Neuer Moscheeraum für Flüchtlinge in Marsberg

In der als Notunterkunft genutzten Kerschensteiner Schule haben die gläubigen Mosleme jetzt einen Moscheeraum.
In der als Notunterkunft genutzten Kerschensteiner Schule haben die gläubigen Mosleme jetzt einen Moscheeraum.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In der Kerschensteiner Schule haben sich Marsberger Asylbewerber islamischen Glaubens einen kleinen Gebetsraum eingerichtet.

Marsberg..  Einen Moscheeraum haben jetzt die Asylbewerber islamischen Glaubens in der als Notunterkunft hergerichteten Kerschensteiner Schule. „Hier können die gläubigen Moslems wann immer sie möchten ihre Gebete abhalten“, präsentiert Sozialamtsleiter Hanns Runte den Gebetsraum. Er ist Tag und Nacht geöffnet.

Eingerichtet ist er im ehemaligen Lehrmittelraum im Altbau der Schule direkt neben der Eingangstür. Der Raum ist perfekt, weil er ganz nach Osten ausgerichtet ist. Bei der Herrichtung hat der türkisch-islamische Kulturverein in Marsberg geholfen. Er hat Gebetsteppiche, Gebetsketten und Korane gespendet.

Eine wirkliche Bereicherung

Für Mohammad Schadan Arzemi (28) ist das eine wirkliche Bereicherung, wie er im astreinen Deutsch sagt. Der junge Afghane ist seit fünf Monaten in Deutschland. Er hat in seiner Heimat Germanistik studiert und als Deutschlehrer und Dolmetscher in der militärischen Akademie und militärischen Schule in Kabul gearbeitet. Mohammad Schadan Arzemi: „Ich habe die Offiziere in Deutsch unterrichtet, die später in Deutschland militärisch ausgebildet werden sollten.“ Fünfmal war er insgesamt in Deutschland zur Fortbildung. Immer wieder ist er nach Afghanistan zurückgekehrt. Auch wegen seiner Familie. Nach seinem letzten Seminar vor fünf Monaten in Deutschland ist er geblieben. „Die Taliban haben mir schriftlich mit dem Tod gedroht“, sah er für sich keinen anderen Ausweg, als sein Heimatland zu verlassen.

Genauso Tarekhael Zarbaz. Er kommt ebenfalls aus Afghanistan und ist ebenfalls erst 28 Jahre alt. Seine gesamte Familie allerdings wurde dort von den Taliban getötet. „Hier in Marsberg ist es gut“, sagt er in gebrochenem Deutsch. Die Menschen seien sehr nett. Seine Augen wandern zum Boden. Seit fünf Monaten ist er in Deutschland. Seit zwei Monaten lebt er in der Kerschensteiner Schule.

Sein Landsmann Mohammad hilft und unterstützt seine asylsuchenden Mitbewohner sprachlich wo es nur geht, hilft ihnen bei Behörden- oder Arztterminen. Auch wenn sie aus Indien, Pakistan oder dem Iran kommen. Er spricht auch deren Sprache. Wenn sein Asylantrag positiv beschieden ist, will er sein einjähriges Kind und seine Ehefrau aus Afghanistan nachkommen lassen. Sein Gesicht strahlt. Nächste Woche will er zur Agentur für Arbeit gehen und nachfragen, ob es für ihn irgendeine Möglichkeit gibt, arbeiten zu können. Nach neuer Rechtssprechung dürfen Asylbewerber nach drei Monaten in Deutschland arbeiten, sofern die Ausländerbehörde dem zustimmt.

Schule aus Dauerunterkunft

Im September vergangenen Jahres war die Asylbewerberunterkunft am Rennufer abgebrannt. Seitdem leben rund 40 Asylbewerber in der als Notunterkunft hergerichteten Kerschensteiner Schule. Die Stadtverwaltung denkt darüber nach, die Kerschensteiner Schule als Dauerunterkunft zu nutzen und die Klassenräume zu halbieren. Momentan teilen sich zehn Asylbewerber einen Klassenraum. An der Stelle des abgebrannten Asylbewerberwohnheimes soll ein neues gebaut werden. Die Versicherung hat inzwischen gezahlt. Mit den 300 000 Euro lässt sich allerdings kein neues finanzieren. Sozialamtsleiter Runte rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr noch mit dem Neubau begonnen werden kann. Offen ist noch, ob das Land Finanzierungszuschüsse leisten wird.