Olsberg-Elpe entgeht nur ganz knapp einer Katastrophe

Die Einschlagstelle des Flugzeugs: Am Montag ist in Elpe bei Olsberg ein mit zwei Personen besetzter Learjet nach einem Zusammenstoß mit einem Eurofighter der Luftwaffe abgestürzt.
Die Einschlagstelle des Flugzeugs: Am Montag ist in Elpe bei Olsberg ein mit zwei Personen besetzter Learjet nach einem Zusammenstoß mit einem Eurofighter der Luftwaffe abgestürzt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Es soll ein Manöver der Luftwaffe gewesen sein, es endete tragisch: Eine beteiligte Zivilmaschine wird von einem Kampfjet touchiert und stürzt ab. Ein Mensch stirbt, ein zweiter wird vermisst. Elpe entgeht nur knapp einer Katastrophe.

Elpe.. Zwei Flugzeuge sind am Montagnachmittag über Elpe zusammengestoßen. Bis zum Abend hatten die Rettungskräfte Teile einer Leiche gefunden. Die Suche nach der zweiten Person aus der Maschine dauerte noch an. Wrackteile und Triebwerk des privaten Learjets flogen mehrere Kilometer weit. Das 700-Seelen-Dorf ist nur knapp einer Katastrophe entgangen. Das Unglück soll im Rahmen einer Luftwaffen-Übung passiert sein. Zwei weitere Kampfjets sollen an dem Manöver beteiligt gewesen sein. Sie landeten sicher in der Nähe von Köln.

Es ist 14.35 Uhr, als der Landschaftsgärtnermeister Markus Biene bei der Arbeit die beiden Flugzeuge am Himmel sieht. „Zwei direkt hintereinander. Und auf einmal verschwinden sie in den Wolken. Dann gibt’s einen Knall. Ich denke, so schnell waren die doch gar nicht. Das war keine Schallgeschwindigkeit. Die sind bestimmt zusammengestoßen. Sofort hab ich die 112 gewählt, da sehe ich auch schon den riesigen Rauchpilz in der Luft. Pfeilförmig geht das Ding nach unten. Da habe ich gerufen: ,Der stürzt ab!`“ Wenige Kilometer entfernt in Siedlinghausen hat die Ehefrau des Landschaftsgärtners „nur noch einen lauten Knall gehört“ und ist vor Schreck in die Hocke gegangen. „Ich habe in Bödefeld Holz gemacht und trotz Motorsäge den Knall gehört“, berichtet ein Passant, der extra nach Elpe gefahren ist.

Der steile Hang „Am krummen Auwer“ ist mit zig rot-weißen Absperrkegeln gepflastert. Jede Pylone steht für ein Stück Flugzeug - und für ein Stück Mensch. Alles ist abgesperrt. Dort kommt niemand hin. Viele Schaulustige versuchen von einem Bachufer aus einen Blick auf den steilen Hang zu werfen, der einen großen, eineinhalb Meter tiefen Krater hat. In der Luft kreisen immer wieder Helikopter der Bundeswehr. Sie suchen. Am Boden stehen zwei gelbe ADAC-Rettungshubschrauber. Doch sie werden vermutlich leer zurückfliegen….

Noch Glück im Unglück

„Der Jet war eine Privatmaschine. Es gab keine technische Ausstiegsmöglichkeit, keinen Schleudersitz. Der Fallschirm, den man bei Altenfeld gefunden hat, muss ein Bremsfallschirm von einem der beteiligten Militärflugzeuge sind“, sagt Martin Rickert. Der 59-jährige Kreisbrandmeister ist mit 54 Kameraden und 12 Einsatzwagen in Elpe. Zwei Hubschrauber, 15 Leute vom Rettungsdienst, vier Krankenwagen und zahlreiche Polizisten sind dort. Fünf Mitarbeiter leisten den Helfern psychosoziale Unterstützung.

Der Informationsfluss für die zahlreichen Medienvertreter ist zäh. Der Hochsauerlandkreis macht kurzfristig eine improvisierte Pressekonferenz im Elper Kindergarten. Vertreter der Bundeswehr sind nicht dabei. Niemand kann oder will bestätigen, dass das Unglück durch ein Manöver passiert ist. Der Kreis wird offenbar über solche Luft-Aktionen nicht informiert. „Ich kann nur sagen: Glück im Unglück. Hier hätte noch viel Schlimmeres passieren können“, sagt Landrat Dr. Karl Schneider, der das umsichtige und schnelle Handeln der Rettungskräfte lobt.

Immer noch kreisen Hubschrauber über Elpe, das es auf diese Art in die Hauptnachrichten schafft. Kein Grund zur Freude.