Pettersson und Findus mal einen wischen

Tablets haben in der Kinderabteilung der Stadtbibliothek Brilon Einzug gehalten. Hier erklärt Steffi Henke Julius Osthoff (7) die Technik, rechts sein Bruder Jannik (10).
Tablets haben in der Kinderabteilung der Stadtbibliothek Brilon Einzug gehalten. Hier erklärt Steffi Henke Julius Osthoff (7) die Technik, rechts sein Bruder Jannik (10).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Leseverhalten der Kinder ändert sich rasend schnell. Büchereien verstehen sich inzwischen als Vermittler von Lese- und Medienkompetenz.

Brilon..  Kaum von den Eltern sauber gewischt, da wischen sie schon selbst - und zwar auf dem Tablet. Das Leseverhalten von kleinen Kindern hat sich rasant und elementar geändert. Das spüren auch die heimischen Bibliotheken, die nicht nur auf diesen Prozess reagieren, sondern selbst aktiv werden. Leseförderung zum Beispiel über Lesepaten, eigens gepackte Themenkisten oder Büchereiführerscheine sind z.B. in Brilon und Olsberg längst Standard. „Wir arbeiten nicht nur an der Leseförderung, sondern inzwischen auch vermehrt an der Medienerziehung“, sagt die Leiterin der Stadtbibliothek Brilon, Ute Hachmann.

2003 entwickelten die Briloner die sogenannte Leselatte. Alle Eltern, deren Kind im Maria-Hilf- Krankenhaus geboren wird, bekommen beim ersten Nachwuchs dieses Maßband. Ein Dreijähriger sollte demnach z.B. das Vorlesen als Abendritual kennenlernen, weil das die Sprachförderung beflügelt. Mittlerweile hat die Leselatte einen Bruder bekommen: das Medienmeter. Dort ist für den Dreijährigen vermerkt, dass eine halbe Stunde Fernsehen in kleine Häppchen aufgeteilt durchaus gut verdaulich sein kann.

Mit Renovierung der Kinderbuch-Abteilung in Brilon haben dort auch Tablets Einzug gehalten, mit denen Kinder ihre Bücher als App anschauen können. Wo Pettersson und Findus früher „nur“ im Bilderbuch zu sehen waren, hüsteln hier und da plötzlich kleine Mäuse oder wuseln andere Tiere virtuell über das Display.

Intuitives Handling

Und schon die Dreijährigen können nahezu intuitiv über die Geräteoberfläche wischen. „Für unterwegs im Urlaub oder beim Arzt im Wartezimmer sind Tabletts sicherlich eine gute Alternative. Ich persönlich glaube, dass das klassische Blättern im Buch mit mehr Ruhe passiert und dass mehr hängen bleibt. Aber nebeneinander hat beides seine Daseinsberechtigung“, so Ute Hachmann. Aber selbst das gute, alte Bilderbuchkino besteht nicht mehr aus abfotografierten Buchseiten, sondern ist eine animierte Schau.

Dass Medien im Alltag von Kindern eine immer größere Rolle spielen hat eine aktuelle Studie ergeben. 44 Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen sehen jeden Tag fern und 43 Prozent beschäftigen sich täglich mit einem Buch. Das Medium Buch bleibt für die Zwei- bis Dreijährigen unverzichtbar; für die Vier- bis Fünfjährigen gewinnt aber das Fernsehen mehr und mehr an Bedeutung. Bei den Zwei- bis Fünfjährigen haben schon 15 Prozent der Kinder erste PC-Erfahrungen und nutzen Tablets; sieben Prozent gehen ins Internet.

Ute Hachmann: „Als wir die Leselatte 2003 einführten, hat niemand an ein Medienmeter gedacht. Und selbst das müssen wir jetzt schon überarbeiten und das Thema ,Handy’ einbauen.