Nachwuchssegen in Hesborn

Einen wahren Babyboom gibt es in Hesborn.
Einen wahren Babyboom gibt es in Hesborn.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
München hat ihn, den Babyboom, mit drei Prozent. Hamburg ebenfalls und führt sogar vermeintlich stolze sechs Prozent Geburtensteigerung gegen über 2013 an. Aber Hesborn toppt sie alle!

Hesborn..  München hat ihn, den Babyboom, mit drei Prozent. Hamburg ebenfalls und führt sogar vermeintlich stolze sechs Prozent Geburtensteigerung gegen über 2013 an. Aber Hesborn toppt sie alle! Hier wurden im vergangenen Jahr 85 Prozent mehr Kinder als im Vorjahr geboren: 13 neue kleine Hesborner im Vergleich zu sieben im Jahr davor, und das bei 986 Einwohnern insgesamt. Ein Babyboom, der mittlerweile auch den Medien (neben der WP u.a. auch Radio Sauerland) aufgefallen ist.

Was ist das Geheimnis für die Hesborner Fruchtbarkeit? Man munkelt, dass ein zweitägiger Stromausfall im Frühjahr 2013 gewisse Auswirkungen gehabt haben soll. Auch Störche wurden beobachtet. Die älteren Einwohner tippen auf das Trinken des legendären Hesborner Brunnenwassers. Die jungen Mütter dagegen schwören auf die Hesborner Männer. Die meisten Frauen sind der Liebe wegen zu ihrem Partner nach Hesborn gezogen. Maria Niggemann hat es sogar aus der Großstadt Köln in das beschauliche Dörfchen im Hochsauerland verschlagen; sie hält beide Gründe für zutreffend. „Ich bin wegen meines Mannes nach Hesborn gekommen. Einen Monat, nachdem ich zum ersten Mal vom Hesborner Brunnenwasser gehört hatte, war ich schwanger.“

Der Hesborner Babyboom war jedoch kein statistischer Ausreißer allein im vergangenen Jahr, sondern er geht fleißig weiter. Allein in dieser Woche wurde am Rosenmontag schon ein Baby geboren, das nächste wird in diesen Tagen sehnsüchtig erwartet. Sechs Hesbornerinnen sind derzeit schwanger, und es ist erst Mitte Februar.

Großfamilien nicht selten

Bürgermeister Michael Kronauge ist stolz auf seine Hesborner, weil sie das Problem der demografischen Entwicklung selbst in die Hand nehmen: „Die Hesborner haben erkannt, dass gegen die zurückgehenden Geburtenzahlen kein städtisches Dorfentwicklungskonzept und kein noch so gut moderierter Runder Tisch zur Bevölkerungsentwicklung hilft, sondern nur emsige Arbeit!“

Auch Hebamme Gabi Baum freut sich über den Nachwuchssegen. Sie kann den auch bundesweit leicht ansteigenden Trend zu mehr Kindern bestätigen: „Ich stelle bei Gesprächen mit Kolleginnen von weiter weg immer wieder fest, dass es bei uns in der Gegend vergleichsweise viele Kinder gibt. Familien mit drei Kindern sind fast schon Standard, aber auch vier oder mehr Kinder kommen hier durchaus öfter vor. In Hesborn gibt es momentan viele junge Familien. Schön, dass dort jetzt viele Kinder zusammen groß werden können.“

Eigenes Kinderbörsen-Team gegründet

Aufgrund des reichen Nachwuchssegens entstand im letzten Jahr bei einigen Eltern die Idee, eine eigene Kinderbörse in Hesborn aufzuziehen, die am morgigen Samstag zum ersten Mal stattfinden wird. Angeboten werden hier natürlich nicht die Kinder, sondern alles, was man an Ausstattung für sie braucht, berichtet Marc Guntermann als einer der Initiatoren: „Wir haben uns überlegt, dass sich bei so vielen Kindern alleine in Hesborn eine eigene Börse lohnen müsste, auf der man die Sachen weiter gibt, die man nicht mehr braucht, und andere für die nächsten Altersstufen günstig kaufen dann.“ Das Börsenteam umfasst 24 Helfer, davon die Hälfte Männer. Insgesamt bringt das Team es derzeit auf 13 Töchter und elf Söhne. Und die Mitarbeit im Kinderbörsen-Team scheint ansteckende Wirkung zu haben: Von den anfangs fünf noch kinderlosen Helferinnen ist bereits die erste guter Hoffnung. Mehrere Singles sind auch dabei, darunter drei Männer. Was motiviert sie zum Mitmachen bei einer Kinderbörse? Für Ricarda Cappel war die gute Dorfgemeinschaft Ansporn, mit anzupacken: „Hier hilft jeder jedem.“

Das bestätigt auch Katja Kaiser, Mutter einer siebenjährigen Tochter und eines zweijährigen Sohnes. Sie ist in Hesborn groß geworden und weiß deshalb aus eigener Erfahrung, was dieses Dorf so lebenswert macht: „Hesborn ist ein Ort, wo noch jeder jeden kennt. Hilfsbereitschaft untereinander ist hier an der Tagesordnung!“ Die Kinder könnten durch das ganze Dorf laufen und zu jedem hingehen. Für die Jüngeren gebe es Krabbelgruppen und den Kindergarten im Ort, die Größeren fänden ein aktives Vereinsleben beim Fußball, Skiclub, der Jägerkapelle, der Feuerwehr oder dem THW vor, dazu käme der gut gefüllte Veranstaltungskalender übers ganze Jahr. „In Hesborn macht das Leben als Familie einfach Spaß.“