Nachtbuslinien im Altkreis Brilon auf Prüfstand

Bieten mit dem Nachtbus Nachtschwärmern eine siche Rückfahrt nach Hause: (v.l.) Thomas Mester von Brilon Kultour, Dominik Graetz von Sponsorpartner Provinzial und Gregor Speer von der RLG.
Bieten mit dem Nachtbus Nachtschwärmern eine siche Rückfahrt nach Hause: (v.l.) Thomas Mester von Brilon Kultour, Dominik Graetz von Sponsorpartner Provinzial und Gregor Speer von der RLG.
Foto: WAZ
Brilon und Medebach haben mehrere örtliche Linien eingestellt. Die Kosten waren zu hoch, die Frequentierung zu niederig.

Altkreis..  Nach der Party sicher im Nachtbus nach Hause gefahren werden – dieses Angebot nutzen im Altkreis Brilon viele. Aber offenbar nicht auf allen Linien. So hat die Stadt Medebach angesichts rückläufiger Fahrgastzahlen entschieden, ihre beiden Nachtbus-Linien N7 und N9 künftig nicht mehr zu finanzieren. Und auch im Briloner Stadtgebiet wurde die N4 zum Jahresende aus Kostengründen eingestellt (die WP berichtete).

Weiterhin beteiligt ist die Stadt Brilon aber am Nachtbus N2. Der Bus ist samstags zwischen Brilon, Olsberg und Winterberg unterwegs. Er ist seit 1997 im Einsatz und wurde damals übrigens als erste Linie im HSK auf den Weg gebracht.

Die Linie N4 war 2006 als Linienverkehr samstags Richtung Willingen an den Start gegangen. Dann wurde das Konzept umgestellt. Zuletzt war die Linie nicht mehr regelmäßig, sondern als veranstaltungsbezogener Verkehr im Stadtgebiet unterwegs, um Nachtschwärmer z.B. bei der Kirmes, beim Stadtfest oder dem Musiksommer zu chauffieren. 2014 war der Bus an 16 Verkehrstagen im Einsatz. Dabei wurden insgesamt 206 Fahrgäste (ohne Weihnachtsmarkt und Silvester) befördert. Die Kosten für die Stadt Brilon betrugen 5000 Euro.

Alternativen prüfen

So ganz hat sich die Stadt allerdings noch nicht von einem solchen Nacht-Transfer verabschiedet. Die Stadtverwaltung sucht daher momentan noch nach Alternativen. Am 26. März soll das Thema im Strukturausschuss beraten werden.

Im Zuge der aktuellen Haushaltsdebatte stand unlängst auch im Rat Medebach der Nachtbus zur Diskussion. Angesichts der Fahrgastzahlen und der Kosten hat sich die Stadtvertretung schließlich dafür ausgesprochen, die Linien N7 (Medebach-Usseln-Willingen) und N9 (Langewiese-Winterberg-Düdinghausen-Medebach) nicht mehr weiter zu finanzieren. Eine Entscheidung, die quer durch alle Fraktionen keine leichte war; zumal der Nachtbus ja eingeführt wurde, die Mobilität vor allem junger Leute auf dem Land zu verbessern und ihnen eine sichere Heimfahrt nach Party und Discobesuch zu ermöglichen.

Zwei Millionen Menschen nutzen Angebot in Westfalen

Pro Jahr zahlt die Stadt Medebach 20 000 Euro für die beiden Nachtbus-Linien. Im Schnitt nutzen aber nur rund 30 Fahrgäste diese Angebote pro Nacht. Jeder Fahrgast werde durch die Stadt dabei mit sieben Euro subventioniert, so Bürgermeister Thomas Grosche bei der Haushaltsberatung. Mit im Boot ist bei der Linie N9 auch die Stadt Winterberg, die auf Anfrage der WP erklärte, dass es Gespräche mit der Nachbarkommune und der RLG zu dem Thema geben werde.

Angesichts der schwierigen Haushaltslage und der Fahrgastzahlen erklärte Gregor Speer, stellv. Leiter Verkehrsmanagement der RLG, auf Anfrage der WP, dass er die Entscheidungen durchaus nachvollziehen könne. Die Fahrgastzahlen seien in diesen Linien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Insgesamt sei das Nachtbus-Konzept aber ein sehr gutes Angebot für die Menschen in der Region.

Auch Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer spricht mit Blick auf den Nachtbus von einer „Erfolgsgeschichte für uns im ländlichen Raum, wo Mobilität ein sehr wichtiges Thema ist“. Olsberg wird von drei Nachtbuslinien angefahren: N2 (Brilon-Olsberg-Winterberg), N8 (Olsberg-Winterberg-Hallenberg) und N3 (Arnsberg-Meschede-Bestwig-Olsberg). Dafür steuert Olsberg 17 000 Euro pro Jahr bei.

Angebot für Region

Fischer machte aber auch deutlich, dass die Zahlen für den N2 und den N3 seit 2010 kontinuierlich rückläufig seien. Die N8 sei etwa gleich geblieben, aber für 2013/14 mit ca. 60 Fahrgästen pro Nacht auf eher niedrigem Niveau. Für 2016 sei mit Blick auf den N2 bereits eine Preiserhöhung angekündigt worden.

Ein wichtiges Ziel, das von Anfang an hinter dem Nachtbuskonzept stehe, sei es, vor allem Jugendliche nachts sicher nach Hause zu transportieren und schwere Unfälle zu vermeiden, so das Stadtoberhaupt. Für die Attraktivität des ländlichen Raumes sei es zudem insgesamt wichtig, ein gutes Mobilitätsangebot zu haben. Dabei müsse man als Kommune natürlich auch immer die Kosten im Blick haben.