsauflagen.
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger vor dem Landgericht Arnsberg. Der Prozess startete unter großen Sicherheitsauflagen.
Foto: dpa
"Ich habe ihn umgebracht. Er war ein Ungläubiger": Mit diesem Geständnis hat der Prozess um den Tod eines Mannes in Winterberg-Niedersfeld begonnen.

Arnsberg/Niedersfeld/Iserlohn.. Vor dem Landgericht Arnsberg hat am Donnerstag um 9 Uhr der Prozess gegen einen 27 Jahre alten Mann aus Iserlohn begonnen, dem vorgeworfen wird, im September 2015 einen Mann (56) in Niedersfeld bei Winterberg erschlagen zu haben. Der Prozess startet spektakulär.

Vier Justizbeamte mit vermummten Gesicht und Helm führen den Angeklagten in den Saal. Der 27-Jährige ist an Händen und Füßen gefesselt. „Ich habe ihn umgebracht. Er war ein Ungläubiger“, sagt er mit ruhiger Stimme und murmelt auf arabisch vor sich hin. „Ich habe ihn auf Allahs Weg getötet“, sagt er noch.

Es ist laut Staatsanwalt Klaus Neulken das erste Mal, dass der Angeklagte sich zu der Tat äußert. Dass er einen islamistischen Hintergrund vorgibt, überrascht alle im Saal. Ob es sich tatsächlich um ein Verbrechen mit islamistischem Motiv handelt, bleibt nach dem ersten Verhandlungstag offen. Bislang habe es laut Neulken keine Anhaltspunkte gegeben, die darauf hindeuten. Der Tatverdächtige sitzt seit knapp sechs Monaten in U-Haft und hatte bisher geschwiegen.

Angeklagter wirkt verwirrt

Nach 15 Minuten unterbricht Richter Teipel auf Antrag von Verteidiger Marco Ostmeyer die Verhandlung. Mit Staatsanwaltschaft und Gericht will er die Verhandlungsfähigkeit des gebürtigen Iserlohners diskutieren, der einen verwirrten Eindruck hinterlässt.

Gericht Ein psychiatrischer Gutachter ist für die kommenden Prozesstage geladen. Sein Gutachten soll darüber Aufschluss geben, wie die Schuldfähigkeit des Mannes bewertet werden kann. Nach der Verlesung der Anklageschrift wird die Verhandlung unterbrochen. Fortsetzung ist am 30. März.

Gericht verzichtete auf angekündigten Spuckschutz

Das Verbrechen hatte die Menschen im Sauerland geschockt. Das 56 Jahre alte Opfer aus Niedersfeld war am Morgen des 23. September tot in seinem Garten gefunden worden. Mit mindestens sechs Schlägen auf den Kopf soll der Angeklagte ihn getötet haben. Das Opfer erlitt einen offenen Schädelbruch und ein Schädelhirntrauma, woran er verstarb.

Gericht Die Staatsanwaltschaft klagt darüber hinaus weitere Delikte an. Unter anderem wird dem Angeklagten vorgeworfen bei seiner Festnahme drei Polizisten verletzt und in der JVA mehrere Beamte mit Fausthieben traktiert zu haben.

Auf den angekündigten Spuckschutz verzichtete das Gericht. Laut eines Gerichtssprechers hatte der 27-Jährige in den letzten Wochen sein Verhalten in Haft gebessert.