Noch eine starke Frau neben der „Päpstin“ in Hallenberg

Szene aus dem Musical "Eingefädelt".
Szene aus dem Musical "Eingefädelt".
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit dem Musical „Eingefädelt“ hat Regisseurin Birgit Simmler in Biedenkopf den Grundstein für die Schlossfestspiele gelegt. Jetzt kommt das Stück auch für ein Gastspiel auf die Hallenberger Freilichtbühne.

Hallenberg. . Noch stiehlt der „Herr der Diebe“ im Hallenberger Venedig. Und „Die Päpstin“ kämpft in Rom um Emanzipation und Selbstbestimmung. Aber mitten in der Schlussphase der Freilichtbühnensaison steht am 4. September ein weiteres Stück auf dem Programm. Ein einmaliges Gastspiel. „Eingefädelt“ hat es Birgit Simmler, die seit 2007 im Hallenberger Theater die Regie-Fäden führt. „Eingefädelt“ heißt das Musical auch, das die 42-Jährige geschrieben und inszeniert hat. 2013 lief das Stück mehrmals vor ausverkauftem Haus im Hof des Landgrafenschlosses Biedenkopf, wo Simmler als Kulturreferentin arbeitet. Nun geht es auf kleine Tournee nach Hallenberg und Herdringen.

Beide Stücke haben erstaunlich viele Parallelen und Berührungspunkte: Mit der fiktiven Geschichte „Die Päpstin“ bricht Birgit Simmler eine Lanze für alle starken Frauen, die sich gegen Vorurteile, gesellschaftliche Rollenklischees und Fanatismus zu Wort melden. Ähnlich wie der Päpstin Johanna ergeht es der Protagonistin in „Eingefädelt“ einige Jahrhunderte später. Auch die Webersfrau Katha erlebt Gewalt und Unrecht; sie sucht einen Platz, wo sie im Leben bestehen kann. Auf der Flucht vor der Vergangenheit wird sie zur zentralen Gestalt in einem abenteuerlichen Plot zur Befreiung des politischen Vordenkers der Reformation, Philipp des Großmütigen.

„Als ich so auf das Schloss in Biedenkopf blickte, habe ich mir gedacht: Hier gehört Kultur hin“, sagt die Regisseurin. Den Floh von regelmäßigen Schloss-Festspielen in Biedenkopf züchtete sie erfolgreich bei ihrem Dienstherren im Rathaus, so dass sich die 42-Jährige ans Recherchieren, Schreiben und Inszenieren begeben konnte. Kenner der Hallenberger Bühne werden bei „Eingefädelt“ auf bekannte Namen treffen:

Viele alte Bekannte

Die Musik stammt aus der Feder von Paul Graham Brown. Der Engländer war im vergangenen Jahr für die Einstudierung der Solo-Partien in „Anatevka“ zuständig und kitzelte Unglaubliches aus den Hallenbergern heraus. Wenn in „Eingefädelt“ der Degen gezückt wird, dann hat Kampf-Choreograph Prof. Claus Großer aus Leipzig die Finger im Spiel. Er machte die Hallenberger schon bei „Les Misérables“ oder bei „Cyrano“ zu kampferprobten Akteuren und wird wohl auch 2015 in Hallenberg die Stunts einstudieren. Und in Sachen Choreographie hat Simmler den Amerikaner Tim Zimmermann 2013 für Hallenberg und Biedenkopf ins Boot geholt.

All das sind sinnvoll genutzte Synergien. „Das war für alle Seiten eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die sich gelohnt hat“, sagt Birgit Simmler. Anders als bei den Freilichtbühnen, an denen alle Akteure ehrenamtlich und unentgeltlich arbeiten, hat sie bei „Eingefädelt“ die Hauptrollen mit Profis und regionalen Talenten besetzt. Die Amateure proben schwerpunktmäßig über mehrere Wochenenden, die Profis wochenlang am Stück – ein deutschlandweit recht ungewöhnlicher, aber erfolgreicher Ansatz. Die Hauptrolle spielt z.B. Yana Gercke, die 2012 beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest den dritten Platz belegte und zurzeit Medizin studiert. Mit dabei ist aber auch der Wiener Schauspieler Markus Pol, der im Musical „Elisabeth“ mitspielte.

Kreis schließt sich

Um Birgit Simmler hat sich eine kleine Gruppe von Nachwuchstalenten geschart, denen die Regisseurin auf die künstlerischen Sprünge hilft. Einer von ihnen ist wiederum der Hallenberger Lukas Schöttler, der in „Die Päpstin“ den Gerold spielt und bei der Wiederaufnahme von „Eingefädelt“ die Rolle eines gewalttätigen Ehemanns übernimmt. Nach zwei intensiven Szenen wird er auf der Bühne umgebracht - ein auffallender Kontrast zum liebenswürdigen Gerold.

Und so schließt sich der Kreis von Hallenberg nach Biedenkopf und zurück. Im kommenden Jahr wird Birgit Simmler vermutlich mit ihrem Mann Regie in Hallenberg führen. In enger Wahl sind die „Drei Musketiere“. Parallel dazu wird sie an der nächsten Inszenierung für Biedenkopf arbeiten. Alle zwei Jahre soll es dort ein neues Stück geben. „Der Postraub“ wird es heißen, Musik: Paul Graham Brown. Aber bis dahin haben erst noch einige Päpstinnen, Diebe und „Einfädler“ das Sagen.