„Nicht einmal das Bier schmeckte mehr“

Trainer, Funktionäre, ein Sportarzt und Bobsporler starteten bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Sotschi.
Trainer, Funktionäre, ein Sportarzt und Bobsporler starteten bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Sotschi.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Jens Morgenstern, Vorsitzender des BSC Winterberg, erinnert sich an die Olympischen Spiele von Sotschi. Es waren keine schönen Tage.

Winterberg..  Er selbst war in Sotschi nicht dabei, doch dafür einige heimische Trainer, Funktionäre, ein Sportarzt aus Winterberg und natürlich die Bobsportler. Letzteren drückt BSC-Vorsitzender Jens Morgenstern im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi kräftig die Daumen. Leider umsonst. Als auch der Schlitten von Francesco Friedrich mit den BSC-Anschiebern Thorsten Margis, Jannis Bäcker und Gregor Bermbach nur hinterherfährt und abgeschlagen auf Platz 10 landet, ist die Enttäuschung riesengroß. Am Ende erlebt Morgenstern vor dem Fernseher in Winterberg ein historisches Bob-Debakel. Erstmals seit 50 Jahren gewinnen die deutschen Kufen-Cracks keine Medaille bei Olympischen Winterspielen. Doch das ist zum Großteil abgehakt. Morgenstern und der gesamte BSC sind inzwischen völlig auf die Bob- und Skeleton-WM ab 23. Februar 2015 in Winterberg fixiert. Mit viel Freude und Optimismus blickt man dem Großevent entgegen.

Frage: Wie und wo haben Sie die olympischen Bob-Wettkämpfe mit Winterberger Beteiligung in Sotschi erlebt?

Jens Morgenstern: Die meisten Übertragungen zu Hause am Fernseher. Für den Finaltag der Vierer-Bob-Entscheidung, das war am 23. Februar, hatten wir vom BSC Winterberg ein Public Viewing in unserem Clubraum im Zielhaus organisiert. Viele Clubmitglieder fieberten den Entscheidungen mit unseren Jungs entgegen. Am Ende des Rennens machte sich große Ernüchterung breit. Nicht einmal das Bier schmeckte mehr.

Welche Erwartungen hatten Sie im Vorfeld?

Eine Medaille war das Ziel. Mit Jannis Bäcker, Gregor Bermbach und Thorsten Margis waren drei Top-Anschieber des BSC dabei. Und mit ihrem Piloten Francesco Friedrich hatten sie ja auch eine Medaillenchance. Aber es wurde schnell klar, dass dieses Vorhaben trotz exzellenter Startzeiten des Teams schnell ad absurdum geführt wurde. Die Schlitten liefen einfach nicht.

War die Enttäuschung nach dem Debakel sehr groß?

Natürlich war die Enttäuschung groß. Zum Einen im Club und zum Anderen bei den Athleten. Sie hatten sich vier Jahre vorbereitet. Francesco Friedrich und Jannis Bäcker waren als amtierende Zweierbob-Weltmeister angereist. Und dann so was. Man konnte schon an den Zwischenzeiten ablesen, wann die Schlitten an Tempo verloren. Besonders im dritten Lauf war aufgrund der hervorragenden Startzeit und den guten Zwischenzeiten Optimismus aufgekommen. Doch mit dem Blick auf die Endzeit blieb davon nichts mehr übrig.

Wo lagen die Fehler? Was kann man daraus lernen?

Wie schon gesagt, aus meiner Sicht war es hauptsächlich ein Materialproblem. Das eine oder andere Team hatte auch einen gewissen Startrückstand. Davon konnte man aber bei unseren Athleten nichts erkennen. Cheftrainer Christoph Langen hat es in seinem Interview nach der Vierer-Entscheidung auf den Punkt gebracht. Dabei rechne ich ihm sehr hoch an, dass er die Verantwortung als Cheftrainer übernommen und sie nicht auf die Athleten abgewälzt hat. Darin zeigt sich Größe. Ich glaube nicht, dass sich jetzt das komplette Materialsystem ändern wird. Dass die Schlitten grundsätzlich laufen, hatte sich beim Weltcup Anfang 2014 in Winterberg gezeigt und auch der diesjährige Weltcup-Auftakt in Übersee war sehr gut. Die Trainer und Mechaniker werden noch akribischer an die Analysen der verschiedenen Bahnen und die entsprechenden Abstimmungen herangehen. Denn wir haben die Heim-WM vor der Nase. Und hier wollen wir unsere Frauen und Männer siegen sehen.

Einige BSC-Anschieber werden bei der Heim-WM voraussichtlich am Start sein. Ist eine Medaille drin?

Unbedingt. Zurzeit haben Thorsten Margis, Gregor Bermbach (beide bei Francesco Friedrich) und Erline Nolte (bei Stefanie Szczurek) die größten Chancen auf eine Teilnahme. Francesco und Thorsten haben nach ihrem glänzenden Abschneiden in Lake Placid und Calgary gezeigt, was möglich ist. Die Jungs sollten die Bobbahn in Winterberg auch mit einer Medaille verlassen. Leider sind Jannis Bäcker aufgrund seiner langwierigen Verletzung und Alexander Mann aufgrund seiner Abschlussprüfungen der Arztausbildung noch nicht in WM-Form. Aber einige Wochen haben sie ja noch. Auch hier geben wir die Hoffnung nicht auf.