Personalnot an den Krankenhäusern

In einer Protestaktion machten Angestellte des Briloner Krankenhauses auf die Personalnot an deutschen
In einer Protestaktion machten Angestellte des Briloner Krankenhauses auf die Personalnot an deutschen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Auch Angestellte des Briloner Krankenhauses Maria Hilf prostestierten gestern gegen die Personalnot an deutschen Krankenhäusern.

Brilon..  So viele Menschen hat das Foyer des Briloner Krankenhauses lange nicht mehr gesehen. Weiße Kittel mit Protestbuttons, wohin das Auge schaut. Erst sind es zehn, dann 20 Personen. Und nach dem Schichtwechsel gegen 12.30 Uhr hört Thorsten Rudolf, Betriebsratsvorsitzender im Maria-Hilf, auf zu zählen. Die Nummernkarten, die die Angestellten symbolisch für jeden einzelnen fehlenden Arbeitsplatz in Krankenhäusern - in Brilon sind es laut Verdi-Erhebung 58 - wenig später im Eingangsbereich des Hospitals hochhalten, sind längst vergeben. „Ziel erreicht“, stellen Thorsten Rudolf und Oliver Bertels, Gewerkschaftssekretär vom Verdi-Bezirk Hellweg-Hochsauerland, zufrieden fest.

Auch Personalleiter dabei

Mitten unter den Protestlern, die damit auf die dramatische Personalnot in den Krankenhäusern aufmerksam machen wollen, sind auch vier Ärzte, und von der Geschäftsführung Personalchef Ludger Weber. „Ich habe die Aktion von Anfang an unterstützt und halte sie für sehr wichtig“, so Weber Rudolf nickt anerkennend. Auch Bertels hat da schon ganz andere Situationen mit Arbeitgebern erlebt. „Vom Küchenangestellten über EDV-Mitarbeiter, Pflegepersonal aus allen Schichten bis zu Schülern der Kranken- und Pflegeschule ist hier alles vertreten. Auch die Patienten sind von uns informiert worden und haben die Buttons mit der Aufschrift „Mehr von uns ist besser für alle“ überreicht bekommen“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende. Nach nur 15 Minuten ist der Protest beendet. Friedlich geht es wieder an den Arbeitsplatz, die Fahnen werden eingerollt.

Laut Bertels haben gestern aus dem heimischen Verdi-Bezirk noch die LWL-Klinik Lippstadt und das Klinikum der Stadt Soest am Protest teilgenommen. Es geht um 162 000 Beschäftigte, darunter 70 000 in der Pflege, die bundesweit in Krankenhäusern fehlen.

Mit der Aktion machen die Beschäftigten ihrer Enttäuschung über den Gesetzentwurf zur Krankenhausreform Luft, den die Bundesregierung am 11. Juni veröffentlicht hat. „Die Regierung kennt die dramatischen Auswirkungen der Personalnot für Patienten, doch sie handelt nicht“, so Bertels Verdi-Kollege Wolfgang Schlenke. „Wir sind entsetzt, dass sie die Gefährdung von Patienten wissentlich in Kauf nimmt.“

Nachtdienstcheck

Ein Pflegeförderprogramm für 1 bis 3,5 Pflegestellen pro Krankenhaus bringe den Patienten niemals die dringend notwendige Verbesserung der Versorgung. Bei einem Nachtdienstcheck der Gewerkschaft in über 200 Krankenhäusern im März 2015 haben laut Verdi 59 Prozent der Pflegefachkräfte angegeben, dass es in ihrem Nachtdienst in den letzten vier Wochen eine gefährliche Situation für Patienten gegeben habe, die bei ausreichend Personal vermeidbar gewesen wäre.