Neues Gemeindezentrum im Baukastensystem

Marsberg..  Die evangelische Kirchengemeinde Marsberg hat in 2014 ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert mit vielen tollen Veranstaltungen durch das ganze Jubiläumsjahr. Jetzt will sie sich fit machen für die Zukunft. Veränderungen zeichnen sich ab. Die evangelische Kirchengemeinde will sich von Gebäuden trennen. Und ein neues Gemeindezentrum bauen. Ende 2018 wird zudem Pfarrer und Superintendent Alfred Hammer in den Ruhestand gehen. Die Pfarrstelle wird wohl kaum im vollen Umfang besetzt werden. Wenn überhaupt. Die WP sprach mit Pfarrer Alfred Hammer und mit Pfarrer Markus Pape.

Frage: Das hört sich tatsächlich nach sehr großen Veränderungen an. Was hat den Anstoß dazu gegeben?

Pfarrer Pape: Der demografische Wandel macht auch vor der evangelischen Kirche nicht Halt. Es gibt immer weniger Geistliche und die Gemeindemitglieder werden weniger und älter. Wir haben weniger Einnahmen durch wegfallende Kirchensteuern. Unsere Gemeindehäuser sind in die Jahre gekommen. Die Probleme sind nicht neu. Sie zeichneten sich schon lange ab und wir haben uns externe Hilfe bei der Erarbeitung der Lösungsschritte ins Boot geholt. Ein Jahr hat uns ein Team der Gemeindeberatung zur Seite gestanden. Das Ergebnis haben wir vergangenen Mittwoch in einer Gemeindeversammlung präsentiert.

Pfarrer Hammer: Es war eine sehr konstruktive Versammlung. Sie war mit 60 bis 70 Personen sehr gut besucht. Die Stimmung war interessiert, aber gelöst. Die Menschen haben intensiv zugehört und mitgedacht. Verwaltungsleiter Bernd Göbert hat den Gemeindeetat und die mittelfristige Finanzplanung vorgestellt. Schnell wurde deutlich, dass die Kosten aller Kirchengebäude deutlich über 50 Prozent unseres Gemeindeetats verbrauchen.

Die evangelische Kirchengemeinde unterhält drei Kirchen in Westheim, Bredelar und Niedermarsberg mit jeweils drei Gemeindehäusern, dem Jona-Kindergarten und dem Pfarrhaus in Niedermarsberg. Von den Gemeindehäusern wollen Sie sich also trennen?

Pfarrer Pape: Ja, sie haben einen hohen Sanierungsbedarf. Da stellt sich die Frage, investieren wir viel Geld, wo wir gar nicht wissen, lassen sie sich überhaupt halten. Das Presbyterium hat sich sehr lange mit der Frage beschäftigt, was ist für die zukünftige Gemeindearbeit nötig, wovon könnten wir uns trennen? Wir haben alle möglichen Kombinationen durchgespielt mit dem Ergebnis, dass wir versuchen wollen, alle Kirchen so lange es möglich ist, zu erhalten. Der Kirchturm in Bredelar muss saniert werden. Das wird allein um die 300 000 Euro kosten.

Pfarrer Hammer: Wir wollen die Gemeindehäuser in Westheim und in Marsberg am Jittenberg auf jeden Fall aufgeben, heißt, das in Westheim wollen wir verkaufen. Das Gemeindehaus am Jittenberg liegt topografisch sehr ungünstig. Wenn es sich nicht verkaufen lässt, werden wir es abreißen lassen. Für die Gemeindearbeit in Westheim können wir einen Raum in der ehemaligen Grundschule anmieten.

Was ist mit dem Gemeindehaus in Bredelar?

Pfarrer Pape: Bis jetzt wohne ich ja dort in der Pfarrwohnung. Ob wir es verkaufen, ist davon abhängig, ob ich dort wohnen bleibe oder, wenn Pfarrer Hammer im Ruhestand ist, in das Pfarrhaus in Marsberg am Jittenberg ziehe. Für die Gemeindearbeit könnten Räume im Kloster Bredelar genutzt werden.

Als Alternative planen Sie also den Neubau eines Gemeindezentrums. Wo soll es stehen?

Pfarrer Hammer: Wir wollen es neben dem evangelischen Jona-Kindergarten in der Pastor-Thaemel-Straße bauen. Das Grundstück nebenan steht zum Verkauf an. Wir haben schon mit dem Eigentümer gesprochen.

Pfarrer Pape: Im Moment wollen wir das Gemeindezentrum groß denken. Aber verwirklichen wollen wir es stückweise. Und nur das bauen, was wir wirklich unbedingt brauchen für die Gemeindearbeit. Wir denken an eine Art Baukastensystem, zu dem auf jeden Fall ein sakraler Raum gehört, in dem wir schon jetzt die Gottesdienste in der Winterzeit feiern könnten oder besondere Gottesdienste in anderer Form, mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein. Dieser Raum könnte später der Gottesdienstraum in Marsberg sein, falls unsere Kirche einmal nicht mehr zu halten sein sollte.

Im Prinzip hört sich das alles sehr vernünftig an. Die Lage des neuen Gemeindezentrums wäre ziemlich zentral und gut zu erreichen von Jung und Alt.

Pfarrer Hammer: Ja, genau so sehen es auch unsere Gemeindemitglieder. Wir haben angefangen zu denken, welche Räume wir zur Verfügung haben müssen. Auch das Gemeindebüro würde dort untergebracht. Es würde genügend Parkplätze geben. Es wird noch einen Architektenwettbewerb geben.

Pfarrer Pape: Es soll ein zweckmäßiges, schlichtes Gebäude werden, dass der Gemeinde Heimat bietet und wachsen kann.

Es bleibt also spannend!?

Pfarrer Hammer: Zu Visionen der Kirche gehört auch der Wandel. Wandel ist nicht schlimm. Wenn sich etwas verändert, mag das für manchen bedrohlich sein. Es birgt aber auch einen Funken Hoffnung und Vorfreude auf etwas Neues für die Menschen und die Zukunft der Kirche.

Pfarrer Pape: Wir gehen alle Veränderungen mit Gottvertrauen an. Wir wissen, dass alles anders wird ab 2018, wenn Pfarrer Hammer in den Ruhestand gehen wird.