Ohne Schneekanonen keine Skisaison

Schneekanonen sorgten in den vergangenen Wochen für gute Skibedingungen auf den heimischen Pisten.
Schneekanonen sorgten in den vergangenen Wochen für gute Skibedingungen auf den heimischen Pisten.
Foto: Kräling WP
Was wir bereits wissen
Auch im Monat Dezember ruhten in den heimischen Skigebieten große Hoffnungen auf den Schneekanonen.

Winterberg..  Schneesicherheit, ein Zauberwort in Zeiten des Klimawandels. Vor allem Mittelgebirgsregionen stöhnen über schneearme Winter, die nicht selten mit existenziellen Problemen für Skiliftbetreiber und Beherbergungsbetriebe einhergehen. Auch im Dezember sah es in der Region zunächst nicht nach Naturschnee aus. So ruhten erneut alle Hoffnungen auf den Schneekanonen, die allerdings nur bei kühlen Temperaturen produzieren.

Für Abhilfe könnte in Zukunft eine Technologie sorgen, die bereits in bekannten Skigebieten in Österreich, der Schweiz und auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi Anwendung fanden: Der so genannte „All Weather Snowmaker“. In Winterberg soll er im kleineren Rahmen punktuell bzw. als Ergänzung ebenfalls eingesetzt werden.

Auch die Beschneiungsanlage Snowfactory von TechnoAlpin kann unabhängig von der Außentemperatur arbeiten. Sie wurde bereits im November im Skigebiet Ruhrquelle installiert und getestet und ist die einzige Anlage ihrer Art in ganz Europa.

Das an der Ruhrquelle eingesetzte Modell soll 230 Kubikmeter Schnee pro Tag erzeugen. Doch die Hauptarbeit verrichten, sofern es nicht schneit, nach wie vor herkömmliche Schneekanonen.

In den 90er Jahren sammelten die heimischen Liftbetreiber erste Erfahrungen mit industriell hergestellten Schnee-Erzeugern. Die erste, durch einen professionellen Hersteller vertriebene Schneekanone der Wintersport-Arena Sauerland stand im Winter 1994/1995 im Skigebiet Ruhrquelle. Aufgrund der damals noch deutlich geringeren Effizienz kamen sie zunächst nur beim Beschneien von Liftspuren oder punktuell an Stellen mit sehr dünner Schneeauflage zum Einsatz.

Pilotprojekt auf Masterplan-Basis

Anfang des Jahrtausends, auf der Basis des Masterplans, begann die Beschneiung mittels leistungsstarker Anlagen in größerem Umfang mit dem Pilotprojet 2002 in Neuastenberg, das bewies, dass Skibetrieb mit Unterstützung durch technische Beschneiung auf wirtschaftlicher Basis nicht nur in den Alpen, sondern auch im Mittelgebirge möglich ist. Dabei setzten und setzen die Liftbetreiber auf zwei unterschiedliche Systeme, die energiesparenden Niederdruck-Propellerkanonen sowie Schneelanzen, die noch weniger Energie benötigen.

Der Masterplan Wintersport-Arena leitete eine Entwicklung hin zur bedeutendsten Wintersportregion nördlich der Alpen ein. Dabei bewiesen die Liftbetreiber im Sauerland Innovationsgeist und Mut zu Investitionen. Innerhalb von elf Jahren investierten sie rund 95 Millionen Euro in den direkten Wintersport, Folgeinvestitionen artverwandter Branchen noch nicht mit eingerechnet.

Ein Großteil davon entfiel auf die Steigerung der Schneesicherheit. Die Förderungen des Landes NRW beliefen sich auf eine Gesamthöhe von 4,3 Millionen Euro.

Kanonen laufen Tag und Nacht

Doch zurück zum Dezember: Anfang des Monats war es endlich soweit. Bei kühlen Temperaturen liefen die Schneekanonen tagelang und sorgten flächendeckend für weiße Pisten in Winterberg und Willingen. Die ersten Lifte konnten bereits in Betrieb genommen werden. Doch richtig winterlich wurde es erst in der zweiten Hälfte der Weihnachtsferien. Naturschnee gesellte sich zum Kunstschnee und die Pisten waren voll mit schneehungrigen Urlaubern.

Da hatte auch die Postwiesen-Liftgesellschaft in Neuastenberg endlich Grund zur Freude. Sie hatte bereits Mitte 2013 in einen neuen Vierer-Sessellift für 2,5 Mio. Euro investiert. Die neue Panoramabahn ist 575 Meter lang, befördert bis zu 2400 Personen pro Stunde, deckt den kompletten Osthang ab und ersetzt zwei 40 Jahre alte Schlepplifte. Vom Einstieg bis ins Tal hinunter stehen den Gästen 1000 Pistenmeter mit vier Pistenvarianten zur Verfügung in den Kategorien leicht bis schwer.

Lift war nur 25 Tage im Einsatz

„Doch im Winter 2013 konnte der Sessellift nur 25 Tage in Betrieb genommen werden“, so Meinolf Pape von der Liftgesellschaft. Normal wären 60 bis 70 Tage gewesen. Der Einstieg in diesen Winter ist wesentlich besser. „Die Ferien waren so schneereich wie schon seit vier Jahren nicht mehr. Heutzutage ist die Weihnachtssaison nicht mehr wegzudenken“, so Pape. Da geht es auch um die Abbezahlung des neuen Liftes. 20 Jahre sind eingeplant. Ein, zwei schlechte Winter kann man durchaus mal überbrücken, aber nicht durchgehend. So setzt man nicht nur in Neuastenberg große Hoffnungen in diese Saison.

„Der Markt ist einem kontinuierlichen Wandel unterworfen. Die Gäste werden anspruchsvoller. Neuastenberg hat vor diesem Hintergrund die richtige Entscheidung getroffen“, lobt Tourismusdirektor Michael Beckmann das Engagement des Skidorfes.