Neues Labor bietet Hightech für das Herz

Grafschaft..  Im neuen Rechtsherzkatheter-Labor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft können die Ärzte die rechte Herzhälfte ihrer Patienten untersuchen. Was für Laien nicht sonderlich beeindruckend klingt, ist für die Mediziner eine wichtige Errungenschaft – für die Gesundheit der Patienten und für die Verzahnung der einzelnen Fachrichtungen des Krankenhauses. „Es ist ein Zugewinn für den Standort und die Region“, sagt Kardiologe Dr. Marcus Möllenberg.

Rechte und linke Herzhälfte

Die neuen Geräte machen es möglich, einen Katheter durch die rechte Herzhälfte der Patienten zu schieben. „Das rechte Herz hat die Aufgabe, das Blut durch die Lungen zu pumpen“, erklärt Chefarzt Dr. Christian Berndt. In den meisten Fällen wird in der Kardiologie allerdings die linke Herzhälfte untersucht, denn sie ist beim Herzinfarkt betroffen.

In solchen Fällen untersuchen die Ärzte mit Hilfe eines Katheters die Durchblutung des Herzens. „Für die Diagnose einer Herzschwäche bringt das aber relativ wenig“, sagt Berndt. Dafür ist es nötig, den Druck im Herzen zu messen. Genau das passiert im neuen Labor, das seit einer Woche funktionsfähig ist.

Dort schieben die Ärzte einen Katheter durch eine Vene am Arm des Patienten direkt durch seine rechte Herzhälfte. Auf einem Monitor kann der Arzt anhand verschiedener Kurven sehen, wie gut das Herz arbeitet und wie viele Liter Blut es in die Lunge pumpt. „Mit Hilfe der Untersuchung kann man auch abschätzen, wie schwer ein Herzklappenfehler ist und wie dringend er operiert werden muss“, sagt Berndt. Vor allem aber lässt sich mit der Methode feststellen, wie leistungsfähig das Organ ist. Während der Untersuchung werden die Patienten aufgefordert, in die Pedale eines Ergometers zu treten, um die Belastungsfähigkeit zu testen.

Im Gegensatz zur Katheteruntersuchung der linken Herzhälfte birgt die der rechten deutlich weniger Risiken und kommt ohne schädliche Röntgenstrahlen aus. Bei der etwa halbstündigen Untersuchung verspüren die Patienten so gut wie keinen Schmerz.

Bisher konnte diese Art der Untersuchung nur auf der Intensivstation durchgeführt werden – ohne Belastungstest und in eher vereinzelten Fällen. Nun sollen mehr als 100 Patienten pro Jahr davon profitieren können – und zwar nicht nur Herzpatienten im direkten Sinne.

Symptom der Luftnot

Bei Lungenerkrankungen ist die Untersuchung ebenso hilfreich. Leidet ein Patient zum Beispiel unter Luftnot, kann auch eine Herzschwäche der Grund sein. Oftmals gehen Lungen- und Herzerkrankungen zudem miteinander einher. Im Kloster Grafschaft arbeiten Spezialisten für beide Fachrichtungen. Laut Chefarzt Berndt tauschen sich die Mediziner täglich über ihre Patienten aus.

Diese Kooperation ist ihm zufolge selten, erst recht für ein Krankenhaus in ländlicher Gegend. In der Regel sei solch geballtes Fachwissen nur in den großen Uni-Kliniken zu finden.